Der Ölmarkt entspannt sich

- Hamburg - Der Winter steht in Europa und Amerika vor der Tür. Doch der Ölpreis gibt seit Tagen leicht nach und ist wieder unter die Marke von 30 Dollar für ein Fass (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent gefallen. Für die nächsten Wochen erwarten die meisten Experten eine weitere Entspannung auf den Ölmärkten. Das ist, so seltsam es scheinen mag, im Winter die Regel.

<P>"Überraschenderweise überwiegt, entgegen den üblichen Erwartungen, der Kursdruck auf Rohöl in der klassischen Kälteperiode bis März", schreibt die Dresdner Bank in einer Analyse. Grund: Unternehmen und Verbraucher haben sich schon im Spätsommer mit Heizöl für den Winter eingedeckt.</P><P>Uneinigkeit herrscht jedoch über die weitere Entwicklung der Energiekosten im nächsten Jahr, einem wichtigen Faktor für Konjunktur und Wachstum. Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) rechnet nach wie vor mit einem Rückgang des Ölpreises auf 25 Dollar. "Die Versorgung der Märkte mit Öl ist reichlich", sagt HWWA-Energieexperte Klaus Matthies. Im September strebte der Preis auch tatsächlich schon auf die 25-Dollar-Marke zu, ehe die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) mit der Ankündigung von Förderkürzungen den Trend für einige Wochen wieder umkehren konnte.</P><P>Dagegen erwartet die Dresdner Bank, dass mit der anziehenden Welt- Konjunktur auch die Nachfrage nach Öl um eine Million Barrel pro Tag (mbd) auf 78,9 mbd steigen wird. "Damit entstünde ein deutlicher Nachfrageüberhang nach Öl, der zu steigenden Ölpreisen im Jahr 2004 führen müsste", heißt es in der Analyse der Bank. Die Spekulanten am Ölmarkt könnten diesen Trend noch verstärken, wenn es zu politischen Konflikten in den traditionellen Krisengebieten komme. So rechnet die Bank mit einem durchschnittlichen Brent-Preis von 29 bis 30 Dollar.</P><P>Das große Fragezeichen ist nach wie vor die künftige Entwicklung im Irak, dem Land mit den drittgrößten Ölreserven der Welt. Jeremy Greenstock, der britische Bevollmächtigte für den Irak, hat erst in diesen Tagen den Ausbau der Produktion auf drei mbd im kommenden Jahr angekündigt, was noch deutlich über der Förderleistung vor dem Krieg liegen würde. Doch Energieexperten betrachten diese Ankündigung mit großer Skepsis.</P><P>Nach wie vor ist nicht erkennbar, wie die notwendigen Investitionen von mindestens 30 Milliarden US-Dollar aufgebracht werden sollen, um die marode Ölindustrie des Landes technisch wieder exportfähig zu machen. Anschläge auf Pipelines und die Unsicherheit im Land haben bislang jeden Fortschritt beim Aufbau der Ölindustrie vereitelt. "Das Potenzial des Irak ist natürlich sehr groß, aber die Mittel fließen nicht", sagt ein Sprecher von ExxonMobil.</P><P>Für den deutschen Verbraucher hat sich der seit einem Jahr relativ hohe Rohölpreis nur begrenzt bemerkbar gemacht. Im Gleichschritt mit dem Ölpreis stieg auch der Euro-Kurs und machte so über den Wechselkurs das Öl billiger. So kletterte der Preis für ein Barrel Brent von November 2002 bis Oktober 2003 von 24,11 US-Dollar kräftig auf 30,23 Dollar, aber nur moderat von 24,12 Euro auf 25,83 Euro. Für die Eurozone ist das so etwas wie eine dauernde Konjunkturhilfe, die jedoch wieder wegfällt, wenn sich der Dollar erholen sollte.</P>

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