Novartis bietet angeblich 2,7 Milliarden Euro für Hexal AG

- München - Der Arzneimittelhersteller Hexal wird wieder einmal heftig umworben. Derzeit feilscht angeblich die Schweizer Novartis um den Preis. Noch ist ein Verkauf, der den gesamten Markt verändern könnte, aber keine beschlossene Sache.

<P>Der Schweizer Pharmariese Novartis habe dem Vernehmen nach seine Hand nach dem Familienunternehmen in Holzkirchen ausgestreckt. Novartis kommentiere die Spekulationen über Gespräche mit Hexal nicht, hieß es in Basel. Auch Hexal hält sich bedeckt. "Wir prüfen alle Optionen von Verkauf bis Fusion", sagte eine Konzernsprecherin auf Anfrage. Mit wem verhandelt wird, sagte sie nicht. Noch sei alles offen. Nur die Option Börsengang habe man "auf Eis gelegt". Hexal ist mit 7300 Mitarbeitern und 1,3 Milliarden Euro Umsatz der zweitgrößte Hersteller von Generika in Deutschland. Das sind preisgünstige Nachahmerarzneien ohne Patentschutz, die nach fortschreitender Kostendämpfung im Gesundheitswesen mittlerweile die Hälfte des deutschen Marktes abdecken. Heimischer Marktführer bei Generika ist Ratiopharm, Nummer drei die börsennotierte Stada.<BR><BR>Weltweit dominieren die israelische Teva und die Novartis-Tochter Sandoz, die bereits vor zwei Jahren vergeblich nach Hexal gegriffen hatte, den Generikamarkt. Es gilt als offenes Geheimnis, dass die auf dem zweitgrößten Generikamarkt Deutschland unterrepräsentierten Teva und Novartis/Sandoz schon lange nach einem Zukauf suchen. <BR>Bislang war das Bemühen aber stets am Preis gescheitert. Diese Gefahr droht auch diesmal. Die Hexal-Eigner Thomas und Andreas Strüngmann, die das Unternehmen 1986 gegründet haben, verlangen angeblich knapp vier Milliarden Euro von Novartis. Experten halten dies für überzogen, auch weil der im Vorjahr von der Politik verordnete, 16-prozentige Zwangsrabatt auf Generika der Branche sinkende Gewinne beschert hat. Dazu haben sich die Firmen mit Rabattschlachten das Leben selbst schwer gemacht.<BR><BR>Auch bei Hexal sind die Erlöse unter Druck gekommen. "Wir haben aber noch schwarze Zahlen geschrieben", sagte eine Sprecherin. Genaue Zahlen nennen die Holzkirchner nicht.<BR><BR>Von Novartis soll ein Kaufangebot über 2,7 Milliarden Euro auf dem Tisch liegen. Auch weitere Interessenten soll es geben. Ob mit denen ernsthaft verhandelt wird, oder sie nur dazu benutzt werden, um den Preis nach oben zu treiben, ist fraglich. Wenn es zu einem Verkauf kommt, "dann nur, wenn wir die Arbeitsplätze sichern können", sagte Thomas Strüngmann der "Süddeutschen Zeitung". Dieses Versprechen gilt als glaubhaft. Hexal ist vor kurzem hinter Microsoft zum beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands gewählt worden. Hierzulande beschäftigt der Hersteller von Arzneien wie dem Hustenlöser ACC-Akut 3000 Frauen und Männer. Voriges Jahr wurden 200 Stellen aufgebaut.<BR><BR> In Deutschland sind rund 30 Generika-Firmen auf dem Markt aktiv. Experten sagen ihnen eine starke Konsolidierung auf noch maximal zehn Wettbewerber voraus. Wenn Hexal an einen großen Pharmakonzern verkauft wird, könnte das der Auftakt zu weiteren Übernahmen werden.</P>

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