Der Ölpreis steigt und steigt: Gefährdet das den Aufschwung?

- Hamburg - Seit Wochen klettert der Ölpreis, Benzin ist in Deutschland teurer als je zuvor. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht.

<P>Was ist der Grund für den drastischen Anstieg?<BR><BR>Mehrere Dinge kommen zusammen: Weltweit ist wegen der Konjunkturerholung die Ölnachfrage angestiegen, gleichzeitig haben die Opec-Länder beschlossen, die Förderung zu drosseln. Und in China boomt die Wirtschaft, das Land kauft immer mehr Rohöl. Die Unruhe am Golf verunsichert Ölhändler, sie kaufen. Das aber ruft die Spekulanten auf den Plan, die an Ölpreisen verdienen wollen und durch spekulative Käufe den Preis weiter treiben.<BR><BR>Wie lange bleiben Öl und Benzin noch so teuer?<BR><BR>Eine Preiswende ist nicht in Sicht. Öl ist schon jetzt 30 Prozent teurer als im Schnitt des letzten Jahres. "Ich befürchte, dass der Ölpreis hoch bleibt", sagt der Ölexperte des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archives (HWWA), Klaus Matthies. Im größten Verbraucherland, den USA, beginnt im Mai die Auto-Reisezeit, der Ölkonsum wird weiter anziehen.<BR><BR>Gefährdet der Ölpreis die Wirtschaftserholung in Deutschland?<BR><BR>Noch nicht. Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter nannte die Wahrscheinlichkeit "sehr klein". HWWA-Konjunkturfachmann Jörg Hinze hat ausgerechnet, dass ein anhaltender Preisanstieg auf 35 Dollar Deutschland sechs Milliarden Euro kosten würde. 35 Dollar würden 0,3 Prozent weniger Wirtschaftswachstum bedeuten. Die Europäische Zentralbank befürchtet, dass der hohe Ölpreis die Inflation antreiben und die Konjunktur schwächen wird.<BR><BR>Welche Branchen leiden besonders unter dem hohen Ölpreis?<BR><BR>Alle, die viele Ölprodukte verbrauchen: Taxifirmen, Fluggesellschaften, Chemiefirmen, Spediteure. Die Lufthansa hat 2003 zum Beispiel 1,4 Milliarden Euro für Treibstoff ausgegeben. Die Fluggesellschaft wird vom Ölpreisschock aber noch nicht getroffen: "Wir haben uns langfristig abgesichert", sagte Sprecherin Christine Ritz. Kleinunternehmen können solche Sicherungsgeschäfte nicht betreiben.<BR><BR>Was kann man tun?<BR><BR>Energie sparen. Wer ein Auto mit einem Verbrauch von 6 Litern auf 100 Kilometern fährt, spart bei jetzigem Benzinpreis pro Jahr 540 Euro gegenüber einem Wagen mit 9 Litern Verbrauch. Der ADAC rät außerdem: Schon bei Tempo 50 im fünften Gang fahren, Luftdruck korrekt halten, kein unnötiges Gewicht im Auto transportieren.<BR><BR>Wer profitiert vom Ölpreis?<BR><BR>Jeder, der Öl fördert und verkauft. Vor allem also die Ölkonzerne und die Förderländer am Golf, Russland, Norwegen, Venezuela und andere. Aber auch der Staat profitiert: Er kassiert Steuern auf Benzin und Diesel. Je höher der Preis, umso höher die Einnahmen.<BR><BR>Wie wird es weitergehen?<BR>Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es irgendwann wieder abwärts geht: Der jetzige hohe Preis wird zusätzliche Anbieter anlocken. Die Förderung wird auch in schwierigen Gegenden lohnender, etwa in der Tiefsee. Auch andere Energieträger wie Gas, Kohle oder Atomenergie könnten wieder stärker genutzt werden und so die Ölnachfrage dämpfen.<BR></P>

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