Nullwachstum: Wirtschaftsforscher schreiben das Jahr 2003 schon ab

- Hamburg - Inmitten einer der schwersten Krisen der deutschen Wirtschaft blickt das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) hoffnungsvoll wie lange nicht in die Zukunft. "Die Voraussetzungen für einen Aufschwung sind gut", sagte HWWA-Präsident Thomas Straubhaar.

<P>Die Rahmenbedingungen hätten sich seit Beginn des Jahres deutlich verbessert. Ungeachtet des positiven Ausblicks hat das HWWA - eines der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute - seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf nunmehr 0,0 Prozent abgesenkt. Noch im März hatte das Institut mit einem Wachstum von 0,7 Prozent gerechnet.</P><P>Der HWWA-Präsident begründete seinen Optimismus vor allem mit den niedrigen Preissteigerungen, der bevorstehenden Konjunkturerholung in den USA und die zinsgünstigen Kredite in Europa. "Die Diskussion um Gefahren der Deflation ist eine Phantomdiskussion", sagte Straubhaar. "Wer das thematisiert, will nur von der Notwendigkeit struktureller Reformen ablenken." Vielmehr sei es so, dass bei einer Inflationsrate nahe der Null realistische Preise ohne verzerrende Effekte erreicht würden. Niedrige Preissteigerungen nähmen zudem Druck aus den Tarifverhandlungen.</P><P>Auf dem Feld der politischen Reformen hofft Straubhaar auf Paketlösungen, die sowohl Steuer- und Abgabensenkungen als auch Subventionsabbau und die Reform der Sozialsysteme umfassen. Eine vorgezogene Steuerreform müsse mit Subventionskürzungen und Ausgabensenkungen gegenfinanziert werden, nicht durch neue Schulden. "Dann ist der kurzfristige konjunkturelle Effekt zwar geringer, die nachhaltige Wirkung aber um so größer", sagte der HWWA-Chef.</P><P>Straubhaar sprach sich erneut für einen durchgreifenden flächendeckenden Abbau von Subventionen um zehn Prozent und deren zeitliche Befristung aus. Dabei dürfe kein Bereich ausgenommen bleiben. "Es gibt keine guten und schlechten Subventionen."<BR>Nach Worten von HWWA-Konjunkturforscher Eckhardt Wohlers wird in der ersten Jahreshälfte das Kriterium für eine Rezession formal erneut erfüllt sein. "Der Rückgang der Wirtschaftsleistung wird aber so gering sein, dass man besser von einer anhaltenden Stagnation sprechen sollte." Vor allem der starke Euro habe zum weiteren Absenken der Wachstumsprognose geführt. Auch bei einer Belebung der Weltkonjunktur sei unter den heutigen Rahmenbedingungen im nächsten Jahr nur mit einem Wachstum von 1,5 Prozent und weiter steigender Arbeitslosigkeit zu rechnen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hatte seine Konjunkturprognose bereits zuvor auf Nullwachstum gesetzt.</P><P>Zumindest am Arbeitsmarkt sieht es nach den harten Zahlen düster aus: Ende April 2003 waren im Verarbeitenden Gewerbe und im Bergbau rund 6,1 Millionen Menschen beschäftigt _ 2,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Dies berichtete das Statistische Bundesamt. Der Umsatz lag mit 112,8 Milliarden Euro 2,0 Prozent niedriger. Damit beträgt der Beschäftigungsrückgang für die ersten vier Monate ebenfalls 2,5 Prozent. Dagegen setzte die Industrie von Januar bis April mit 439,5 Milliarden Euro binnen Jahresfrist 0,6 Prozent mehr um. Im Ausland erlösten die Unternehmen 169,2 Milliarden Euro - ein Plus von 1,7 Prozent. Die Lohn- und Gehaltssumme lag in diesem Zeitraum mit 72,3 Milliarden Euro 0,8 Prozent höher.<BR></P>

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