Obst im Überfluss: Wo man Ihre Früchte brauchen kann

München - Äpfel, Zwetschgen und Quitten ­ wenn der Sommer zu Ende geht, hängt das Obst kiloweise an den Bäumen. Doch viele Gartenbesitzer wissen nicht, wohin mit den vielen Früchten ­ und lassen sie verderben. Schade drum. Denn das Obst kann zu Saft und Bränden verarbeitet oder sogar verkauft werden.

Obstbörse

Die Verbraucherzentrale Bayern hat zum sechsten Mal eine Obstbörse ins Leben gerufen. Bayerische Gartenbesitzer, an deren Bäumen zu viel Obst reift, und Interessenten, die frische Früchte aus ihrer Region suchen, können sich ab sofort unter der Telefonnummer (0 18 05) 82 92 32 melden. "Wir nehmen die Kontaktdaten der Anbieter und Interessenten auf und vermitteln sie dann kostenlos je nach Obst-Wunsch und Ortsnähe weiter", sagt Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale. Die Interessenten kontaktieren anschließend den Anbieter und machen einen Termin aus. Die Gartenbesitzer können das Obst abholfertig bereitstellen ­ oder die Frucht-Fans selbst pflücken lassen. "Ob die Anbieter etwas für die Ware verlangen, können sie selbst entscheiden", erklärt Schubert.

Die Resonanz auf die Obstbörse ist groß. "So richtig los geht es Ende August, Anfang September", sagt Heidrun Schubert. An manchen Tagen nimmt die Zentrale dann bis zu 30 Anrufe entgegen. "Erfahrungsgemäß umfasst unser Archiv pro Jahr mindestens 200 Obst-Anbieter."

Obstbrände

Wer seine Ernte selbst genießen möchte, kann sie auch in haltbare, flüssige Form bringen: als Obstbrand. Stoffbesitzerbrennen nennt sich das Vorgehen, bei dem der Obstbesitzer rechtlich und steuerlich als Brenner auftritt, ein Experte jedoch auf seiner Anlage das Brennen übernimmt. "Für einen Zentner Obst bekommt man etwa einen Liter Brand zurück", sagt Sepp Stein, Geschäftsführer des südostbayerischen Verbands der Obst- und Kleinbrenner. Der Überschuss ­ ein Zentner Obst wirft meistens mehr ab ­ ist Steueranteil und Lohn des Brenners. Geld zahlen muss der Frucht-Besitzer laut Stein also nur, wenn er zu wenig oder minder qualitative Ware abliefert. Gebrannt werden können alle Obstsorten mit hohem Zuckeranteil.

"In Ober- und Niederbayern gibt es ungefähr 700 Betriebe, die das Stoffbesitzerbrennen praktizieren", erklärt Sepp Stein. Um die Adressen der Brennereien in ihrer Region zu erfahren, können sich Gartenbesitzer schriftlich an den Verband wenden: Hirnsberg 2 1/2, 83093 Bad Endorf, info@obstbraende-bayern.de oder www.obstbraende-bayern.de.

Fruchtsäfte

Waschen, pressen, einlagern ­ so entstehen Fruchtsäfte aus Äpfeln, Birnen und Co. Für die Verarbeitung gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, der Gartenbesitzer bringt das Obst zu einer gewerblichen Kelterei und bekommt einen anderen, bereits fertigen Saft zurück. Oder er wendet sich an einen der örtlichen Gartenbauvereine, die meist über eigene Pressmaschinen verfügen, und genießt dann den Most seines eigenen Obstes. Bei den Gartenbauvereinen legt jede Organisation selbst fest, wie viel sie für das Pressen ­ und gegebenenfalls auch Erhitzen und Abfüllen ­ verlangt. Die Adressen der Gartenbauvereine erfährt man über den Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege des jeweiligen Landratsamtes.

Wer sein überschüssiges Obst bei einer gewerblichen Kelterei abgibt, bekommt zum Beispiel "für zwei Kilo Obst einen Gutschein für eine Ein-Liter-Flasche", sagt Martin Stöger vom gleichnamigen Keltereibetrieb aus Übersee. Eingewechselt werden kann der Gutschein plus eine Gebühr von rund 45 Cent gegen eine Flasche jeder Geschmacksrichtung (sonst ein Euro).

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