OECD warnt vor Rezession in Europa

Paris - Im Euroraum geht es konjunkturell abwärts. Auch die bisher robuste deutsche Wirtschaft könnte schrumpfen, sagen Ökonomen voraus. Es gibt allerdings auch positive Signale.

Die Krisenzeichen mehren sich: Nicht nur im Euro-Raum, sondern nach Einschätzung von Ökonomen auch in Deutschland. Die Wirtschaft hierzulande wird der OECD zufolge im zweiten Halbjahr wegen der Euro-Schuldenkrise in eine leichte Rezession abrutschen. Für das dritte Quartal prognostizierten die Volkswirte der internationalen Wirtschaftsorganisation am Donnerstag einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,1 Prozent, für das Schlussquartal sogar ein Minus von 0,2 Prozent.

Der gesamte Euroraum steckt nach Einschätzung der Europäische Zentralbank (EZB) in der Rezession. Die Konjunkturaussichten haben sich aus Sicht der Währungshüter eingetrübt. Die EZB senkte ihre Wachstumsprognose für dieses und das kommende Jahr gegenüber der Juni-Prognose deutlich. Sie erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im laufenden Jahr um 0,4 Prozent sinken wird. Zuletzt hatte sie ein kleineres Minus von 0,1 Prozent erwartet.

Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft in der Eurozone im Jahresvergleich um 0,5 Prozent. Der Rückgang fiel damit etwas stärker aus als von der Statistikbehörde Eurostat in der ersten Schätzung ermittelt. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaft stagniert.

Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft in der Eurozone der EZB zufolge wieder wachsen, allerdings nicht so dynamisch wie bisher erwartet. Die Währungshüter sagten für 2013 ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent voraus statt bisher von 1,0 Prozent.

Deutschland hat der Krise bisher getrotzt, doch nun kann sich die Wirtschaft hierzulande nach Einschätzung der OECD den Turbulenzen nicht entziehen. „Die Unternehmen halten sich wegen der Euro-Krise mit Investitionen zurück und stellen kaum mehr Beschäftigte ein“, erklärte OECD-Deutschland-Experte Andreas Wörgötter zur Vorstellung des jüngsten Konjunkturausblicks in Paris. Auch das Konsumklima trübe sich ein.

Für das Gesamtjahr erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Deutschland nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent. Im Frühjahr hatte die Prognose für Deutschland noch bei 1,2 Prozent gelegen.

„Die Politik muss mehr tun, um in der Eurozone für neues Vertrauen zu sorgen“, kommentiert die OECD in dem Zwischenausblick die Lage in den G7-Industrienationen. Eine weitere Verschärfung der Euro-Krise könnte signifikante Folgen auch für andere Weltregionen haben.

Es gibt allerdings auch positive Signale. So beurteilen die deutschen Maschinenbauer die Zukunftsaussichten zuversichtlicher als noch vor einigen Monaten. Die Branche traut sich in diesem Jahr ein preisbereinigtes Produktions-Plus von zwei Prozent zu. Zuletzt war der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) noch von einer Stagnation ausgegangen.

„Wir sind im Frühjahr besser als erwartet gestartet. Das zieht das gesamte Jahresergebnis nach oben“, erläuterte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Im kommenden Jahr rechnet die Branche ebenfalls mit einem Wachstum von rund zwei Prozent - vorausgesetzt, die Euro-Schuldenkrise eskaliert nicht.

In der deutschen Industrie stiegen die Auftragseingänge im Juli stärker als erwartet. Das gesamte Auftragsvolumen habe um 0,5 Prozent zum Vormonat zugenommen, teilte das Wirtschaftsministerium in Berlin mit. Volkswirte hatten lediglich mit einem Zuwachs um 0,3 Prozent gerechnet. Die Impulse seien vor allem aus dem Inland gekommen. Hier habe es einen Zuwachs von 1,0 Prozent zum Vormonat gegeben. Das Volumen der Auslandsaufträge sei hingegen nahezu unverändert geblieben (plus 0,1 Prozent).

dpa

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