Öl-Pakt mit Russland besorgt Europa

Die Ölstaaten bauen ihre weltweite Macht immer weiter aus. Russland will nun stärker mit dem Opec-Kartell zusammenarbeiten. Diese Öl-Allianz lässt Marktbeobachter schaudern: Die Energieversorgungssicherheit könnte gefährdet sein, so die Befürchtung.

Russland, nach Saudi-Arabien das Land mit der zweitgrößten Ölfördermenge, kündigte an, seine Ölpolitik zu ändern und stärker mit der Gemeinschaft Erdöl exportierender Länder (Opec, siehe Kasten) zu kooperieren. "Unsere neue Initiative beinhaltet einen regelmäßigen Energiedialog zwischen Russland und der Opec", sagte der russische Vizepremierminister Igor Setschin auf der Opec-Konferenz in Wien. Der Georgien-Konflikt und die daraus entstandenen Spannungen zwischen Russland und dem Westen düften, Beobachtern zufolge, nicht unerheblich für diesen Schritt gewesen sein.

Eine "Bedrohung" nennt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank, diese Ankündigung: "Zusammen mit Russland würde die Opec weit über 50 Prozent des Ölmarktes kontrollieren", sagt Weinberg. "Die europäische Energieversorgungssicherheit könnte dadurch beeinträchtigt werden", warnt er, weil man den Hahn nach Europa auch unabhängig von den Wünschen europäischer Kunden in Absprache mit der Opec drosseln könnte. Gleichzeitig hält Weinberg es für fraglich, ob dieser Zusammenschluss tatsächlich zustande kommt: "Russland und die Opec verfolgen an sich unterschiedliche Ziele." Den Russen ginge es in erster Linie darum, bereits kurzfristig die Gewinne und somit die Produktion zu maximieren, während die Opec vor allem die langfristige Preisstabilität und das Marktgleichgewicht verfolgt, sagt Weinberg.

Man dürfe den Vorstoß nicht überbewerten, meint auch Frank Schallenberger, Rohstoffanalyst der Landesbank Baden-Württemberg. Dennoch sehe man daran, dass es mittelfristig nach vermehrten Absprachen zwischen den Erdölexporteuren "rieche".

In Wien einigten sich die Vertreter der 13 Opec-Länder gestern darauf, die Rohölproduktion um 520 000 Barrel (je 159 Liter) täglich zu drosseln, doch bleiben die jeweiligen Förderquoten der einzelnen Mitglieder praktisch unverändert. Nur Saudi-Arabien muss seine Förderung reduzieren. Die "Überversorgung" der vergangenen Wochen auf den internationalen Ölmärkten hatte mit zu dem rapiden Preisfall von über 140 US-Dollar auf unter 100 US-Dollar pro Barrel Opec-Öl beigetragen. Unmittelbar nach der Konferenz beruhigte der amtierende algerische Opec-Präsident Chakib Khelil die Öffentlichkeit: Er geht davon aus, "dass die Preise trotz der Verringerung der Produktion weiter fallen".

Die Entscheidung zugunsten einer moderaten Drosselung der Förderung von der Rekordmenge von zuletzt 32,64 Millionen Barrel wird - so hofft die Opec - die internationalen Märkte stabilisieren, ohne zu einem neuen Preisauftrieb zu führen. Die Entwicklung "am Morgen danach" schien ihm Recht zu geben, denn die Rohölpreise lagen nur geringfügig über denen des Vortags.

Die jüngste Prognose der Internationalen Energie-Agentur IEA dürfte der Opec nicht gefallen. Sie nahm ihre Vorhersage über den Ölverbrauch in diesem und im nächsten Jahr erneut zurück. Nach IEA-Schätzungen wird die Nachfrage 2008 nur noch um 0,8 Prozent und 2009 um 1 Prozent steigen. Und erstmals seit Jahren gibt es dazu wieder wachsende, freie Förderkapazitäten. Sie dürften, glaubt der Ex-BP-Manager und heutige Energieforscher Nick Butler, den Ölmarkt stabiler und weniger anfällig für Störungen und Streiks machen. Unter diesen Bedingungen hält Butler gar einen Ölpreis von 40 Dollar wieder für möglich.

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