OECD traut Deutschland robustes Wachstum zu

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Hamburg (dpa) - Die internationale Finanzmarktkrise wird nach Ansicht von Konjunkturforschern die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland beeinträchtigen, aber nicht entscheidend schwächen.

Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) traut Deutschland in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent zu. Die Bundesregierung geht bislang von einem Plus von 1,7 Prozent aus. 2009 rechnet die OECD mit 1,6 Prozent Wachstum.

Dagegen prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2008 nur ein Plus von 1,4 Prozent. Im Jahr darauf werde die deutsche Wirtschaft dann voraussichtlich nur noch um ein Prozent zulegen, heißt es im Weltwirtschaftsausblick, den der IWF am Mittwoch in Washington vorgelegte.

Auch die OECD wollte nicht ausschließen, dass die weltweite Börsenkrise noch Probleme machen könnte. "Obwohl die deutschen Unternehmen aufgrund ihrer soliden Gewinnlage weniger von Fremdfinanzierung abhängig sind, besteht die Gefahr, dass die Kreditkrise länger anhält als erwartet und in der kommenden Zeit negative Auswirkungen auf die Investitionen hat", heißt es im Jahresbericht 2008 zur Lage in Deutschland.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte in Berlin, unterm Strich habe die OECD Deutschland ein gutes Zeugnis ausgestellt: "Die Wirtschaft ist derzeit in guter Verfassung." Die Arbeitslosenzahl könne in einzelnen Monaten sogar unter die Drei-Millionen-Marke sinken.

Nach Ansicht des IWF ist "Grund für die Schwäche in Deutschland die Abhängigkeit vom Außenhandel, ohne dass es große Unterstützung von innen gibt", sagte IWF-Ökonom Charles Collyns. Es gebe die Hoffnung, dass die deutsche Binnennachfrage steige, um die Einflüsse durch die Verlangsamung der Weltwirtschaft aufzufangen. "Bislang sehen wir aber anhaltende Schwäche, beispielsweise im Einzelhandel", sagte Collyns.

Das Hamburger HWWI-Institut sprach am Mittwoch von einer "Konjunkturflaute" in Deutschland, eine Wachstumskrise sei aber nicht zu erwarten. 2008 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wohl nur um 1,3 Prozent zulegen. 2009 sei bei stabilen Rahmenbedingungen "mit einer Rückkehr auf den Aufschwungpfad zu rechnen". Wegen der geringen Dynamik in diesem Jahr und weniger Arbeitstagen sei für 2009 gleichwohl ein Plus von erneut 1,3 Prozent zu erwarten.

Die Dresdner Bank rechnet damit, dass die heimische Wirtschaft in diesem Jahr um 1,8 Prozent zulegt. "Die deutsche Konjunktur verliert nur vorübergehend an Dynamik", sagte der Chefvolkswirt der Bank, Michael Heise, in Frankfurt. Die Bank setzt dabei auf eine robuste Binnennachfrage. Der private Verbrauch dürfte sich nach Jahren der Lethargie 2008 zur neuen Konjunkturlokomotive entwickeln. "Das Warten auf den privaten Konsum hat ein Ende", sagte Heise. Die Dresdner Bank erwartet dann eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums auf 2,2 Prozent.

Nach einer Studie der Basler Prognos AG für die Zeit bis 2020 wird der Arbeitskräftemangel in Deutschland zur Wachstumsbremse. Zwischen 2006 und 2020 werde das BIP der Prognose zufolge um jährlich 1,4 Prozent zulegen. Das reale Pro-Kopf-Einkommen werde um 25 Prozent zunehmen. Die Arbeitslosigkeit geht laut der Prognos-Studie in dem Zeitraum weiter zurück.

Eine gute Nachricht für die Verbraucher hatte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Ein Ende der heftigen Preissteigerungen sei absehbar. Hohe Energie- und Lebensmittelpreise hatten die Inflation im März auf 3,1 Prozent getrieben. Nach Ansicht der Dresdner Bank-Volkswirte wird die Teuerung in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich 2,5 Prozent betragen und im nächsten Jahr wieder auf 2,0 Prozent sinken. Voraussetzung sei aber, dass es nicht zu neuerlichen Preisschüben an den Energiemärkten komme.

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