Notenbanken pumpen Milliarden in den Markt

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Frankfurt/London/Tokio (dpa) - Die Notenbanken haben am Dienstag ihre Liquiditätsspritzen am Geldmarkt ausgeweitet, um eine Kreditklemme der Banken nach den Erschütterungen an der Wall Street abzuwenden.

Die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England sowie nun auch die Bank of Japan pumpten zusammen mehr als 111,7 Milliarden Euro in die Märkte, wie die Notenbanken in Frankfurt, London und Tokio mitteilten.

Am Montag hatten bereits mehrere Notenbanken in Europa insgesamt 36,3 Milliarden Euro bereitgestellt, um die Turbulenzen durch die US-Finanzkrise abzufangen und das reibungslose Arbeiten der Banken zu ermöglichen. Die Bank of Japan hatte wegen eines Feiertags nicht gehandelt.

Die EZB teilte den Geschäftsbanken am Dienstag 70 Milliarden Euro für einen Tag zu. Bereits am Montag hatte die EZB 30 Milliarden Euro bereitgestellt, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Die Nachfrage der Banken war mit 102,48 Milliarden Euro hoch. Der Durchschnittszins kletterte auf 4,40 (Vortag: 4,39) Prozent. Die Geschäfte waren mit einem Mindestgebot in Höhe des Leitzinses von 4,25 Prozent ausgeschrieben worden.

Auch die Nachfrage nach dem regulären Wochentender war stark. Die EZB teilte dem Bankensystem über ihr Hauptrefinanzierungsgeschäft (Refi) 150 Milliarden Euro zu. Die Benchmark-Zuteilung, die den Banken eine problemlose Erfüllung ihrer Mindestreservepflicht erlauben soll, lag bei 111 Milliarden Euro. Es gab 533 Bieter. Das Volumen der Gebote lag bei rund 328,66 Milliarden Euro.

Die US-Notenbank Federal Reserve pumpte weitere 50 Milliarden Dollar (etwa 35 Mrd Euro) in den Geldmarkt. Bereits am Montag hatte die Fed den Banken 70 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt.

Auch die britische Notenbank stellte dem Geldmarkt in einem Zwei-Tages-Geschäft zusätzliche Liquidität über 20 Milliarden Pfund (25,2 Milliarden Euro) zur Verfügung. Das Geschäft wurde in Höhe des Leitzinses von 5,0 Prozent durchgeführt. Auch hier war die Nachfrage hoch. Mit Geboten von 58,1 Milliarden Pfund war das Geschäft fast dreifach überzeichnet.

Die Bank of Japan (BoJ) pumpte am Dienstag in zwei Schritten insgesamt 2,5 Billionen Yen (16,5 Mrd Euro) in den Geldmarkt. Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa erklärte, sein Institut werde sich weiterhin bemühen, die Märkte zu stabilisieren. Die Situation der US-Banken und die Auswirkungen der Krise würden genau verfolgt.

Aus Sorge über mögliche Milliarden-Löcher in den Bilanzen wegen neuer Abschreibungen halten die Banken derzeit Geld zurück und leihen es sich nicht mehr im sonst üblichen Umfang. Die Notenbanken können in solchen Situationen zusätzliches Geld an die Banken verleihen, um ein Austrocknen der Märkte zu verhindern. Vor der Finanzkrise hatte die EZB nur nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu diesem Mittel gegriffen.

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