„Sorgen über Mutter im Krankenhaus“

Brisante Vorwürfe gegen H&M: Mitarbeiter schockiert

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Der beliebte Mode-Riese H&M sieht sich brisanten Vorwürfen ausgesetzt. Mitarbeiter sind schockiert.

  • H&M soll seine Mitarbeiter ausspioniert haben.
  • Das Mode-Unternehmen soll gezielt private Daten gesammelt haben.
  • Aufgeflogen ist der Vorfall durch eine technische Panne.

Update vom 25. Januar 2020: Im Datenschutz-Delikt des Nürnberger H&M-Kundenzentrums gibt es neue Entwicklungen: Ein Bußgeldverfahren ist eröffnet worden und der Konzern wolle dabei voll kooperieren

Erstmeldung vom 18. Dezember 2019:

Nürnberg - Die internationale Modekette H&M sieht sich ernsten Vorwürfen ausgesetzt. Der deutsche Ableger des Unternehmens soll gezielt private Details über seine Mitarbeiter erfragt und diese in einer Datenbank gespeichert haben. Betroffen sind demnach knapp 700 Mitarbeiter im zentralen Service-Center des Konzerns in Nürnberg.

Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunk zählen zu den gesammelten Daten etwa detaillierte Krankheitsverläufe, Beziehungsprobleme oder „Sorgen über die Mutter im Krankenhaus“. All diese Informationen soll das Unternehmen gespeichert haben. 

H&M soll Mitarbeiter ausspioniert haben: Bettgeschichten, Medikamente und mehr abgefragt

Ans Licht gekommen ist die Datenspeicherung der extrem sensiblen Informationen dem Bericht zufolge nur durch einen technischen Fehler auf Seiten von H&M. Dadurch konnte offenbar ein Großteil der Mitarbeiter des Servicezentrums plötzlich auf den Ordner mit den entsprechenden Daten zugreifen. Diese Datenschutz-Panne meldete nun wiederum H&M der zuständigen Aufsichtsbehörde. 

Neben den bereits genannten sehr privaten Informationen sollen sich in dem Ordner auch Arbeitsverträge oder Bewerbungsunterlagen befunden haben. Die schockierend sensiblen Informationen fanden sich demnach in sogenannten „Gesprächsnotizen“ der Teamleiter innerhalb des Ordners.

Wie der BR nach Recherchen meldet, entstanden diese „Gesprächsnotizen“ auf verschiedene Art und Weise. So sollen schon nach kurzer Abwesenheit etwa wegen einer Krankheit sogenannte „Welcome-Back-Gespräche“ stattgefunden haben. Teamleiter sollen darin gezielt nach privaten Details gefragt haben. Zudem sollen in Pausen der Mitarbeiter in lockerer Atmosphäre Informationen gesammelt worden sein, die dann in „seitenlangen Dokumenten“ landeten.

H&M soll Daten manipuliert haben - Modehaus widerspricht

Der Sender sprach im Zuge seiner Recherchen auch mit Mitarbeitern des Modehauses. Diese schilderten noch detaillierter, welche Informationen gelistet waren. So seien etwa Medikamente, die die Mitarbeiter einnehmen, aufgeschrieben worden, genauso wie Beschreibungen, wenn Mitarbeiter mit Kolleg*innen die Nacht verbracht hatten, oder Vermutungen über Menstruationsprobleme.

Zu welchem Zweck H&M die sensiblen Daten gesammelt hat, ist aktuell völlig unklar. Der BR vermutet unter Berufung auf Mitarbeiterkreise, dass die Informationen bei zukünftigen Entscheidungen über eine etwaige Vertragsverlängerung herangezogen werden sollten.

H&M hat seinen Mitarbeitern nun Zugang zu den gesammelten Daten gegeben. Allerdings sollen dabei nun Unstimmigkeiten aufgetreten sein. Mitarbeiter berichten, dass Daten nachträglich manipuliert und geändert worden seien. H&M widerspricht den Vorwürfen, man könne die Daten nicht nachträglich bearbeiten.

Im Sommer hatte die Aussage einer H&M-Mitarbeiterin über die Kunden für Entsetzen gesorgt. Probleme mit der Datenschutzbeauftragten bekommt nun auch die Deutsche Bahn und zwar wegen ihres Umgangs mit Greta Thunberg. 

rjs

Rubriklistenbild: © picture alliance / Hauke-Christi / Hauke-Christian Dittrich

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