Öl-Experten: Preise unter 30 Dollar pro Barrel sind nicht in Sicht

- München - Die Angst vor neuen Terror-Anschlägen hat die Ölpreise erneut nach oben katapultiert. Experten fürchten nun eine ernste Gefährdung der Konjunktur und erwarten mittelfristig keine Entlastung.

<P>Die Anschläge in Saudi-Arabien vom Wochenende hatten zwar keine Auswirkungen auf die Förderung. Doch sie führten der Welt die Abhängigkeit vom "Flüssigen Gold" vor Augen. Die Ölpreise sprangen in die Höhe und durchbrachen die Marke von 41 Dollar pro Barrel. Obwohl die Höchststände vom Mai nicht erreicht wurden, wachsen die Konjunktursorgen. <BR><BR>"Das Problem ist Psychologie", sagt der Wiener Erdölexperte Johannes Benigni gegenüber unserer Zeitung. Es gebe genügend Rohöl am Markt. Doch bei Benzin herrsche akute Knappheit, die mangels Raffinerie-Kapazität auch bei einer Ausweitung der Fördermenge nicht gelindert werden könne. Außerdem stünden im vierten Quartal, wenn der Ölbedarf saisonbedingt ansteigen wird, nur noch geringe Reserven zur Verfügung. "Wenn dann nur ein Förderland ausfällt, haben wir die Katastrophe", so Benigni. Es könnte also trotz hoher Preise noch teurer werden, mit dem Füllen leerer Heizöltanks zu warten. Preise unter 30 Dollar pro Barrel seien kaum zu erwarten, sagt Benigni.<BR><BR>Das sieht Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst ganz ähnlich: "Das Preisniveau ist recht stabil. Selbst wenn man alle Beschränkungen fallen lässt, bringt man den Preis nicht runter", sagt er. Immerhin mache ein hohes Preisniveau auch das Anzapfen von Ölreserven lukrativ, die bei niedrigen Preisen nicht gewinnbringend verwertet werden konnten. Die riesigen Mengen an Ölsand in Kanada haben das Land auf Platz zwei in der Rangfolge der Länder mit ausbeutbaren Ölvorkommen gebracht.<BR><BR>"Vor Jahrzehnten galten diese als unwirtschaftlich", bestätigt Rainer Winzenried von Shell Deutschland. Mittlerweile habe die Förderindustrie neue Projekte angepackt. Allerdings würden Milliarden-Dollar-Entscheidungen nicht von kurzfristigen Ausschlägen der Marktpreise abhängig gemacht.<BR><BR>Offenbar hat die Entwicklung auf den Weltmärkten sogar ein Phänomen außer Kraft gesetzt, das beinahe schon als Naturgesetz galt: Wenn Ferien beginnen, steigen die Benzinpreise. Am Pfingstwochenende aber haben diese an den Tankstellen um zwei Cent pro Liter nachgegeben. Gestern kostete "Normal" bei Shell im Bundesdurchschnitt 116,10 Cent pro Liter. Der Höchstpreis im Mai lag bei 119,09 Cent.<BR><BR>Nicht nur Länder mit schwer ausbeutbaren Ölreserven sehen sich auf der Gewinnerseite. Auch die "erneuerbaren Energieträger" fühlen sich im Konkurrenzkampf besser gestellt. Diese seien "nicht mehr Nischentechnologie", wie Bundesumweltminister Jürgen Trittin zum Start der Weltkonferenz zu diesem Thema in Berlin sagte. Vor allem wo Leitungsnetze wegen zu geringer Bevölkerungsdichte nicht wirtschaftlich sind, könnten sich interessante Märkte entwickeln. Wenn die Zahl der Armen bis 2015 halbiert werden solle, müssten mindestens eine Milliarde Menschen mit erneuerbaren Energien versorgt werden, sagte Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Noch einen Vorteil dieser Energien betonte die SPD-Politikerin: "Es wird niemals Kriege um den Zugang zur Sonne geben."<BR><BR>Kriege gibt es innerhalb der Öko-Szene nicht, Auseinandersetzungen schon: Landschaftsschützer kritisieren Windräder, die in den vergangenen Jahren in Deutschland wie Spargel aus dem Boden geschossen sind. Am Rande der Bonner Konferenz wurde dieser Konflikt teilweise entschärft. Naturschützer und Windbranche schlossen ein Bündnis für den Ausbau der Windenergie. Durch Mindestabstände zu Wohngebieten, weitgehenden Umweltschutz und windmühlenfreie Gebiete solle die Akzeptanz gesteigert werden, sagte Helmut Rüscheisen, Generalsekretär des Deutschen Naturschutzrings.</P><P><BR> </P>

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