Ölpreis trübt Freude am Fliegen kaum

München - Der Münchner Lufthansa-Manager Klühr über das neue Terminal, die dritte Piste und neue Strecken.

Schon bald reicht dem Fluggast ein Handy zum Einchecken. "Ein Scanner wird den Barcode auf dem Display lesen", sagt Thomas Klühr. Was für andere eine technische Spielerei ist, behandelt der Konzernbeauftragte der Deutschen Lufthansa (DLH) in München als wichtiges Detail in seinen Planungen des neuen Abfertigungsgebäudes. Rund eine halbe Milliarde Euro, davon gehen Insider aus, wird der sogenannte Satellit kosten, von dem Klühr sagt: "Er ist für uns genauso wichtig wie die dritte Startbahn."

Vor fünf Jahren hat die Lufthansa das zweite Terminal am Münchner Flughafen in Betrieb genommen. 25 Millionen Passagiere können dort pro Jahr abgefertigt werden, 2007 waren es bereits 23 Millionen. Bei den derzeit zweistelligen Steigerungsraten wäre schon heuer die Grenze überschritten. "Es wird voller, es wird kuscheliger", sagt Klühr und prophezeiht "vier schwierige Jahre". Dann soll spätestens das Gebäude stehen und die dritte Piste in Betrieb sein.

Dass der Münchner Flughafen beides benötigt, steht für den 45-Jährigen außer Zweifel: "Die Kernfrage ist doch: Wie entwickelt sich die Mobilität? Und da sehe ich keine Anzeichen einer Stagnation." Selbst der hohe Ölpreis habe bisher das Reiseverhalten der Menschen nicht beeinträchtigt. Die Spritkosten der Lufthansa seien von jährlich 4 auf 5,3 Milliarden gestiegen, sagt Klühr. 2004 hatte die Fluggesellschaft den Treibstoffzuschlag eingeführt, der nun erhöht wird. Für alle Lufthansa-Flugtickets, die ab 16. Juni ausgestellt werden, steigt der Zuschlag für innerdeutsche und grenzüberschreitende Flüge in Europa um drei auf 24 Euro pro Flugstrecke. Der Zuschlag für Langstreckenflüge erhöht sich um 10 Euro auf 92 Euro pro Streckenabschnitt. Aber das ist nicht wirklich seine Baustelle.

Seit Januar 2007 ist der Nürnberger Konzernbeauftragter der Lufthansa in München. Als oberster Hubmanager soll er das Drehkreuz immer weiter ankurbeln. "Ein breites Angebot am Zielort schaffen wir nur durch die Kombination von Umsteigern und Punkt-zu-Punkt-Fliegern", sagt Klühr. Nur weil etwa Passagiere aus den USA den Münchner Flughafen als Drehkreuz nützten, könne die DLH von dort aus dreimal die Woche ins indische Mumbai (früher Bombay) fliegen. Vermutlich, so kündigte Klühr an, werde die Strecke schon bald täglich angeboten.

Dieser Tage wurde die Direktverbindung nach Shenjang eröffnet. Nach Peking, Shanghai und Hongkong ist es das vierte Ziel in China ab München. Klühr räumte zwar wegen der derzeitigen Visa-Probleme "Passagier-Rückgänge im einstelligen Prozentbereich" ein, aber das sei eine kurzfristige Delle. "Die Strecken entwickeln sich enorm." Ziel sei eine prozentuale Belegung der Flugzeuge von 80 plus. Ohnehin brauche man bei der Einführung von Langstrecken Geduld. Das amerikanische Charlotte zum Beispiel, erzählt Klühr, habe zwei, drei Jahre gebraucht und sei nun eine der stärksten Strecken überhaupt. Einen ähnlichen Effekt erhofft sich der Münchner Lufthansa-Manager für Pusan: "Da setzen wir langfristig auf den koreanischen Markt." Manchmal müsse er aber auch die Notbremse ziehen. Die Strecke nach Bangkok habe nicht funktioniert, weil der Mix zwischen Geschäftsreisenden und Touristen nicht gepasst habe. "Wir hatten da zu viele Rucksackreisende", begründete Klühr die Einstellung der Strecke. Die teuren Business-Tickets wurden kaum gekauft. "Zudem muss sich eine Strecke in beide Richtungen gut verkaufen", so Klühr. Das sei Grund dafür, dass vermutlich die Strecke ins albanische Tirana eingestellt wird.

Ansonsten werde das Münchner Europanetz - mit 2900 Flügen pro Woche auf Frankfurt-Niveau - so dicht bleiben wie bisher. Ähnlich verhält es sich mit den Binnenflügen. Klühr würde allerdings seine Hausstrecke nach Nürnberg sofort einstellen, "wenn wir am Münchner Flughafen einen Fernbahnanschluss hätten". Alle Flugstrecken unter 400 Kilometern stünden bei einer schnellen Bahnanbindung in der Diskussion. Derzeit allerdings wird sogar Salzburg angeflogen. "Das ist aber eine kurzfristige Sache während der Fußball-EM", sagt Klühr. "Und sämtliche Flüge sind so gut wie ausgebucht." Es gehe eben schon jetzt eng zu. Nicht umsonst habe die Lufthansa ihre Tochter Germanwings ins Terminal 1 umziehen lassen. Auch Condor wechselte vom Lufthansa-Terminal ins alte Abfertigungsgebäude. Die für Reisende attraktiven Zeitfenster seien alle schon dicht.

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