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Die Heizölpreise steigen deutlich an. Viele Mieter werden diese Entwicklung erst im kommenden Jahr bei der Heizkostenabrechnung zu spüren bekommen.

Auch schwächelnder Euro ist ein Grund

Zum Leidwesen der Verbraucher: Darum wird Öl fast täglich teurer

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Öl und Ölprodukte verteuern sich derzeit praktisch Tag für Tag. Nicht nur die Krise zwischen den USA und dem Iran verursacht die Knappheit, gegen die derzeit kein Kraut gewachsen zu sein scheint.

München - An den Tankstellen sind die gestiegenen Preise bereits spürbar angekommen. Wenn im Sommer die Heizöltanks vieler Häuser gefüllt werden müssen, wird die Rechnung für viele Hausbesitzer und auf Dauer auch für die Mieter ein Schockerlebnis sein. Öl wird laufend teurer. Diese Woche kletterte der Preis für die Nordseesorte Brent über 75 Euro pro Barrel (159 Liter Rohöl) auf ein Dreijahres-Hoch.

Entscheidend ist die Frage, wie sich die weitere Entwicklung um das Atomabkommen mit dem Iran auswirkt. Die Wiedereinführung der Sanktionen dürfte „rund 600.000 Barrel am Tag gefährden“, prognostiziert Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank. Andere Experten glauben, dass die Märkte die Auswirkungen bereits eingepreist haben.

Mehrere Gründe für die Ölknappheit

Doch die Lage im Iran ist nicht der einzige Grund für die Verknappung: Die Ölverkäufe aus Venezuela sind eingebrochen. Gleichzeitig haben Russland und die Ölförderländer-Organisation Opec sich zusammengerauft, um über eine geringere Förderung höhere Preise durchzusetzen. Dazu kommt die gute Lage der Weltkonjunktur, die den Bedarf weiter anheizt. Die durchschnittliche tägliche Nachfrage ist 2017 nach Zahlen der HSH Nordbank um 1,7 Millionen Barrel gestiegen. Im ersten Quartal 2018 waren es sogar 2,5 Millionen Barrel.

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Eigentlich galt ein Rohölpreis von deutlich über 50 Dollar als ein Signal dafür, dass Fracking-Aktivitäten in den USA hochgefahren werden. Das würde das Angebot ausweiten und damit steigenden Preisen entgegenwirken. Doch Ölpreis-Experte Edelmann hat mehrere Erklärungen dafür, warum diese Preisbremse - noch - nicht greift: Für die US-Fracker seien längerfristige Future-Preise entscheidend. Und diese für die Zukunft erwarteten Preise verharren - anders als die stärker beachteten Spotpreise - bei 57 US-Dollar.

Die Erdöl-Weltkarte: Hier werden die größten Produzenten des Schwarzen Goldes gezeigt.

Das geförderte Öl muss zum Kunden

Und er weist darauf hin, dass die Förderung von Schieferöl bereits 2017 um durchschnittlich 860.000 Barrel pro Tag ausgeweitet wurde. In diesem Jahr erwartet Edelmann „ein weitaus höheres Wachstum von 1,1 bis 1,2 Millionen Barrel am Tag“. Viel, aber nicht genug, um die steigende Nachfrage auszugleichen.

Darüber hinaus sei die Fördermenge nicht der entscheidende Flaschenhals. Das geförderte und verarbeitete Öl muss zum Kunden. Dafür fehlt es an Pipeline-Kapazitäten. Das alles bremst das Wachstum der US-Ölförderung. Alles in allem also keine guten Aussichten. Das dürfte nach Einschätzung von Edelmann noch eine Weile so bleiben: „Da vonseiten der Opec in diesem Jahr nur mit einer marginalen Produktionsausweitung zu rechnen ist, erwarten wir, dass der Ölmarkt bis Mitte 2019 ein sichtbares Marktdefizit aufweisen dürfte.“

Der starke Dollar verschärft die Lage

Bis Mitte April hat der steigende Euro die Auswirkungen des schon längere Zeit steigenden Rohölpreises in Europa wenigstens teilweise ausgeglichen. Doch seit Mitte April kennt der Euro im Verhältnis zum Dollar nur eine Richtung, die nach unten. Das verschärft die Lage für europäische Kunden derzeit zusätzlich.

Martin Prem

Tipps für den Heizöl-Kauf

Preisvergleich: Wie bei anderen Energieträgern gibt es auch beim Heizöl bei verschiedenen Anbietern unterschiedliche Preise. Ein gründlicher Vergleich hilft, viel Geld zu sparen. Am leichtesten geht das im Internet, wo verschiedene Seiten tagesaktuelle Vergleiche bieten. Da der Heizölpreis allgemein stark schwankt, empfehlen Vergleichsportale, die Preise das ganze Jahr über zu verfolgen, um bei günstiger Gelegenheit zuschlagen zu können. Aktuell haben auch politische Konflikte wie das Atomabkommen mit dem Iran oder der Krieg in Syrien Einfluss auf die Entwicklung der Preise für Rohöl.

Festpreis: Hausbesitzer sollten bei der Bestellung einen festen Preis vereinbaren und sich diesen vom Lieferanten schriftlich bestätigen lassen. Dann gilt dieser Preis auch, falls Heizöl bis zum Zeitpunkt der Lieferung noch einmal teurer wird.

Sammelbestellung: Je mehr Heizöl ein Kunde kauft, desto besser wird der Preis. Einzelnen Hausbesitzern sind dabei natürlich Grenzen gesetzt, sparen können sie aber durch Sammelbestellungen mit Nachbarn. Nachteil: Wer für alle bestellt, haftet womöglich mit seinem Geld, wenn die anderen nicht zahlen. Eine Alternative bieten Dienste wie heizoelpool.de. Dort geben Interessenten ihre Postleitzahl und die gewünschte Ölmenge ein. Wenn genug Bestellungen aus einer Region vorliegen, wird ein Sammelauftrag ausgelöst. Die Ersparnis kann mehrere Prozent betragen.

Zählwerk auf null: Kunden sollten sich überzeugen, dass bei der Lieferung beim Einschalten der Pumpen auf dem Zählwerk nur Nullen stehen. Damit ist sicher, dass die später abgerechnete Menge auch tatsächlich im eigenen Tank gelandet ist.

Schaumfrei tanken: Während der Zähler läuft, muss im Sichtglas immer Heizöl zu sehen sein. Kommt Schaum oder verschwindet das Heizöl völlig aus dem Schauglas, muss die Messung automatisch unterbrochen werden. Läuft der Zähler weiter, wird in dieser Zeit Luft statt Flüssigkeit gemessen.

Lieferscheine: Sie sollten im Beisein des Kunden ausgestellt werden. Damit nicht mehr abgerechnet wird als geliefert, ist es ratsam, nach dem Tanken die Zählerstände zu notieren. Stimmt etwas nicht, sollte der Verbraucher sofort reklamieren und den Lieferschein keinesfalls unterschreiben. Am besten notiert sich der Kunde das Nummernschild des Tankwagens

afp

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