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Die Ölpreise befinden sich bereits seit Anfang Juli mehr oder weniger stark auf Talfahrt. Foto: Kay Nietfeld

Öl wird immer billiger

Die Weltwirtschaft dümpelt vor sich hin, das lässt die Nachfrage nach Rohöl sinken. Gleichzeitig pumpen die Förderländer weiter auf Teufel komm raus. Das Überangebot lässt die Preise weiter sinken.

New York/London/Wien (dpa) - Die Ölpreise bleiben auf Talfahrt und haben am Donnerstag zum Teil den tiefsten Stand seit über sechs Jahren erreicht.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Oktober fiel um 54 Cent und lag Donnerstagmittag bei 40,26 Dollar. Zeitweise fiel der WTI-Preis bei 40,21 Dollar sogar auf den tiefsten Stand seit März 2009. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 46,48 US-Dollar. Das waren 68 Cent weniger als am Mittwoch und so wenig wie seit Jahresbeginn nicht mehr.

Am Vortag waren die Preise noch stärker gefallen, nachdem bekannt wurde, dass die US-Ölreserven in der vergangenen Woche überraschend um 2,6 Millionen auf 456,2 Millionen Barrel gestiegen waren. Volkswirte hatten einen Rückgang erwartet. "Mit einem überraschenden Anstieg der Lagerbestände und ausbleibenden Anzeichen irgendeiner Dämpfung des Angebots setzt sich der Abwärtsdruck fort", sagte Michael McCarthy, Chefstratege bei CMC Markets in Sydney.

Die Ölpreise befinden sich bereits seit Anfang Juli mehr oder weniger stark auf Talfahrt. Ursache ist ein zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt. Vor allem die hohen Fördermengen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und die Schieferölproduktion in den USA sorgen für die Ölschwemme. Gleichzeitig ist die Nachfrage angesichts nachlassender Konjunktur in wichtigen Verbraucherländern wie China eher mau.

An der Tankstelle ist der Preisverfall beim Rohöl nicht 1:1 nachzuvollziehen, auch wenn Tanken derzeit vergleichsweise günstig ist. Das liegt einerseits am schwachen Euro, der Einkäufe in Dollar teurer macht. Zudem verweist die Mineralölbranche darauf, dass die Weltmarktpreise für Benzin und Diesel andere sind als für Öl.

Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank wird einmal mehr deutlich, dass mit Saudi-Arabien der größte Opec-Ölproduzent an seiner Strategie der Verteidigung von Marktanteilen festhält. Laut jüngsten Daten hatte das wichtige Förderland die Ölexporte im Juni kräftig auf durchschnittlich etwa 7,4 Millionen Barrel pro Tag gesteigert. "Für die Ölpreise ist der Boden wohl noch nicht erreicht", hieß es weiter bei der Commerzbank.

Der Preis für Opec-Rohöl fiel ebenfalls zurück. Das Sekretariat meldete am Donnerstag, dass der Korbpreis der Ölsorten des Kartells am Mittwoch bei 45,39 Dollar pro Barrel (159 Liter) gelegen habe. Das waren 38 Cent weniger als am Dienstag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.

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