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Ölkraftwerks-Schiffe statt Atomkraft: „Habeck setzt kurzfristig auf Dreckschleudern“

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Von: Lisa Mayerhofer

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Wirtschaftsminister Robert Habeck denkt über den Einsatz umstrittener Ölkraftwerks-Schiffe nach, um die Stromversorgung im Notfall zu sichern. Ein Experte kritisiert das scharf.

München – Die Sorge in der Bevölkerung vor einem Blackout ist einer Civey-Umfrage zufolge groß. Strommarktexperten gehen allerdings nicht von einem kompletten Zusammenbruch der Stromversorgung aus. Auch das Wirtschaftsministerium teilte bei der Vorstellung des Stresstests am 5. September mit: „Eine stundenweise krisenhafte Situation im Stromsystem im Winter 22/23 ist zwar sehr unwahrscheinlich, kann aktuell aber nicht vollständig ausgeschlossen werden.“

Damit es aber zu keinen Stromausfällen komme, seien zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung der Netzsicherheit nötig. Etliche Maßnahmen, die der Stresstest als notwendig erachte, seien in der Umsetzung, wie beispielsweise die Marktrückkehr der Kohlekraftwerke, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Stromversorgung: AKWs sollen laut Habeck vom Netz gehen

Außerdem sollen zwei der drei verbliebenen Atomkraftwerke eine sogenannte „Einsatzreserve“ für Notfälle bilden. Wenn es nötig ist, sollen die Kraftwerke Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim in Baden-Württemberg im Winter einen zusätzlichen Beitrag im Stromnetz leisten und bis Mitte April zur Verfügung stehen. Danach soll auch für sie endgültig Schluss sein. „Atomkraft ist und bleibt eine Hochrisikotechnologie“, begründet Habeck das Festhalten am Atomausstieg.

Das AKW Emsland in Niedersachsen soll nicht Teil der Reserve sein, sondern wie geplant zum Jahresende endgültig abgeschaltet werden. Für den süddeutschen Raum gebe es weniger AKW-Alternativen als im Norden, argumentiert Habeck. Zur Deckung möglicher Lücken in Norddeutschland sollen im Notfall schwimmende Ölkraftwerks-Schiffe zum Einsatz kommen.

Ölkraftwerks-Schiffe für den Notfall: „Habeck setzt hier kurzfristig auf Dreckschleudern“

Doch genau das stößt auf Unverständnis: Ölkraftwerks-Schiffe weisen eine schlechtere Co2-Bilanz als Gas- oder Kernkraftwerke auf. „Habeck setzt hier kurzfristig auf Dreckschleudern, aus denen er langfristig aussteigen will – nur um den grünen Fetisch des Atomausstiegs aufrechtzuerhalten“, kritisiert der Volkswirtschafts-Professor Jan Schnellenbach von der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus-Senftenberg gegenüber der Bild.

Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt kritisierte in dem Bericht der Zeitung: „In einer neuen Runde von Habecks Blackout-Bingo lässt Habeck auf der Nordsee lieber Öl verbrennen, statt die Kernenergie weiterlaufen zu lassen. Dieses Öl-Schiffsmanöver enttarnt Habecks Märchen vom ausreichend Strom in Norddeutschland.“

Ölkraftwerks-Schiffe kommen schon länger zum Einsatz – allerdings vor allem in ärmeren Ländern, die sich den Bau von Kraftwerken nicht leisten können. Genutzt wird diese Möglichkeit etwa von Ghana, Sierra Leone und dem Sudan. Wie die Welt berichtet, wird dabei auf den Schiffen via Verbrennungsmotoren Strom produziert – mit einem Wirkungsgrad von bis zu 50 Prozent. (dpa/lma)

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