Welche Produkte betroffen sind

Ökotest stellt Glyphosat in Bio-Honig fest

Frankfurt - Honig ist in aller Munde. Aber wie hochwertig sind die Produkte, die wir uns täglich auf‘s Brot schmieren? Ökotest hat für uns nachgehakt.

Ökotest hat 20 Honigsorten getestet. Acht können demnach empfohlen werden. Interessant: Bio-Honig ist nicht unbedingt qualitativ hochwertiger als konventioneller Honig. Worauf es also beim Kauf ankommt, erklären wir Ihnen hier.

Alle Produkte halten Honigverordnung ein

Zuerst die gute Nachricht: Jeder Honig entspricht den gesetzlichen Vorgaben, was einen guten Honig ausmacht. Das heißt, es wurden keinerlei Stoffe hinzugefügt, wie zum Beispiel Zucker. Der Säuregrad wurde nicht künstlich verändert und auch das Aroma entstammt bei allen Sorten ausschließlich der natürlichen Beschaffenheit des Honigs. Denn in Deutschland darf Honig eben nur Honig enthalten. Logisch, oder?

Bioprodukte enthalten verbotenes Pestizid

Als Anti-Milbenmittel ist das Arzneimittel Amitraz in der gesamten EU verboten. Erst seit 2015 ist es in Deutschland als Bienen-Medizin erlaubt. Es gilt auch als starkes Bekämpfungsmittel gegen die Varroamilbe. Der Bienenschädling gilt als eine der größten Bedrohungen für den Bestand der Bienen in Deutschland. Bio-Bauern dürfen das effektive Mittel nicht bei ihren Bienen anwenden. Trotzdem fanden sich Rückstände von Amitraz im Bio-Honig. Betroffen sind die Sorten Walter Lang Manukahonig und Allos Rapshonig. Laut der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft bedeutet das für beide Hersteller: Bio-Zertifizierung ade.

Glyphosat und Thiacloprid für Bienen problematisch

„Glyphosat“ und „Thiacloprid“, das klingt irgendwie chemisch, irgendwie giftig. Man möchte beides lieber nicht in der Inhaltsangabe eines Honig-Glases lesen. Gemeinsam haben die beiden Stoffe, dass Bienen sich wohl besser davon fern halten: Glyphosat ist ein Unkrautvernichtungsmittel. Somit tötet das Gift Pflanzen, die den Bienen als Nahrung dienen. Inwieweit Glyphosat für Menschen gefährlich sein kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass der Stoff „wahrscheinlich krebserregend“ sei. Der andere Stoff ist ein Insektizid. Thiacloprid wirkt auf Bienen wie eine Droge, durch die sie die Orientierung verlieren. Fatal für die Langstreckenflieger, die so ihren Heimatstock vielleicht nicht wieder finden.

In vier Honig-Sorten wurden erhöhte Glyphosatwerte festgestellt: Der Manukahonig von Walter Lang war wieder betroffen, außerdem der Netto-Honig „Vom Land Sommerblüten Honig“, der „Gut und Günstig Sommer Blüten Honig“ von Edeka und der „Goldland Blüten Honig Sommerblüten und Wildblütenhonig“ von Aldi Süd.

Thiacloprid konnte in Spuren im „Erlbacher Honighaus Bio Gold Bio Rapshonig“ nachgewiesen werden, außerdem enthielt der Honig „Dennree Rapshonig“, „Allos Rapshonig“, „Bihophar Akazien-Honig“, „Breitsamer Honig Rapsblüte“ und „Echter Deutscher Honig Akazienhonig“ das Insektizid.

Sie sehen: Fast in jedem Honig konnten die Wissenschaftler Schadstoffe nachweisen. Woran das liegt? Nun ja, der Imker kann nun mal schlecht mit den Bienen über die Felder fliegen und überprüfen, von welcher Blüte sie naschen. Die meisten Felder werden mit Pestiziden bespritzt, weshalb die Bienen früher oder später an pestizidbelasteten Nektar gelangen werden.

Gentechnik in jedem amerikanischen Honig

In jedem getesteten Produkt, das Anteile von Honig aus Amerika enthielt, wurden Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen festgestellt. Pollen gehören an sich zum Honig dazu, denn sie sind ein natürlicher Bestandteil. Was, wenn der Honig nun gentechnisch veränderte Pollen enthält? Diese Frage lässt sich so schwierig beantworten wie die Frage nach der Schädlichkeit des Glyphosats. Noch steht nicht fest, ob Gentechnik unserem Körper schaden kann. Die Wissenschaft forscht weiter. Wer absolut nichts mit Gentechnik zu tun haben möchte, der sollte beim Kauf darauf achten, regional hergestellten Honig zu wählen. Meist steht auf der Verpackung des Honigs zur Herkunft einfach: „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“. Da kann von Sicherheit keine Rede sein. Dass gentechnisch veränderte Pollen enthalten sind, ist ziemlich sicher. Im Test betraf dies die folgenden Produkte: „Basic Waldblütenhonig“, „Marlene Blütenhonig“ von Lidl, „Vom Land Sommerblüten Honig“ von Netto, „Blütenhonig Cremig“ von Aldi Nord, „Gut und Günstig Sommer Blüten Honig“ von Edeka, „Lagnese Flotte Biene Wildblütenhonig“, „Real Quality Obstblüten Honig“ von Real und „Goldland Blüten Honig Sommerblüten- und Wildblütenhonig“ von Aldi Süd.

Das sollten Sie über Honig noch wissen

Ökotest zeigt sich insgesamt zufrieden mit dem Ergebnis des Tests. Bemängelt wird, dass das Bio-Siegel beim Honigkauf in die Irre führen könnte. Verbraucher erwarten in der Regel ein ökologisches Produkt, frei von Schadstoffen. Bei Honig ist eine dahingehende Garantie allerdings unmöglich. Das „Bio“ auf dem Honigglas bezieht sich viel mehr auf die Bienenhaltung, weshalb es nach Auffassung der Tester durchaus sinnvoll sei, Bio-Honig zu bevorzugen.

Nicht auf allen Verpackungen war der Hinweis aufgedruckt, dass das Produkt für Babys unter einem Jahr nicht geeignet sei. Da Viele nicht wissen, dass Honig Bakterien enthält, die für Babys unter Umständen gefährlich sein können, fände es Ökotest sinnvoll, wenn auf jedem Glas eine ähnliche Warnung vorhanden wäre. 

Der Hersteller des Manukahonigs, Walter Lang, teilte mit, dass er den Verkauf seines Produkts umgehend gestoppt habe. Es war durch erhöhte Glyphosat- und Amitraz-Werte im Honig aufgefallen. Besonders pikant: Ein Glas der goldenen Flüssigkeit kostet schlappe 61,80 Euro. Der Hersteller tut also gut daran, die Qualität seines Premium-Produktes noch einmal zu überprüfen.

Bei diesem Honig können Sie nichts falsch machen: Über den Dächern Münchens kümmert sich jetzt die Polizei um ihre eigenen Bienenstöcke. Den Honig können Sie zum Beispiel bei der Stadt-Information erwerben.

Für Kenner und Probier-Freudige gibt es in München einen ganz besonderen Gaumenschmaus. Bei der Honig-Verkostung findet jeder seinen Lieblings-Geschmack.

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Chinas Autobauer Great Wall will Fiat-Marke Jeep kaufen
Dank der langen Geschichte ist Jeep ein wertvoller Teil des Fiat-Chrysler-Konzerns. Der chinesische Hersteller Great Wall hat nun offizielle Interesse an der …
Chinas Autobauer Great Wall will Fiat-Marke Jeep kaufen
Justiz: Keine Ermittlungen gegen Audi-Chef Stadler
Die Justiz in München und den USA hat den Audi-Ingenieur P. in der Dieselaffäre ins Visier genommen. Der packt aus. Für seine Verteidiger ist die Sache klar - für die …
Justiz: Keine Ermittlungen gegen Audi-Chef Stadler
Edeka räumt Regale leer - um ein klares Zeichen zu setzen
Große Verwunderung gab es am Samstag in der Hamburger Hafencity. Dort war ein Edeka-Supermarkt wie leer gefegt - und das mit Absicht. 
Edeka räumt Regale leer - um ein klares Zeichen zu setzen
Starinvestor Buffett unterliegt im Wettbieten um Oncor
Dallas/San Diego (dpa) - Der US-amerikanische Starinvestor Warren Buffett hat beim Bieterwettkampf um den texanischen Stromanbieter Oncor den Kürzeren gezogen.
Starinvestor Buffett unterliegt im Wettbieten um Oncor

Kommentare