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Kostenfaktor in der Rechnung: Die langfristigen Garantiezahlungen für Erzeuger von Strom aus Wind, Sonne und Biomasse kommen Verbraucher teuer zu stehen. Sie machen ein gutes Fünftel des Strompreises aus.

Erneuerbare Energie

So viel kostet uns die Ökostrom-Umlage

München - Im kommenden Jahr steigt die Ökostrom-Umlage, aber deshalb muss der Strom nicht teurer werden. Das Privileg für Energie aus Wind treibt zwar die Kosten. Steigende Rechnungen müssen Verbraucher deshalb aber nicht akzeptieren.

Eigentlich hatte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) versprochen, den durch Erneuerbare Energien verursachten Kostenanstieg zu bremsen. Zuletzt gelang das auch. Die EEG-Umlage, aus der Ökostrom-Erzeuger ihren garantierten Abnahmepreis erhalten, ging zurück. Im kommenden Jahr steigt sie wieder von 6,17 auf 6,35 Cent pro Kilowattstunde Strom.

Wer bezahlt das?

Die Stromverbraucher bezahlen. Die EEG-Umlage ist ein fester Bestandteil des Strompreises. Von der Umlage ausgenommen sind allerdings eine ganze Reihe Unternehmen – so genannte energieintensive Betriebe. Sie werden verschont, damit sie gegenüber der internationalen Konkurrenz nicht benachteiligt sind. Privatverbraucher müssen das auffangen und dafür mehr bezahlen.

Was bedeutet das für den einzelnen Haushalt?

Verbraucher bezahlen in diesem Jahr im Schnitt 28,81 Cent pro Kilowattstunde Strom, 6,17 Cent davon gehen in die EEG-Umlage. Im ganzen Jahr zahlt eine Familie mit einem Verbrauch von 4500 Kilowattstunden damit knapp 278 Euro Ökostromaufschlag. Der Anstieg auf 6,35 Cent pro Kilowattstunde würde die Stromrechnung nach momentanem Stand acht Euro teurer machen.

Warum steigt die Umlage überhaupt?

Mehrere Effekte wirken zusammen. Je mehr Ökostrom produziert wird, desto mehr Umlage müssen die Übertragungsnetzbetreiber (50Hertz, Amprion, Tennet, TransnetBW) in der Summe zahlen. In den vergangenen Jahren kamen ständig neue Windräder, Solar- und Biogasanlagen hinzu. Dieses Jahr tut der Rekordsommer sein Übriges. Zudem drückt die Masse an Öko-Energie auch noch den Börsenpreis für Strom. Je weniger die Netzbetreiber dort aber erlösen können, desto größer ist die Differenz zum garantierten Abnahmepreis der Öko-Erzeuger. Das muss die Umlage ausgleichen. Dritter Faktor: Je mehr Unternehmen von der Zahlungspflicht ausgenommen werden, desto höher muss die Umlage sein, damit die Gesamtrechnung stimmt.

Wie errechnet sich die Höhe der Umlage?

Die Höhe wird von den Netzbetreibern festgelegt. Sie berechnen, wie viel Geld sie für das kommende Jahr voraussichtlich brauchen, um den Erzeugern den Ökostrom abzunehmen, und wie viel sie aus dem Verkauf des Stroms an der Börse einnehmen. Die Unternehmen führen ein Konto, auf dem sie die Einnahmen aus der Umlage sammeln. Prognose und tatsächliches Aufkommen weichen in der Regel voneinander ab. Auf dem Konto steht derzeit ein Plus von mehr als zwei Milliarden Euro. Auch diesen Kontostand kalkulieren die Netzbetreiber ein.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Den größten Posten machen Beschaffung, Vertrieb und Marge der Versorger aus (24,1 Prozent). Darauf folgen die Kosten für die Nutzung der Stromnetze (22,9). Drittgrößter Kostenfaktor ist schon die EEG-Umlage (22). Es folgen Mehrwertsteuer (15,9) und Stromsteuer (7,3), die Konzessionsabgabe (6,1), der Kraft-Wärme-Kopplungsaufschlag (0,9) und die Umlage für Netz-Rabatte der Industrie. Bemerkenswert ist indes die Entwicklung der EEG-Umlage. Sie hatte bei ihrer Einführung im Jahr 2000 lediglich einen Anteil von sechs Prozent gehabt.

Steigen die Preise automatisch mit der Umlage?

Nein. Nach Berechnungen der Ökostromwirtschaft könnte der Strompreis 2016 sogar leicht fallen. Auch wegen der regen Ökostromproduktion sei der Börsenpreis so weit gefallen, dass selbst eine gestiegene Umlage die Gesamtrechnung nicht erhöhe. Voraussetzung für fallende Preise wäre allerdings, dass die Versorger ihre Ersparnis an der Börse an die Kunden weitergeben.

Kann man sich gegen steigende Preise wehren?

Ja. Wenn der Versorger die Preise erhöht, haben die Kunden in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Sie können vor der Steigerung den Anbieter wechseln. Sollte ein Versorger sich auf die gestiegene EEG-Umlage berufen und das Kündigungsrecht verweigern, sollte man sich nicht abwimmeln lassen. Im Streitfall kann man sich an die Schlichtungsstelle Energie wenden.

Privileg für Erneuerbare Energien

Die EEG-Umlage wurde im Jahr 2000 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eingeführt. Sie soll helfen, Ökostrom wettbewerbsfähig zu machen. Betreiber von Anlagen, die Strom aus Wind, Wasser, Sonne, Geothermie oder Biomasse produzieren, dürfen ihn in das Netz einspeisen. Die Politik verpflichtet die Netzbetreiber, den Produzenten den Strom zu einem 20 Jahre garantierten Preis abzunehmen. Die Netzbetreiber verkaufen den Strom an der Strombörse weiter. Weil die Preise dort aber niedriger sind als der Garantiepreis für Öko-Energie, entsteht den Unternehmen ein Minus. Diese Differenz wird aus der Umlage ausgeglichen, die auf den Strompreis aufgeschlagen wird. Bei der Einführung glaubte der damalige Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) noch, das Ökostrom-Privileg werde die Bürger nicht mehr als eine Kugel Eis im Monat kosten. Daraus ist ein Rieseneisbecher geworden.

Von Til Huber

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