Notoperation soll EM.TV retten

- München - Um eine drohende Pleite zu verhindern, will die Münchner EM.TV & Merchandising AG wesentliche Teile des Unternehmens an Gläubiger abtreten. Falls diese Notoperation gelingt, wäre der seit zwei Jahren um sein Überleben kämpfende Filmrechtehändler "von der letzten großen Altlast befreit" und endgültig saniert, sagte EM.TV-Chef Werner Klatten. Diese letzte Hürde ist eine Wandelanleihe über 469 Millionen Euro, die zu besseren Zeiten von EM.TV ausgegeben wurde und im Februar 2005 fällig wird. Diese Summe kann der gefallene Börsenstar nicht aufbringen.

<P>Nach mehrmonatigen Verhandlungen hat er sich deshalb mit einigen Anlegern, die die Anleihe gezeichnet haben, über eine Alternative zur Rückzahlung geeinigt. Die dabei zu Grunde liegenden Transaktionen sind kompliziert und spalten die heutige EM.TV zeitweise in mehrere Gesellschaften auf. Am Ende dieses Prozesses würden die Anleihe-Gläubiger 60 % einer neuen EM.TV halten. Darüber hinaus bekämen sie 20 Millionen Euro in bar, eine Optionsanleihe über weitere 50 Millionen Euro und maximal 150 Millionen Euro aus einem geplanten Verkauf des 45 %-EM.TV-Anteils an der Münchner TV-Gruppe TMG. "Das ist ein fairer Kompromiss", sagte Klatten. </P><P>Endgültig beschlossen ist aber noch nichts. Denn zugestimmt haben erst gut 40 Prozent der Anleihe-Gläuiger. Klatten zeigte sich zuversichtlich, dass die nötige Quote von 97,5 % in den nächsten Wochen erreicht wird. Gut heißen muss den Plan zudem eine außerordentliche EM.TV-Hauptversammlung. Das sei angesichts einer Insolvenz als Alternative eher eine Formalie, schätzte Klatten, der selbst knapp ein Viertel der Anteile hält. Im Fall einer Pleite würden die Aktionäre wohl völlig leer ausgehen, warnte der EM.TV-Chef. Auch EM.TV-Gründer Thomas Haffa, der den Niedergang des Konzerns mitverantworten muss und wegen unrichtiger Darstellungen in früheren Bilanzen zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden ist, hat seine Zustimmung signalisiert. Die Börse war vom Vorhaben nicht begeistert. Die EM.TV-Aktie, die in den letzten Jahren 99 % ihres Werts verloren hat, gab um gut 15 % nach und notierte im S-Dax bei 1,27 Euro.</P><P>Die Reaktion ist verständlich, weil sich die Alteigner in Zuge der Sanierung nochmals von umfangreichen Werten trennen müssen. Zudem gab EM.TV neue Wertberichtigungen bekannt. Nach neun Monaten 2003 steht im Konzern deshalb ein Fehlbetrag von gut 100 Millionen Euro zu Buche. Das Konzerneigenkapital liegt nun nahe Null. </P>

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