Ölpreis steuert auf Rekordkurs: Bremse für Autofahrer und Konjunktur

- München - Gerüchte über atomare Angriffspläne der USA gegen den Iran haben am Dienstag den Ölpreis weiter in die Nähe des Höchststands vom September 2005 getrieben. Hand in Hand mit dem schwarzen Gold verteuerten sich an den Tankstellen die Spritpreise. Ökonomen warnten, dass ein anhaltender Anstieg den Aufschwung der deutschen Wirtschaft bremsen könne.

Die Preise der verschiedenen weltweit gehandelten Ölsorten zogen am Dienstag nach wochenlangem Aufwärtskurs weiter kräftig an. Im Computerhandel an der New Yorker Rohstoffbörse wurden am Vormittag 69,23 Dollar je 159-Liter-Fass der Referenzmarke West Texas Intermediate (WTI) gezahlt. Das waren 46 Cent mehr als am Montagabend und nur eineinhalb Dollar weniger als am 30. August, als WTI nach den verheerenden Hurrikans im Golf von Mexico sein Allzeithoch (70,85 US-Dollar) erreicht hatte. Der Nordsee-Sorte Brentspar gelang bereits der Sprung über ihre Rekordmarke: Ein Barrel kostete nach einem Plus von 75 Cent 69,70 Dollar und damit so viel wie nie zuvor.

"Einige Marktteilnehmer reagieren weiter auf die Medienberichte vom Wochenende zum Atomkonflikt mit dem Iran", erklärte ein Rohstoffexperte der Beratungsgesellschaft Purvin und Gertz die hochschnellenden Preise. Verschiedene Zeitungen in den USA hatten berichtet, dass im Pentagon bereits konkrete Planungen für militärische Schritte gegen den Iran erarbeitet worden sind, dem viertgrößten Rohölexporteur der Welt. Dabei war auch über den Einsatz von Atomwaffen spekuliert worden, die unter anderem unterirdische Bunkeranlagen knacken sollen. US-Präsident Georg W. Bush hatte dies am Montag als "wilde Spekulation" bezeichnet.

Als weitere Gründe für das Ansteigen der Ölpreiskurve nannten Fachleute anhaltende Gewalt auch gegen Mitarbeiter internationaler Ölkonzerne in Nigeria, einem weiteren wichtigen Förderland. Sie erinnerten außerdem daran, dass wegen noch nicht reparierter Sturmschäden in den USA nach wie vor weniger Öl verarbeitet wird. Ihren Bedarf decken die Amerikaner deswegen unter anderem mit verstärkten Einkäufen in Europa, was Nachfrage und Preise zusätzlich anheizt.

Der explodierende Ölpreis blieb in Deutschland nicht ohne Folgen. So verlor der Dax rund 100 Punkte auf etwa 5900 Zähler, da hohe Rohstoffkosten auf die Gewinne der Unternehmen drücken. Gernot Nerb, Leiter der Branchenforschung am Münchner Ifo-Institut, sagte unserer Zeitung: "Wenn der Preis derart hoch bleibt, kann sich das dämpfend auf die deutsche Wirtschaft auswirken." Nach seiner Einschätzung kostet ein Ölpreis-Aufschlag von zehn Prozent über ein Jahr betrachtet etwa 0,2 bis 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum. Bei stagnierenden oder weiter anziehenden Kursen müssten demnach viele Wachstumsprognosen nach unten korrigiert werden, die meist von 60 Dollar je Barrel ausgehen.

Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, sagte, sie halte einen Preis von 80 Dollar für möglich, sollte die Lage im Iran eskalieren. Allerdings könnte sich die Lage auf den Märkten ihrer Einschätzung nach auch wieder beruhigen. Ähnlich äußerte sich der Chef-Volkswirt der BayernLB in München, Jürgen Pfister: "Es gibt derzeit keinen Grund, einen weiterhin so hohen Ölpreis für die nächste Zeit anzunehmen."

Unterdessen setzten an den deutschen Tankstellen auch die Spritpreise ihren Höhenflug fort. Nach Angaben des ADAC mussten Autofahrer am Montag im Schnitt 1,33 Euro für einen Liter Super bezahlen, während Diesel 1,14 Euro kostete. Beide Werte markierten ein neues Jahreshoch, weswegen der Auto Club Europa (ACE) Osterurlaubern empfahl, bei Auslandsreisen das Preisgefälle in den deutschen Nachbarländern zu berücksichtigen.

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