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Der britische Notenbankchef Mark Carney hat 250 Milliarden Pfund zur Stützung der Märkte in Aussicht gestellt. Foto: Simon Dawson

Notenbanken wollen gemeinsam Finanzmärkte beruhigen

Das Brexit-Votum ist ein Schock für die Finanzmärkte. Die Notenbanken haben zwar seit längerem Pläne für den Fall den Fälle - doch der Ausgang des Referendums hat die Märkte überrascht.

Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem Brexit-Votum wollen sich führende Notenbanken gegen Turbulenzen an den Finanzmärkten stemmen. Der britische Notenbankchef Mark Carney stellte 250 Milliarden Pfund zur Stützung der Märkte in Aussicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die japanische Notenbank betonten ihre Handlungsbereitschaft. Die Schweizerische Nationalbank schritt unterdessen gleich zur Tat und griff am Devisenmarkt ein. Das Brexit-Votum hat die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt und zu heftigen Verwerfungen am Devisenmarkt, an den Börsen und den Märkten für Staatsanleihen gesorgt.

Das Britische Pfund stürzte auf den tiefsten Wert seit 1985, weil Anleger panikartig Geld aus Großbritannien abzogen. Auch der Euro steht wegen gestiegener Zweifel am Zusammenhalt der Europäischen Union (EU) stark unter Druck.

Der britische Notenbankenchef Mark Carney versuchte am Freitagmorgen zu beschwichtigen: Die Bank of England werde nicht mit zusätzlichen Maßnahmen zögern, sagte Carney in einer Fernsehansprache. Man sei bereit, mehr als 250 Milliarden Pfund bereitzustellen, um die Funktionsfähigkeit der Märkte aufrechtzuerhalten. Einige Experten rechnen damit, dass die Bank of England den Leitzins von derzeit 0,5 Prozent in Richtung null senken dürfte.

Auch die EZB signalisierte ihre Handlungsbereitschaft, nannte aber keine konkreten Zahlen: Man sei bereit, "falls nötig, den Märkten zusätzliche Liquidität in Euro und anderen Währungen bereitzustellen", teilte die Notenbank am Freitag in Frankfurt mit.

Neben den Schwankungen beim Euro dürfte die EZB auch mit Argusaugen beobachten, dass die Renditen auf Staatspapiere südeuropäischer Länder nach dem Brexit in die Höhe geschnellt sind. Besonders ungelegen kommt der Brexit in Spanien, wo es politisch kriselt und am kommenden Sonntag nach dem Scheitern der Regierungsbildung erneut ein Parlament gewählt wird.

Einige Experten hatten vor dem Brexit-Votums sogar spekuliert, die EZB könnte im Extremfall ihr sogenanntes OMT-Programm zum Einsatz bringen, also gezielt Staatsanleihen von Krisenländern aufkaufen. Erst am Dienstag hatte das Bundesverfassungsgericht dies unter bestimmten Bedingungen gebilligt. Es wäre das erste Mal, dass das 2012 eingeführte Instrument tatsächlich zum Einsatz käme. Als wahrscheinlich gilt es allerdings nicht.

Während die EZB und die Bank of England mit starken Wertverlusten ihrer Währungen konfrontiert sind, haben Notenbanken, deren Währungen traditionell als sichere Häfen gelten, nach dem Brexit-Votum mit starken Wertzuwächsen zu kämpfen, vor allem Japan und die Schweiz.

Die Schweizer schritten sofort zur Tat: "Die Schweizerische Nationalbank hat am Devisenmarkt eingegriffen, um die Situation zu stabilisieren und wird am Markt aktiv bleiben", teilten die Währungshüter mit. Der starke Schweizer Franken ist den Notenbankern unter anderem wegen negativer Folgen für Exporte ein Dorn im Auge.

Vor dem gleichen Problem stehen die Japaner, die vorerst keine Eingriffe vornahmen, aber ihre Bereitschaft dazu signalisierten. "Wir stehen bereit, um die Märkte mit genügend Liquidität zu versorgen", teilte Notenbankchef Haruhiko Kuroda mit. Abrupte Bewegungen am Devisenmarkt seien nicht erstrebenswert, sagte zudem der japanische Finanzminister Taro Aso vor Journalisten. Der Finanzminister kann in Japan die Notenbank anweisen, am Devisenmarkt einzugreifen.

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