Öl-Krisengipfel bleibt ohne spürbare Wirkung

London/New York/Wien - Die erhoffte Signalwirkung des Öl-Krisengipfels vom Wochenende an die Rohstoffmärkte ist trotz der angekündigten Ausweitung der Fördermengen ausgeblieben. Die Ölpreise legten am Montag weiter zu.

Experten bezweifelten, dass sich die Ausweitung der Öl-Liefermengen wie geplant umsetzen lässt. Zahlreiche Länder förderten bereits an ihrer Kapazitätsgrenze. Der ADAC hofft dennoch auf sinkende Spritpreise - nach der Urlaubssaison. Am Montag verharrten diese aber weiter auf hohem Niveau.

Ein Barrel US-Leichtöl der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Auslieferung kostete am Montagmittag 136,01 Dollar. Das waren 0,66 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im August stieg zum Wochenstart um 0,64 Dollar auf 135,50 Dollar.

Mehrere arabische Golfstaaten hatten auf dem Öl-Krisengipfel in Dschidda ihre Bereitschaft signalisiert, mehr Öl zu fördern als bisher. Gleichwohl wiesen die Förderstaaten die Schuld an den hohen Ölpreisen zurück und warnten vor hohen Erwartungen. Verantwortlich für die Preisexplosion beim Rohöl seien die steigende Nachfrage, hohe Steuern in Industrieländern und Spekulationen, hieß es. Selbst Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) geht auch im Falle von Produktionsausweitungen nicht von einer baldigen Änderung der Situation aus, wie er im ARD-Morgenmagazin sagte.

Unterdessen hofft der ADAC zumindest mittelfristig auf sinkende Kraftstoffpreise. In nächster Zeit sei aufgrund der Urlaubssaison aber kaum mit Preissenkungen an den Tankstellen zu rechnen. Zum Wochenstart lagen die Benzinpreise erneut leicht über 1,50 Euro, die Dieselpreise knapp darunter.

Der Öl-Krisengipfel ist nach Einschätzung des Chefstrategen der Bank SEB, Klaus Schrüfer, zwar keine Enttäuschung, "die zum Teil recht vagen Absichtserklärungen großer Förderländer zur Produktionsausweitung kann man aber auch nicht als Durchbruch bezeichnen", sagte er. "Die Signale für eine höhere Ölförderung werden den Ölmarkt nicht merklich entlasten." Auch seiner Ansicht nach gibt es kaum noch verfügbare Kapazitäten.

Die Förderländer sind nach Ansicht des Rohstoffexperten des Hamburgischen WeltWirtschafts Instituts (HWWI), Klaus Matthies, allerdings auch nicht sorgenfrei: "Saudi-Arabien macht sich Gedanken um die Nachfrage in den nächsten Jahrzehnten." Denn die Abnehmerländer investierten inzwischen verstärkt in alternative Energien, um unabhängiger zu werden. Gleichzeitig hätten die Öl-Exporteure ein Interesse daran, dass die USA und Westeuropa nicht in eine Rezession abrutschen, da sie selbst viel Geld in diesen Ländern investiert hätten.

Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ging unterdessen zurück. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Montag kostete ein Barrel (159 Liter) am Freitag 128,56 Dollar. Das waren 88 Cent weniger als am Donnerstag. Die OPEC berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.

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