Ölpreise vor OPEC-Treffen deutlich gesunken

Wien/New York/London - Die Ölpreise sind am Dienstag vor der Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) über ihre Förderquoten deutlich gesunken.

Bereits Stunden vor dem - wegen des Fastenmonats Ramadan für den Abend angesetzten Treffen der 13 OPEC-Ölminister zeichnete sich ab, dass das Kartell auch für die nächsten drei Monate die geltenden Förderquoten unverändert lassen wird. Vertreter einiger Länder, darunter der Iran und Venezuela, hatten zuvor eine Drosselung der gegenwärtigen Überproduktion innerhalb der OPEC gefordert, um die Preise für Rohöl nicht unter die Marke von 100 US-Dollar sinken zu lassen.

Zuvor waren die Ölpreise in Erwartung der OPEC-Konferenz erneut deutlich gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im Oktober kostete am frühen Nachmittag 104,94 US-Dollar und damit 1,40 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent ging um 1,32 Dollar auf 102,12 Dollar zurück. Zwischenzeitlich war der Brent-Ölpreis mit 101,27 Dollar auf den tiefsten Stand seit Anfang April gesunken.

Den deutlichsten Hinweis auf die Beibehaltung der seit dem Frühjahr geltenden Förderquoten von über 29 Millionen Barrel pro Tag gab der saudi-arabische Ölminister Ali Naimi. "Der Markt ist recht ausgeglichen", sagte der Minister vor der Konferenz in Wien. Die Lagerbestände seien in einer gesunden Verfassung: "Alles ist im Gleichgewicht."

Noch am Montag hatten Vertreter des Irans und auch Algeriens den Markt als überversorgt bezeichnet. Saudi-Arabien und die Emirate produzieren zurzeit deutlich über den ihnen zugeteilten Förderquoten. Die Gesamtproduktion der OPEC liegt damit insgesamt um rund 600 000 Barrel über der ursprünglich vereinbarten Menge.

Angesichts dieser Lage erwarteten auch OPEC-Länder wie Libyen keine einschneidenden Maßnahmen, die zu einem erneuten drastischen Anstieg der Ölpreise führen und damit die Weltkonjunktur gefährden könnte. "Ich glaube nicht, dass die generelle Stimmung für eine Förderkürzung spricht", betonte am Morgen Libyens Delegationschef Shukri Ghanem in Wien. Ähnlich äußerte sich der venezolanische Energieminister, Rafael Ramirez, der ankündigte, sein Land "würde eine unveränderte Fördermenge unterstützen."

Der Preis für Rohöl der OPEC war bereits am Montag erneut leicht gesunken. Ein Barrel kostete zum Wochenbeginn 101,08 Dollar, teilte das OPEC-Sekretariat am Dienstag in Wien mit. Das waren 13 Cent weniger als am Freitag.

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