Ölpreis treibt die Inflation an und drückt Aktienmärkte auf Jahrestief

- München - Der Ölpreis klettert nahezu unaufhörlich weiter und bedroht nun ernsthaft die wirtschaftliche Entwicklung. Die Börsen markieren erneut Jahrestiefstände, die Inflation zieht an. Ein Lösungsvorschlag aus dem Umweltbundesamt erntete entschiedenen Widerspruch.

<P>Der Präsident des Amtes, Andreas Troge, hat sich für eine schlagkräftige europäische Wettbewerbsbehörde ausgesprochen. "Wenn wir in Brüssel eine scharfe Aufsichtsbehörde hätten, dann könnten wir Druck auf die Konzerne ausüben", sagte er der "Berliner Zeitung". Eine derartige Missbrauchsaufsicht sei nötig, um die Preispolitik der großen Mineralölkonzerne wirksamer kontrollieren zu können. Der Umweltamts-Chef schätzte den Preiseffekt einer derartigen Preisaufsicht auf fünf bis zehn Cent pro Liter Benzin. Troge kritisierte auch die deutsche Autoindustrie, die zu wenig tue, um den Spritverbrauch der Autos zu senken.<BR><BR>Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) nannte die Äußerungen von Troge "schlicht absurd". Die Mineralölindustrie sei zufrieden, wenn unter dem Strich 0,5 bis 1 Cent Gewinn je Liter blieben.<BR><BR>Die Steuern auf Mineralöl spülen dem deutschen Staat nach Angaben von Wirtschaftsforschern in diesem Jahr rund 600 Millionen Euro mehr in die Kasse als 2003. Zu erwarten seien Steuergesamteinnahmen inklusive der Mehrwertsteuer von rund 48,4 Milliarden Euro, teilte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit.<BR><BR>An den Ölmärkten ist keine grundlegende Entspannung in Sicht: In New York kostete ein Barrel (159 Liter) am Dienstag 44,52 Dollar, nachdem zuvor schon über 45 Dollar erreicht worden waren. Auch die beiden anderen wichtigen internationalen Ölpreise, die Nordseesorte Brent in London und der Korb verschiedener Opec-Öle, verharrten über 40 Dollar. An den Ölmärkten treiben eine unerwartet hohe Nachfrage wegen des Booms in China und der anziehenden Weltkonjunktur die Nachfrage. </P><P>Allerdings gibt es gleich vier internationale Krisenherde, die den Ölstrom an wichtigen Stellen unterbrechen könnten: im südlichen Irak wegen anhaltender Anschlags-Gefahr, im Ölland Venezuela wegen der möglichen Präsidenten-Abwahl, in Russland, wo die Yukos-Krise schwelt, und in Nigeria, wo die Bevölkerung in den Fördergebieten rebelliert. Auch kleinere Förderstopps können in der angespannten Lage zurzeit zu großen Preisausschlägen führen.<BR><BR>Die hohen Ölpreise haben im Juli den Preisauftrieb in Deutschland wieder beschleunigt. Die jährliche Teuerungsrate kletterte auf 1,8 Prozent nach 1,7 Prozent im Juni. Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätte die Jahresinflationsrate nur 1,5 Prozent betragen. "Die Preisentwicklung der Mineralölerzeugnisse im Juli hatte spürbaren Einfluss auf die Teuerung", berichteten die Statistiker.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gesetzliche Neuregelung für mehrere Sozialkassen
Berlin (dpa) - Um das sogenannte Sozialkassenverfahren zu retten, hat der Bundestag die Tarifverträge von insgesamt elf Branchen per Gesetz für allgemeinverbindlich …
Gesetzliche Neuregelung für mehrere Sozialkassen
US-Justiz schreibt fünf Ex-VW-Manager zur Fahndung aus
Bei der Aufarbeitung des VW-Abgasskandals macht die US-Justiz Druck. Ein früherer Manager des Autobauers sitzt in den Staaten bereits in Haft. Einem Bericht zufolge …
US-Justiz schreibt fünf Ex-VW-Manager zur Fahndung aus
Abgas-Skandal: USA lassen weltweit nach früheren VW-Mitarbeitern fahnden
In der VW-Abgas-Affäre lassen die USA weltweit nach früheren Mitarbeitern des Autokonzerns fahnden. Auch Winterkorn-Vertraute sollen darunter sein.
Abgas-Skandal: USA lassen weltweit nach früheren VW-Mitarbeitern fahnden
Steigende Ölpreise hieven Dax ins Plus
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich am Donnerstag etwas von seinen jüngsten Verlusten erholt. Nachdem die Anleger an den beiden Handelstagen zuvor noch Kasse gemacht …
Steigende Ölpreise hieven Dax ins Plus

Kommentare