Ölpreis nahe an Rekordmarke

- Hamburg - Der Ölpreis hat sich am Montag der historischen Marke von 60 Dollar genähert. Zugleich stieg die Besorgnis über negative Folgen des Höhenflugs der Ölnotierungen für die Konjunktur. Die deutschen Autofahrer können laut ADAC angesichts der bevorstehenden Ferienzeit nicht mit sinkenden Kraftstoffpreisen rechnen. Da in den vergangenen Tagen der Euro gegen den Dollar an Wert verlor, müssen die Euro-Länder für das in Dollar gehandelte Öl mehr zahlen. An der Frankfurter Börse hat der hohe Ölpreis die Stimmung deutlich getrübt.

Der Preis für leichtes Rohöl zur Juli-Auslieferung ist am Montag im elektronischen Handel am New Yorker Warenterminmarkt Nymex zeitweise auf 59,23 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Der Preis gab dann geringfügig auf 58,99 Dollar nach. Der Preis für den August-Kontrakt erreichte zeitweise die Schwelle von 60 Dollar. Weiter in die Zukunft datierte Rohölkontrakte bis Februar 2006 lagen ausnahmslos bei über 60 Dollar. In den vergangenen 30 Tagen ist der Ölpreis um gut zehn Dollar gestiegen. In London kostete ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent 57,82 Dollar und damit 95 Cent mehr als am Freitag.<BR><BR>Nach Einschätzung deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute bremst der Höhenflug des Ölpreises das Wachstum. Carsten-Patrick Meier vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sagte, "bleibt der Ölpreis auf dem derzeitigen Niveau wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland über zwei Jahre hinweg um rund 0,4 Prozentpunkte gedämpft". Nach Meinung des Rohstoffexperten des Hamburger HWWA, Eckhardt Wohlers, hat die Entwicklung an den Ölmärkten einen "dämpfenden Effekt" auf die deutsche Wirtschaft. Autozulieferer wie Bosch und ZF Friedrichshafen befürchten ebenfalls belastende Einflüsse auf die Wirtschaft.<BR><BR>Die deutschen Autofahrer müssen nach Einschätzung des ADAC noch länger mit Rekordpreisen bei Benzin und Diesel leben. "Das wird auch künftig ein großes Thema bleiben, es ist nicht von einer maßgeblichen Entlastung auszugehen", sagte der ADAC-Referent für Verkehrspolitik, Jürgen Albrecht. Die bevorstehende Ferienzeit werde für die Mineralölkonzerne ein Anlass sein, nochmals eine Preisrunde extra zu fahren. Über das Wochenende haben die Benzinpreise allerdings etwas nachgegeben. Normalbenzin kostete im bundesweiten Durchschnitt 1,20 Euro, Super 1,22 Euro und Diesel 1,08 Euro.<BR><BR>Nach Ansicht des Hamburger Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) treiben Spekulanten den Ölpreis hoch. "Es gibt keine Rohölknappheit", sagte die Verbandssprecherin Barbara Meyer-Bukow. Die RohölLagerbestände seien international nicht so niedrig, dass die Spekulationen gerechtfertigt seien. "Der Markt will die psychologisch wichtige Marke von 60 Dollar testen", erläutert Rohstoffexperte Victor Shum von der US-Beratungsfirma Purvin and Gertz.<BR><BR>Einer der Gründe für den jüngsten Höhenflug ist die Sorge am Markt, dass die Raffinerien nicht in der Lage sein werden, die Benzinnachfrage im Sommer zu bedienen und gleichzeitig genügend Heizöl und Dieselvorräte für das Jahresende aufzubauen. Die USRaffinerien sind bereits zu 97 Prozent ausgelastet. Die Rohöl-, Diesel- und Benzinreserven der USA sind geschrumpft. Die US-Ölförderung fällt seit Jahrzehnten. Die Versorgungslücke muss durch immer höhere Ölimporte gedeckt werden. Darüber hinaus belastet die angespannte Sicherheitslage im Ölland Nigeria den Markt. 

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