OECD warnt von düsteren Konjunkturzeiten

Konjunkturflaute in Deutschland und Europa und ein Auslaufen des "künstlichen" Frühjahrsbooms in den USA: Die OECD sieht für den Rest des Jahres 2008 keine wirtschaftliche Erholung.

"Das wird ein ziemlich schwaches Halbjahr", sagte OECD-Chefvolkswirt Jorgen Elmeskov am Dienstag in Paris. Die Prognose 2008 wird zwar aufgrund der Frühjahrsergebnisse für die USA von 1,2 auf 1,8 Prozent angehoben und für den Euro-Raum von 1,7 auf 1,3 Prozent gesenkt. Doch selten sei die Unsicherheit so stark gewesen wie jetzt.

Die deutsche Wirtschaft dürfte bis zum Jahresende stagnieren. Die OECD nahm die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr deshalb von 1,9 auf 1,5 Prozent zurück. Für Frankreich senkte die OECD ihre Prognose sogar von 1,8 auf 1,0 Prozent. Die deutsche Wirtschaft war im 2. Quartal um zwei Prozent eingebrochen, nachdem viele Arbeiten wegen des guten Wetters zu Jahresbeginn vorgezogen worden waren. Jetzt schlagen die Kreditkrise und die Börsenschwäche durch.

Steuergeschenke und Senkung des Dollarkurses haben dagegen die US-Wirtschaft im Frühjahr kräftig auf Trab gebracht. Statt einer Rezession gab es im zweiten Quartal einen Wachstumsschub von 3,3 Prozent (Jahresrate). Doch die OECD bezweifelt, dass das andauert. Wie in Deutschland könnte jetzt in den USA ein Rückschlag kommen, heißt es.

Im vierten Quartal werde die US-Wirtschaft nur noch mit einer Rate von 0,7 Prozent expandieren. Doch sei unsicher, wie das Konjunkturpaket weiter wirke. Die "sehr expansive" US-Währungspolitik sei angesichts der Finanzmarktkrise angemessen, zumal die Öl- und Rohstoffpreise jetzt relativ stabil bleiben dürften.

Auf dem US-Immobilienmarkt sieht die OECD Licht am Ende des Tunnels, doch in Europa greife die Krise von Großbritannien bis Spanien um sich.

Das Vereinte Königreich treffe die weltweite Finanzkrise am schlimmsten unter den G7-Staaten, zu denen Deutschland, die USA, Frankreich, Italien, Kanada und Japan gehören. Im gesamten Jahr 2008 sagte die OECD den Briten ein Wachstum von 1,2 Prozent voraus, bislang war sie von 1,8 Prozent ausgegangen.

Ein Sprecher von Premierminister Gordon Brown sagte, es handle sich um "herausfordernde Zeiten", die Grundlagen der britischen Wirtschaft seien jedoch "intakt". Am Wochenende hatte Finanzminister Alistair Darling erklärt, die Wirtschaft stehe so schlecht da wie seit 60 Jahren nicht mehr. Das Pfund war darauf am Montag auf einen historischen Tiefstand gegenüber dem Euro gesackt. Eine Rezession sind zwei Quartale, in denen die Wirtschaft schrumpft.

Für den Euro-Raum gebe es mehr Inflationssorgen als für die USA: Der Trend zeige in Europa nach oben. Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank sei aber angemessen. Trotz der andauernden Kreditknappheit und der Krise an den Finanzmärkten sieht die OECD aber nicht alles schwarz. "Die schlechten Nachrichten können gute grundlegende Fakten verbergen", sagte Elmeskov.

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