Ölpreis auf Rekordjagd: Autofahrer fluchen, Anleger können profitieren

- München - Die Fahrt zur Tankstelle wird für Autofahrer zunehmend zur Qual. Der Preis für Benzin klettert unaufhörlich. Doch für einige Anleger dürfte das auch eine gute Nachricht sein. Denn wer auf die Aktien der Ölkonzerne gesetzt hat, konnte in den vergangenen Monaten von dem hohen Preis für das schwarze Gold profitieren. Steigt der Rohölpreis, dann schlägt sich das in den Bilanzen der Ölfirmen wieder.

<P>Allein seit Jahresbeginn kletterte der Preis für ein Barrel der Rohölsorte Brent von rund 30 Dollar auf inzwischen über 37 Dollar - ein Anstieg um fast 24 Prozent. Damit notiert der Ölpreis auf dem Niveau vom Oktober 1990, als der Irak in Kuwait einmarschierte. An der New Yorker Rohstoffbörse kletterte ein Barrel der Sorte WTI gestern gar über 41 Dollar - der höchste Stand in der 21-jährigen Geschichte des Handels von Öl-Verträgen an dieser Börse.</P><P>Und nach Ansicht der Experten dürfte der Preis auf hohem Niveau verharren. "Die Weltwirtschaft dürfte in diesem Jahr rund vier Prozent wachsen und deshalb wird die Nachfrage nach Rohöl weiter sehr hoch bleiben", meint Ulf Moritzen, Manager des Fonds Nord-Rohstoff von der Investmentgesellschaft Nordinvest. Allein die kräftige Erholung der Konjunktur in den USA lässt den Ölbedarf derzeit massiv wachsen. Dort seien die Ölreserven inzwischen auf einem historisch sehr niedrigen Niveau, schreibt Robin Batchelor, Fondsmanager von Merrill Lynch in einer Analyse. Deshalb decken die Amerikaner einen Teil ihres Bedarfs inzwischen durch Importe aus Europa, was hierzulande den Ölpreis noch weiter antreibt.</P><P>Doch auch in anderen Teilen der Welt ist die Nachfrage groß, so etwa in China. Während die Nachfrage laufend steigt, ist das Angebot an Rohöl knapp. "Der Faktor Energie wird zunehmend wichtiger, gleichzeitig wird es aber auch immer schwieriger Öl zu finden und zu fördern", erklärt Ulf Moritzen. Dass der Ölpreis steigt, ist also kaum verwunderlich. </P><P>Profiteure dieser Entwicklung könnten nach Einschätzung der Experten die großen Ölkonzerne sein. Zwar haben die Aktienkurse vieler Ölkonzerne in den vergangenen Monaten bereits einen kräftigen Anstieg hinter sich. Doch Fondsmanager Moritzen sieht noch immer gute Chancen für weitere Kursgewinne. So liege das Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) internationaler Ölfirmen im Durchschnitt bei gerade mal acht bis zehn. Zum Vergleich: Die im deutschen Aktienindex Dax notierten Firmen weisen im Durchschnitt ein KGV von rund 15 auf, sind also ein gutes Stück teurer. Und auch die Dividendenrenditen seien attraktiv, so Moritzen. Der britisch-niederländische Konzern Royal Dutch weist eine Dividendenrendite von 4,77 Prozent auf, die italienische ENI bringt rund 4,5 Prozent.</P><P>Hält der Höhenflug des Ölpreises an, dann sieht es für die Ölkonzerne gut aus. "Ein steigender Ölpreis kommt insbesondere jenen Unternehmen zugute, die sowohl selbst Öl fördern als auch veredeln und verkaufen", erklärt Experte Moritzen. Dazu zählen zum Beispiel führende Konzerne wie Total, Royal Dutch oder die US-Konzerne Exxon und Chevron Texaco.</P><P>Einziges Problem, so Ralph Herre von der LBBW in Stuttgart, sei die schwache Entwicklung des amerikanischen Dollar, der das Ergebnis bei diesen Firmen negativ beeinflussen könnte. Angesichts der moderaten Bewertung der Konzerne, ist ein Investment in Ölaktien aber durchaus attraktiv. Größtes Risiko ist die Weltwirtschaft. Schlittert diese in in eine Rezession, dann fallen auch die Kurse der Ölaktien. Vorsichtige Anleger setzen deshalb auf Fonds, um das Risiko ihres Investments breit zu streuen. </P>

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