Ölpreis: Irak-Gerüchte bewirken Atempause

- München - Eine Entspannung am Ölmarkt ist nicht in Sicht: Nach Angriffen auf die irakische Ölindustrie durch Rebellentruppen hat sich der Blickpunkt des Interesses wieder auf den Mittleren Osten gelegt. Und der Ölpreis könnte die 50-Dollar-Marke testen. Er lag zwar am Freitagabend deutlich unter 48 Dollar pro Barrel (159 Liter). Doch von den Höchstmarken hatte er sich entfernt, als von einer Entspannung im Konflikt um Nadschaf ausgegangen wurde. Davon war am Wochenende keine Rede mehr.

Experten streiten nun über die Auswirkungen. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise hält die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft für unterschätzt. "Ein Preis von über 40 Dollar ist für die Konjunktur ein großes Problem und damit auch für den Arbeitsmarkt", sagte er der "Bild am Sonntag". <BR><BR>Der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, Wolfgang Franz, betonte dagegen, dieser Zusammenhang habe sich inzwischen abgeschwächt. Das habe auch mit den Anstrengungen zum Energiesparen zu tun, sagte Franz der "Welt am Sonntag". Die Auswirkungen hoher Ölpreise seien auch deshalb nicht mehr so gefährlich für die Konjunktur, weil die Lohnpolitik gelernt habe, die durch das teurere Öl steigenden Preise nicht mehr durch entsprechende Lohnsteigerungen auszugleichen. "Das mag hart sein für die Autofahrer, ist aber gut für die Volkswirtschaft."<BR><BR>Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, sieht bei einem anhaltend hohen Ölpreis zwar Gefahren für die Wirtschaft. "Wenn der Ölpreis über 50 Dollar steigt, wird sich das negativ auf die Konjunktur auswirken", sagte Zimmermann. Die Schwäche der Binnennachfrage werde verlängert. Dennoch habe der deutsche Aufschwung, getragen vom Export, klar begonnen und setze sich fort.

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