Ölindustrie oder Krankenhäuser? Die Bush- und die Kerry-Aktien

- München - Während der Ausgang der Wahl zum US-Präsidenten so offen ist wie kaum zuvor, stehen die Gewinner aus der zweiten Reihe fest. Sowohl Amtsinhaber George W. Bush als auch Herausforderer John F. Kerry würden mit ihrer Politik einzelne Branchen unterstützen oder belasten.

<P>Die Präsidenten-Wahl verunsichert viele Anleger in Deutschland. Jeder dritte Investor hat seine US-Aktien verkauft und wartet den Ausgang der Wahl ab, hat eine Umfrage der Investmentbank HSBC Trinkaus & Burkhardt ergeben, wie das "Handelsblatt" berichtete. Dabei rechnen Experten mit einem eher geringen Einfluss des Wahl-Ausgangs auf den Gesamtmarkt. "Es werden gleichzeitig mit dem Präsidenten ein Teil des Senats und das Repräsentantenhaus neu gewählt. Wenn Kerry gewählt wird, aber die republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus bleibt - wofür vieles spricht -, wird er vieles, was er heute ankündigt, nicht umsetzen können", sagt Jürgen Pfister, Chefvolkswirt der Bayerischen Landesbank. Dennoch werden einzelne Branchen einen Einfluss spüren - von Bush oder Kerry.</P><P>Die Bush-Aktien</P><P>Der amtierende Präsident setzt auf Steuererleichterungen bei Kursgewinnen und Dividenden, was generell Investitionen in Aktien unterstützt.<BR> Die Rüstungsindustrie war in den vergangenen Jahren einer der größten Profiteure der Bush-Politik. Der größte Rüstungskonzern der Welt, Lockheed Martin, hat seinen Börsenwert in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Insbesondere nach dem 11. September 2001 stiegen die Aufträge - und damit die Börsenbewertung - erheblich (siehe Grafik). Dieser Trend wird nach Einschätzung der Axa Investment Managers unabhängig vom Wahlausgang anhalten. George Bush scheine aber einen etwas stärkeren Schwerpunkt darauf zu legen. "Auch wenn es mehr ein psychologischer Effekt sein mag, glaubt die Mehrheit der Beobachter, dass die Rüstungs-Firmen unter Bush stärker profitieren würden", schreibt auch die Investmentbank Merrill Lynch.</P><P>Im Energiemarkt würden insbesondere die Öl-Konzerne unter Bush bessere Bedingungen vorfinden.</P><P>Bei der Gesundheitsvorsorge würden nach Einschätzung von Merrill Lynch die meisten Pharma-Unternehmen davon profitieren, dass Bush in diesem Bereich weniger auf Regulierung setzt als Kerry.</P><P>Versicherer dürften unter Bush besser dastehen, weil er das Schadensersatzrecht, das in den USA extrem hohe Forderungen ermöglicht, reformieren und Ansprüche reduzieren will.<BR> Dies betrifft auch die Tabakindustrie, der Milliarden-Klagen kranker Raucher drohen könnten.</P><P>Im Handel dürfte es vor allem Luxus-Anbietern besser gehen, wenn Bush seine Steuererleichterungen für Reiche fortsetzen kann.</P><P>Arbeitsintensive Sektoren wie die Gastronomie müssten unter Kerry höhere Mindestlöhne bezahlen und dürften deshalb Bush bevorzugen.</P><P>Medienunternehmen müssten in einer weiteren Amtszeit von George Bush nicht fürchten, von strengeren behördlichen Prüfungen betroffen zu sein, die Kerry erwägt.</P><P>Die Kerry-Aktien</P><P>Der Herausforderer will Teile von Bushs Steuerpolitik rückgängig machen und würde nach Einschätzung von Merrill Lynch eher Investoren am Rentenmarkt entgegenkommen. Dennoch würden auch am Aktienmarkt einige Branchen profitieren.</P><P>Der als umweltbewusster geltende Kerry würde alternative Energien fördern, während traditonelle Energie-Firmen höhere Kosten fürchten müssten.</P><P>Kerry will die Gesundheitsversorgung der Amerikaner verbessern und die Zahl der Krankenversicherten steigern, was nur über Kostenreduzierungen im Gesundheits-Sektor möglich wird. Deshalb dürften Hersteller von Generika profitieren.</P><P>Auch Krankenhaus-Betreiber müssen unter Kerry nicht befürchten, von staatlichen Ausgabenkürzungen getroffen zu werden, die Bush plant.<BR> Da Kerry eher weniger wohlhabende Menschen mit seiner Steuerpolitik unterstützen würde, könnten im Einzelhandel speziell Massenanbieter wie Supermarktketten profiteren.<BR> Eine eher protektionistische Handels-Politik würde insbesondere den in den USA produzierenden Unternehmen zugute kommen.</P><P>Die größten Hypothekenbanken der Welt - Fannie Mae und Freddie Mac - wären unter weniger harter staatlicher Aufsicht, wenn Kerry regieren würde, urteilt Merrill Lynch.<BR></P>

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