Notgroschen mit gutem Zinssatz

- Hohe Sicherheit, ständige Verfügbarkeit und eine meist akzeptable Rendite: Das Tagesgeldkonto ist die erste Wahl, um kurzfristig Geld zu parken und einen Notgroschen anzulegen. Kunden profitieren von der steigenden Konkurrenz, dürfen aber das Kleingedruckte nicht überlesen. Auch hier lauern Fallen.

Kurzfristige Anlage geringer Beträge

So haben einige Angebote, die gut klingen, einen "Sternchen"-Paragrafen ­ nicht immer ist der Zins für alle gleich. Generell aber eignen sich Tagesgeldkonten nach Expertenmeinung vor allem für die kurzfristige Anlage von geringeren Beträgen: "Die Faustformel lautet, dass man hier zwei bis drei Monatsgehälter für unvorhergesehene Ausgaben anlegt", sagt Uwe Döhler, Finanzexperte der Stiftung Warentest in Berlin. Viele Verbraucher halten sich seiner Erfahrung nach aber nicht an diesen Ratschlag. "Manche haben sechsstellige Beträge auf dem Tagesgeldkonto."

Niederländische Bank ist Spitzenreiter

Zinsstarke Angebote gibt es derzeit vor allem bei ausländischen Banken. Die von der Stiftung Warentest herausgegebene Zeitschrift "Finanztest" nimmt regelmäßig Tagesgeldkonten unter die Lupe. In der aktuellen Top-20-Liste (siehe Tabelle) tauchen vor allem Institute auf, die den meisten deutschen Kunden kaum vertraut sein dürften. Spitzenreiter ist die niederländische Credit Europe Bank mit einem Effektivzinssatz von stolzen 5 Prozent. Nur wenig geringere Zinsen werfen die Konten der luxemburgischen Advanzia Bank, der Akbank (Niederlande) oder der Amsterdam Trade Bank ab. Die erste deutsche Bank in der Liste ist die Norisbank mit 4,32 Prozent.

Einlagensicherung beachten

Bei den Angeboten der ausländischen Banken ist zu beachten, dass sie nicht dem deutschen Einlagensicherungsfonds angeschlossen sind. Bei einer Pleite der Bank ist das angelegte Geld also nur im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung geschützt. Allerdings ist der Schutz in den meisten europäischen Ländern ohnehin zu Hundert Prozent für Einlagen von bis zu 20 000 Euro pro Kunde vorgesehen. "Bei Ehepaaren ist also immerhin eine sichere Anlage von 40 000 Euro möglich. Und das sollte in der Regel ausreichen", sagt Uwe Döhler.

Die große Mehrheit der deutschen Kreditinstitute ist einem Einlagensicherungsfonds angeschlossen. Diese Einrichtungen garantieren eine Einlagensicherung in nahezu unbegrenzter Höhe. "Wie hoch die Einlagen pro Kunde gesichert sind, ist unterschiedlich und wechselt teilweise", erläutert Thomas Schlüter vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. Die aktuellen Werte finden sich im Internet. Für deutsche Banken, die keinem Einlagensicherungsfonds angeschlossen sind, gilt der geringere gesetzliche Schutz. Geschützt sind 90 Prozent der Kundengelder bis maximal 20 000 Euro pro Sparer.

Lohnenswerter Vergleich

Anders als früher gibt es bei den übrigen Bedingungen nach Angaben von Verbraucherschützern heute kaum noch Fußangeln. Die Konkurrenz habe Vorteile für Bankkunden gebracht. Nur noch selten seien die Tagesgeldangebote zum Beispiel an ein Girokonto bei der gleichen Bank gebunden, sagt Uwe Döhler. Es werde auch nur noch in Einzelfällen der gleichzeitige Abschluss eines anderen Investment-Angebots vorausgesetzt. "Aber wegen des oft schwankenden Guthabens bietet sich ein Tagesgeldkonto ohne Mindestanlagesumme an."

Denn ob der Zinstrend nach oben oder nach unten geht: Wer Geld auf dem Tagesgeldkonto hat, sollte später von Zeit zu Zeit die Konditionen mit denen anderer Angebote vergleichen. "Lange Zeit war die ING-DiBa an der Spitze der zinsstärksten Angebote, und viele haben daher ihr Geld dorthin transferiert", sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. Inzwischen taucht der Marktführer beim Tagesgeld mit seinen vergleichsweise geringen 3,25 Prozent nicht mehr in den Top 20 der Stiftung Warentest auf. Gottschalk rät daher, besonders bei höheren Guthaben den eigenen Zinssatz immer wieder mit dem anderer Angebote abzugleichen. "Der Aufwand des Wechsels kann ein paar hundert Euro im Jahr bringen."

Höherer Zins auch bei Sparbüchern möglich

Sparbücher gelten den meisten Experten im Vergleich zum Tagesgeld als unattraktiv. Denn Sparbücher werfen meist recht geringe Zinsen ab und können nur mit einer dreimonatigen Frist gekündigt werden. Allerdings muss der Sparklassiker nicht immer ein Zins-Winzling sein, wie Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen erklärt. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Banken und Sparkassen bei guten Kunden mit hohem Anlagebetrag durchaus höhere Zinsen zahlen, wenn man mit einem Bankwechsel droht." Es könne sich daher durchaus lohnen, auch bei der Hausbank nach besseren Konditionen zu fragen.

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