Ökostromnetz unter der Nordsee geplant

Berlin - Deutschland will zusammen mit acht europäischen Ländern an der Nordsee-Küste ein riesiges Stromnetz aufbauen und der Windenergie zum Durchbruch verhelfen.

Das Milliarden-Projekt zum Ausbau der Öko-Energie steht aber noch in den Startlöchern. Die Bundesregierung sieht jedoch eine Signalwirkung. Erstmals arbeiteten alle EU-Nordsee-Staaten bei der Anbindung von Windkraftanlagen auf See (Offshore) an die Stromnetze zusammen. “Ziel ist ein rascher Ausbau der erneuerbaren Energien und deren Integration in ein leistungsfähiges Stromnetz“, erklärte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Dienstag. Die Idee wurde von Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten auf den Weg gebracht.

Anfang Dezember wurde sie politisch auch von Großbritannien, Dänemark, Irland, Luxemburg und Norwegen unterstützt. Nach Angaben der European Wind Energy Association EWEA könnte ein 6000 Kilometer langes Netz bis zu 30 Milliarden Euro kosten. Der Netzaufbau könnte zehn Jahre dauern. Die Hoffnungen sind groß: Mit dem Zusammenschluss könnten die schwankenden Strommengen einzelner Ökostrom-Projekte international ausgeglichen werden. Da große Strommengen nicht gespeichert werden können, muss der Windstrom über neue Netze in die Ballungszentren im Westen und Süden transportiert werden. Überall in der Nordsee bauen Energiekonzerne und Investoren derzeit große Windparks. Seit August 2009 speist der erste deutsche Offshore-Windpark alpha ventus Strom ins deutsche Netz ein. Die zwölf Windräder, die nördlich von Borkum in der Nordsee stehen, sollen 50.000 Haushalte mit Strom versorgen.

Absichtserklärung soll unterschrieben werden

Bis Mitte November 2009 waren nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) insgesamt 22 Offshore- Windparks genehmigt worden - 19 in der Nordsee und drei in der Ostsee. Die EU-Kommission hatte kürzlich 1,5 Milliarden Euro unter anderem zur Förderung der Windkraft auf See zur Verfügung gestellt. Hochspannungs-Unterseekabel in der Nordsee könnten Windparks vor der deutschen und britischen Küste mit Wasserkraftwerken in Norwegen, Gezeitenmeilern an der belgischen und dänischen Küste sowie Wind- und Solaranlagen auf dem europäischen Festland verbinden. Mit dem gemeinsamen Netz könnten Wetterschwankungen in verschiedenen Regionen ausgeglichen werden. Eine verlässliche Versorgung mit Windstrom auch in Spitzenzeiten wäre so möglich. Bald wollen sich die beteiligten Staaten treffen, um zusammen mit der Energiewirtschaft die Umsetzung des Projekts zu beraten.

Noch in diesem Jahr soll eine Absichtserklärung unterschrieben werden. Die Branche sieht das Projekt positiv. Deutschlands zweitgrößter Stromkonzern RWE erklärte: “Wir begrüßen jede Initiative, die den Ausbau der erneuerbaren Energien und speziell der Offshore- Windenergie unterstützt.“ Wichtig sei eine europäische Lösung. In Deutschland decken erneuerbare Energien bereits bis zu 16 Prozent des Stromverbrauchs ab. 2009 stieg die Ökostrom-Produktion nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) leicht auf 93 Milliarden Kilowattstunden an. Die Windenergie liegt dabei auf Platz eins. Ihr Gesamtanteil lag 2009 bei 6,4 Prozent, gefolgt von Biomasse mit 4,4 Prozent und Wasserkraft mit 3,3 Prozent.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fuhrparkmanager: Dieselautos nicht so leicht zu ersetzen
Besonders gewerbliche Kunden kaufen nach wie vor Diesel-Fahrzeuge. Fuhrparkmanager spielen dabei eine wichtige Rolle - und sagen klar, dass sie auf den Diesel nicht …
Fuhrparkmanager: Dieselautos nicht so leicht zu ersetzen
Besseres Wetter: ICE-Züge der Bahn fahren wieder planmäßig
Die ICE-Züge der Bahn fahren nur kurze Zeit etwas langsamer als sonst. Dann hebt der Konzern die Anweisung an seine Lokführer auf, weil das Wetter doch nicht so schlecht …
Besseres Wetter: ICE-Züge der Bahn fahren wieder planmäßig
Loch auf A20 bereitet Ostsee-Tourismusbranche Sorgen
"Wie konnte das nur geschehen?" Auch noch nach Wochen sorgt der Anblick des Lochs auf der A20 für hilfloses Kopfschütteln. Die Ursachenforschung steht hinten an. …
Loch auf A20 bereitet Ostsee-Tourismusbranche Sorgen
Ryanair geht nach Streikdrohung auf Piloten zu
Ryanair-Chef Michael O'Leary hat sich gern als Gewerkschaftsfresser gegeben. Weil nun Streiks in der verkehrsreichen Weihnachtszeit in ganz Europa drohen, legt der Ire …
Ryanair geht nach Streikdrohung auf Piloten zu

Kommentare