Ölpreis bleibt auf hohem Niveau

- Frankfurt - Die Ölpreise werden nach Einschätzung von Experten auch im Jahr 2006 auf einem hohen Niveau verharren. "Wir erwarten keine deutliche Entspannung am Rohölmarkt", betont Analystin Melanie Fischinger von der Commerzbank. Allerdings sei ein neuer Höhenflug des Ölpreises wie im August und September des abgelaufenen Jahres auch nicht zu erwarten, fügt Analyst Eugen Weinberg von der DZ-Bank hinzu.

Fischinger rechnet im kommenden Jahr für Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit einem durchschnittlichen Preis je Barrel (159 Liter) zwischen 53 und 54 US-Dollar. Beim Preis für Rohöl der in Europa besonders gefragten Nordseesorte Brent erwartet sie einen durchschnittlichen Preis von 48 Dollar. "Preise um die 20 Dollar je Fass der Nordseesorte Brent, wie sie im Durchschnitt der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts üblich waren, liegen nicht in greifbarer Nähe", so die Prognose der Commerzbank.

Auch Weinberg rechnet beim WTI-Öl im kommenden Jahr mit einem durchschnittlichen Preis zwischen 53 und 54 US-Dollar. Den zu erwartenden Durchschnittspreis bei Brent-Öl beziffert er zwischen 51 und 52 Dollar je Barrel. Die Experten der US-Investmentbank Morgan Stanley setzen ihre Prognosen etwas geringer an. Sie erwarten beim WTI-Öl einen durchschnittlichen Preis von 50 Euro und beim Brent-Öl von 48 Dollar je Barrel.

Von fundamentaler Knappheit keine Rede

Selbst bei einer weiteren ungewöhnlich heftigen Hurrikan-Saison in den Ölfördergebieten im Golf von Mexiko rechnet Weinberg nicht mit einem neuen Höhenflug mit neuen Rekordpreisen. Anfang September 2005 hatten die Folgen der tropischen Wirbelstürme "Katrina" und "Rita" den Preis für WTI-Öl zeitweise auf ein Rekordhoch von fast 71 Dollar je Barrel steigen lassen. "Selbst bei einer weiteren überdurchschnittlich heftigen Hurrikan-Saison wird der Preis für Rohöl nicht mehr so stark reagieren wie 2005", sagt Weinberg.

Als Ursache für das dennoch anhaltend hohe Preisniveau beim Rohöl nannten die befragten Experten übereinstimmend die starke Nachfrage durch das weltweite Wirtschaftswachstum. Die Investmentbank Morgan Stanley geht in der Prognose für das kommende Jahr von einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent aus. "Dies würde einen Anstieg der weltweiten Nachfrage um täglich 1,4 Millionen Barrel bedeuten", heißt es in einer Studie. Dabei werde vor allem die anhaltend starke Nachfrage vor allem aus Indien und China "die Ölpreise auf einem hohen Niveau halten", betont Experte Weinberg.

Trotz der boomenden Weltwirtschaft sollten die weltweiten Fördermengen auch im kommenden Jahr mit der steigenden Nachfrage Schritt halten, sagt Fischinger. Von einer "fundamentalen Angebotsknappheit kann keine Rede sein".

Nach Angaben der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) sind bis Ende des Jahrzehnts rund 100 Explorations- und Förderprojekte in den Mitgliedstaaten in Planung. Allerdings sei für die Finanzierung der kostspieligen Erschließung neuer Ölquellen ein Preis von etwa 45 Dollar je Barrel notwendig, schreiben die Experten von Morgan Stanley.

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