Null-Energie-Haus: Zur Sanierung verdonnert

München - Bis zu 50 Prozent der verbrauchten Energie in Deutschland lassen sich einsparen, sagt Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Deshalb hat er im Energiekonzept das Thema Effizienz zur Schlüsselfrage erkoren.

Hauseigentümer sollen zum Sanieren verdonnert werden - so sieht es zumindest das Energiekonzept der Bundesregierung vor, beonders die darin enthaltenen Sanierungsvorschriften. Vieles ist noch etwas nebulös und es bleibt unklar, etwa ob es Sanktionen bei einer Verweigerung geben wird, dennoch fürchtet die Branche eine Kostenexplosion. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Warum lässt sich bei Gebäuden viel Energie einsparen?

Auf den Gebäudebereich entfällt fast die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs und ein Drittel der klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstöße. Drei Viertel des Altbaubestands wurden vor 1979 und damit vor der ersten Verordnung für eine bessere Isolierung errichtet. Ein Großteil der Energie geht so unnötigerweise für das Heizen drauf. Bis 2020 soll dieser Bedarf um 20 Prozent gesenkt werden, bis 2050 um 80 Prozent.

Was ist genau geplant?

In dem Energiekonzept heißt es, dass der Standard „Null-Emission“ bis 2050 in der Novelle der Energieeinsparverordnung für Gebäude festgeschrieben werden soll. Das bedeutet, dass die Gebäude im Idealfall die Wärme, die sie verbrauchen, selbst produzieren. Wärme- und Stromversorgung sollen durch Öko-Energien erfolgen - etwa durch Sonnenenergie und bessere Dämmung. Bis 2020 sollen nur die am schlechtesten isolierten Gebäude saniert werden. Doch kann dies bei denkmalgeschützten Häusern oft schwierig oder gar unmöglich sein. Wenn der Eigentümer die Ziele vorzeitig erfüllt, erhält er eine staatliche Förderung. Außerdem soll das CO2-Gebäudesanierungsprogramm besser ausgestattet werden. Die Regierung betont, dass mit dem langfristigen Ansatz mehr Planungssicherheit geschaffen werde.

Warum wird dann das Sanierungsprogramm halbiert?

Das ist ein Widerspruch. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) hatte für das Sparpaket zugesichert, das CO2-Sanierungsprogramm auf 450 Millionen Euro zu halbieren. Eventuell kommt es in den Haushaltsberatungen hier noch zu Korrekturen. Wenn Deutschland seine Klimaschutzziele verwirklichen wolle, müssten dauerhaft wieder zwei Milliarden Euro pro Jahr für das Gebäudesanierungsprogramm zur Verfügung stehen, heißt es aus dem Bundesumweltministerium.

Was sagen die Eigentümer zu den Plänen?

Der Verband Haus & Grund sagt, ein Null-Energie-Haus erfordere ein komplett anderes Heiz- und Dämmkonzept als bisher. Das koste bis zu 70 000 Euro. „Die Gebäudesubstanz in Deutschland ist besser als häufig unterstellt“, sagt Generalsekretär Andreas Stücke. „Untersuchungen zeigen, dass Wohngebäude im Durchschnitt nur halb so viel Wärmeenergie benötigen wie von der Bundesregierung vermutet.“ Investitionen führen damit zu viel geringeren Energie-Einsparungen als regierungsseitig angenommen.

Wer ein heute gebautes Haus auf Null-Emissions-Standard umbauen möchte, müsste es quasi in den Rohbauzustand zurückversetzen. Deshalb behält sich der Verband juristische Schritte gegen die Vorgabe zum Sanieren vor.

Bedeutet dies höhere Mieten?

Das ist noch unklar. Bisher können entsprechende Verbesserungen an der Wohnung auf die Miete umgelegt werden. Wenn die Mieten dadurch spürbar steigen, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Mieter im Gegenzug von geringeren Energieausgaben durch neue Fenster, Öko-Heizkessel und energiesparende Dächer sowie Wände profitieren. Mehrkosten und Einsparungen müssen gegeneinander aufgerechnet werden.

Weil alle Experten mit weiter steigenden Energiepreisen rechnen, könnte die Sanierung sogar finanzielle Vorteile bringen. „Aus klima- und energiepolitischer Sicht ist der Schritt der Regierung alternativlos“, sagt Ulrich Ropertz vom Mieterbund.

Er setzt auf eine große öffentliche Förderung, damit einerseits für Eigentümer Sanierungsanreize geschaffen werden und zweitens die finanziellen Belastungen für die Mieter im Rahmen bleiben.

Georg Ismar

Rubriklistenbild: © dpa

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