Null-Stunden-Woche bei BMW: Streik im Osten hat fatale Folgen

- München - Die Wut über die Streiks in Ostdeutschland wächst. Mehr als 10 000 BMW-Mitarbeiter müssen wegen des Ausstands der Metaller ab heute auf unbestimmte Zeit zuhause bleiben. Die Produktion in München und Regensburg muss unterbrochen werden. Von mindestens 10 Tagen ist die Rede, weil Getriebe-Zulieferer ZF in Brandenburg bestreikt wird.

<P>BMW hatte gehofft, dass der umstrittene Streik am Wochenende beendet wird. In diesem Fall hätte die 3er-Produktion in München und Regensburg sowie teilweise auch die Fertigung in anderen Werken für zweieinhalb Tage ausfallen müssen. Nun dauert's mindestens eineinhalb Wochen. "Vielleicht einigt man sich ja auch früher, das ist aber nur eine Hoffnung", sagte eine BMW-Sprecherin. Betroffen von den Streiks zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche sind auch die Komponentenfertigung in Landshut sowie die Motorenproduktion in Steyr.</P><P>BMW will angesichts der Produktionsausfälle sein Engagement in Ostdeutschland überprüfen. Das Werk, das derzeit in Leipzig gebaut wird, sei aber nicht in Gefahr. Allerdings sei der Konzern für einen Ausbau auf Planungssicherheit angewiesen. Daher würden die Auswirkungen der Streiks und einer möglichen 35-Stunden-Woche genau geprüft.</P><P>Der Konzern ließ offen, wie viel der Produktionsstopp kostet. Dies könne erst am Ende ermittelt werden. Nach Schätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen könnte der Umsatzausfall bei 38 Millionen Euro pro Tag liegen. Der Gewinnausfall beträgt demnach vier Millionen Euro täglich.</P><P>Für Ostdeutschland könnte der Streik fatale Folgen haben. Nach Opel will auch der Elektronik-Konzern Siemens sein Engagement dort überprüfen. "Wenn der Vorteil der 38-Stunde-Woche aufgegeben wird, stellen sich unsere Standorte von der Kostenseite her neu dar", sagte Siemens-Sprecher Eberhard Posner der "Welt". Kurzfristig sei nicht mit Entlassungen zu rechnen: "Aber langfristig kann das Vorgehen der IG Metall sehr wohl Folgen haben." Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser fürchtet durch die Streiks schwere Folgeschäden. Zu den schon jetzt spürbaren wirtschaftlichen Einbußen kämen unkalkulierbare psychologische Langzeitwirkungen: "Das wirkt ausgesprochen tief abkühlend auf jedes weitere Engagement in Ostdeutschland. Es wird künftig gerade im Ausland schwer sein, Investitionsentscheidungen durchzukriegen."</P><P>Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) appellierte an die Tarifparteien, den Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche bald zu beenden. Er habe kein Verständnis für die Streikwelle, sagte er. Die Verantwortung für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung werde im derzeitigen Streik nicht sichtbar.</P>

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