Ökonom: Staat soll Schecks verteilen

- Hamburg - Um die deutsche Wirtschaft in Schwung zu bringen, muss die Bundesregierung nach Expertenmeinung die Binnennachfrage stärken. Dazu sollten an alle Haushalte Schecks verteilt werden, die sofort eingelöst werden können, sagte der Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, Jim O/Neill, in der "Zeit". In den USA habe die Fiskalpolitik so das Wachstum unterstützt, als es notwendig war. "Der Effekt auf den Konsum und damit auf das Wachstum ist deutlich größer, als wenn man zum Beispiel die Unternehmenssteuern senkt", betonte der britische Ökonom.

Deutschlands Unternehmen seien extrem wettbewerbsfähig, das bewiesen die hohen Exportzahlen. "Trotzdem investieren sie wenig und schaffen kaum neue Jobs. Warum? Weil ihnen der heimische Markt weggebrochen ist. Also muss man ihn ankurbeln - ganz direkt", sagte O/Neill. Die Gefahr, dass das ausgereichte Geld nicht ausgegeben, sondern gespart werde, sehe er nicht. Die Sparquote sei in den vergangenen Jahren nicht signifikant gestiegen. "Es gibt kein Angstsparen, es gibt nur eine dramatische Schwäche bei der Einkommensentwicklung", so O/Neill. Die derzeitigen Reformen in Deutschland müssten von einer "fantasievollen Fiskalpolitik" flankiert werden. "Das eine Problem lässt sich eher mit Strukturreformen lösen, das andere eher mit höheren Staatsausgaben."

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