Ölpreis nach "Rita" auf Talfahrt

- New York/München - Die US-Energiepreise sind am Sonntag in New York und London in Sondersitzungen an den Warenterminmärkten deutlich gefallen. Hurrikan "Rita" hatte bedeutend geringere Schäden an Raffinerien und Ölinstallationen am Golf von Mexiko angerichtet als ursprünglich befürchtet. Es wiesen nach bisherigen Angaben nur drei Raffinerien Sturmschäden auf, während 16 in Vorbereitung auf den Sturm geschlossen worden waren.

Der Rohölpreis fiel in einer kurzfristig wegen "Rita" angesetzten Sonntagssitzung am New Yorker Warenterminmarkt "Nymex" um 1,19 Dollar oder 1,85 Prozent auf 63,00 Dollar je Barrel. Am Londoner Terminmarkt IPE (International Petroleum Exchange) fiel der Ölpreis um 1,5 Prozent auf 61,49 Dollar, berichtete die US-Wirtschaftsagentur "Bloomberg".

Es wies eine Raffinerie der US-Firma Valero Energy in Port Arthur (Texas) Sturmschäden auf, deren Behebung zwei Wochen bis einen Monat dauern könnten. Außerdem gab es bei Raffinerien von Motiva Enterprises und Citgo Schäden. Somit hat Hurrikan "Rita" die Ölkonzerne mit ihren Raffinerien und die Chemieunternehmen mit ihren zahlreichen petrochemischen Werken nach ersten Analysen mit einem blauen Auge davon kommen lassen. Die Ölmärkte atmeten deshalb auf.

Das galt auch für die Versicherungen und Rückversicherer in aller Welt, die erheblich geringere Schadensansprüche zu erwarten haben als ursprünglich erwartet. Statt der befürchteten Katastrophe, die bei einem "Rita"- Direkttreffer auf das Energiezentrum der USA und die viertgrößte amerikanische Stadt Houston entstanden wäre, schwächte sich "Rita" ab und kam weiter östlich an Land.

Schwere Schäden verursachte "Rita" in den Städten Beaumont und Port Arthur in Texas sowie Lake Charles in Louisiana. Es handelt sich um kleinere Städte. Es gibt dort viel weniger Raffinerien und Chemiewerke als im Gebiet von Houston und Galveston. Im Golf von Mexiko war wegen Hurrikan "Rita" die gesamte Ölförderung von rund 1,5 Millionen Barrels pro Tag unterbunden worden.

Die auf Risikoanalysen spezialisierten Firmen Eqecat ging am Wochenende nur noch von versicherten Gesamtschäden durch "Rita" von 3 bis 6 Milliarden Dollar (4,9 Mrd Euro) aus gegenüber einer ursprünglichen Schätzung von neun bis 18 Milliarden Dollar. Die einschlägige Firma AIR Worldwide erwartet 2,5 bis 5 Milliarden Dollar Versicherungsschäden. Damit würden die versicherten Schäden nur einen Bruchteil der von der Spezialfirma Risk Management Solutions (RMS) auf 40 bis 60 Milliarden Dollar geschätzten Versicherungsschäden durch Hurrikan "Katrina" erreichen.

Gleichwohl richtet sich die Versicherungswirtschaft angesichts der diesjährigen Hurrikan-Saison insgesamt auf Rekordschäden ein. Die Saison könnte die Branche bis zu 60 Milliarden Dollar kosten, das wären nach Angaben des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück deutlich mehr als in der bisherigen Rekordsaison 2004. Damals, als innerhalb weniger Wochen allein vier schwere Hurrikans über Florida hinwegfegten, musste die Versicherungswirtschaft insgesamt Schäden in Höhe von etwa 30 Milliarden Dollar tragen, sagte Peter Höppe, Leiter der Georisikoforschung bei Münchner Rück, dem "Tagesspiegel am Sonntag". In diesem Jahr werden die versicherten Schäden von der Münchener Rück auf 20 bis 60 Milliarden Dollar geschätzt.

Bayer erlitt in seinem riesigen Chemiekomplex in Baytown (Texas) nur "minimale Schäden" und an den anderen Standorten Channelview, Pasadena und Spring keinerlei Schäden. Die BASF hatte fünf texanische Chemiewerke in Port Arthur, Beaumont, Freeport, Clear Lake und Pasadena geschlossen.

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