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Roboter-Hände werden immer feinfühliger. Maschinen wie der DLR-Roboter Justin können zwar auch komplizierte Befehle ausführen. Doch eigenständige Entscheidungen treffen sie nicht. Dazu bleibt der Mensch unverzichtbar.

Der lange Arm in den Weltraum

Oberpfaffenhofen - Beim DLR in Oberpfaffenhofen werden Roboter vor allem für den Einsatz im Weltraum entwickelt. Doch der Nutzen ist oft genug irdisch.

In der geräumigen Werkshalle beim DLR in Oberpfaffenhofen ist kaum ein Quadratmeter ungenutzt. In vielen Ecken stehen Modellhubschrauber. Erst auf den zweiten, genaueren Blick entdeckt man am Bauch der Fluggeräte Roboterhände. Die Modelle sind kein Freizeitvergnügen. Die Halle ist ein Labor des DLR-Instituts für Robotik und Mechatronik. Hier werden von rund 100 Forschern Maschinen entwickelt, deren hochkomplexe Fähigkeiten denen menschlicher Gliedmaßen inzwischen sehr nahekommen. Das DLR ist auf diesem Gebiet weltweit führend.

Doch wozu die fliegenden Hände? Institutsleiter Gerhard Hirzinger, einer der angesehensten Experten für Robotertechnik, nennt als Beispiel Rettungs-Einsätze in unwegsamen Gelände, wo fliegende Roboter Verunglückten Getränke, Verpflegung oder auch Verbandsmaterial bringen können – bevor menschliche Retter dort auftauchen.

Eigentlich geht es in Oberpfaffenhofen um Luft- und Raumfahrt. Doch so scharf kann man das bei der Mechatronik nicht trennen. Die Technik, mit der ein Roboter Reparaturarbeiten an einer Raumstation vornehmen kann, lässt sich auch für Wartungsarbeiten an einem Windkraftwerk auf hoher See einsetzen. Und viele Dinge, die beim DLR entwickelt wurden, haben mit Raumfahrt nicht direkt zu tun: Ein kompaktes Kunstherz, das, wenn es in Serie gebaut wird, Menschen mit zerstörtem Organ überleben lässt. Oder der riesige Industrieroboter mit Passagierkabine im Zentrum der Halle, der nun ein Simulator ist. Durch seine Bewegungen kann er Kräfte auf die Menschen in der Kabine einwirken lassen, wie sie bei waghalsigen Flugmanövern oder im Auto auf einer Rennstrecke auftreten.

Doch meist kommt es nicht auf schiere Kraft an, sondern vor allem auf Feingefühl. Etwa wenn eine Roboterhand eine Tasse Kaffee servieren soll, ohne etwas zu verschütten, oder ein rohes Ei unversehrt weiterreichen.

Nicht alle Roboter sehen menschenähnlich aus. Viele haben Räder statt Beinen, bei anderen gibt es statt zwei Armen nur einen Greifer. Doch einige werden auch in Zukunft Hände brauchen, Füße und einen kamerabestückten Kopf. Denn sie werden von einem Menschen in einem Spezialanzug mit zahlreichen Schaltern, Motoren und Sensoren gesteuert. So wird jede noch so kleine Bewegung auf die Maschine übertragen. Umgekehrt spürt der Mensch auch die Gegenkräfte, die auf die Finger des Roboters einwirken.

So ein Duo kann zum Beispiel ein Weltraumteleskop reparieren, ohne dass dafür ein Mensch die Erde verlassen muss. Viele Arbeiten im erdnahen Weltraum ließen sich ferngesteuert übernehmen. Denn für diese Distanzen brauchen die Funkwellen nicht zu lang. Bis zu 0,6 Sekunden gelten als unproblematisch.

So könnten Weltraumroboter mit menschlichem Widerpart auf der Erde als himmlische Müllsammler agieren, die dort Raketenteile und ausgediente Satelliten zum kontrollierten Absturz bringen, bevor sie sich bei Kollisionen gegenseitig zerschreddern – und Millionen winzige Müllteilchen Teile des Weltraums wegen ständiger Unfallgefahr unbenutzbar machen.

Der Mensch ist für so ein Müllkommando nach wie vor unverzichtbar. Denn keine Maschine hat ein Urteilsvermögen, um zu entscheiden, wie man ein schlingerndes und rotierendes ausgebranntes Raketenteil zu fassen kriegt, sagt der frühere Astronaut und heutige Raumfahrtforscher Ulrich Walter. Missionen zu fremden Planeten wird es auf dieser Basis aber nicht geben. Schon von der Erde zum Mars sind Funkwellen mehrere Minuten unterwegs. Eine Koordination von Mensch und Roboter ist da nicht mehr möglich.

Die meisten Roboter werden nach wie vor auf der Erde im Einsatz sein. Etwa in der Industrie. Kuka, der größte deutsche Hersteller solcher Geräte, arbeitet seit Jahren mit dem DLR eng zusammen. Aber auch im Pflegebereich könnten Roboter den Patienten nachts Getränke oder Lebensmittel bringen, sagt Gerhard Hirzinger. Er warnt aber auch: „Menschliche Zuwendung können Maschinen nicht ersetzen.“

Umgekehrt wird der Mensch in vieler Hinsicht Vorbild bleiben. Hirzinger nennt das Beispiel einer Hand. Vier Finger hätten sich bei Robotern als ausreichend erwiesen, fünf aber als die bessere Lösung. „Die Natur“, sagt er, „hat das super gemacht.“

Von Martin Prem

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