Ölpreise treiben Inflation

- Hamburg - Die hohen Ölpreise haben die Inflation in der Eurozone auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren getrieben. Im September kletterte die Inflationsrate in den zwölf Ländern im Jahresvergleich auf 2,6 Prozent - nach 2,2 Prozent im August, wie das Europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg am Dienstag mitteilte.

Hauptgrund für den Preisanstieg war der teure Kraftstoff. Im Oktober sind die Benzinpreise in Deutschland aber laut ADAC wieder spürbar gesunken. Nach einem weiteren Anstieg der Raffineriekapazitäten in den USA ist unterdessen der Preis für US-Rohöl deutlich gefallen.

Leichtes Rohöl der US-Sorte WTI kostete am Dienstagnachmittag 62,94 Dollar pro Barrel (159 Liter) und damit 1,42 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Montag in New York. In London fiel der Preis für Rohöl der Nordsee-Sorte Brent um 79 Cent auf 59,78 Dollar. Nach Angaben des ADAC müssen Autofahrer in Deutschland derzeit für einen Liter Benzin im Schnitt gut vier Cent weniger bezahlen als vor einem Monat. Kaum bewegt hätten sich dagegen die Dieselpreise. Am teuersten war der Liter Super bei der jüngsten Untersuchung in zwanzig deutschen Städten mit 1,337 Euro in Rostock. In Berlin waren dagegen im Durchschnitt nur 1,292 Euro fällig.

Unter den hohen Ölpreisen gelitten hat auch der deutsche HeizölMarkt. Nach den vorläufigen Zahlen des  Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) wurden im September 2,28 Millionen Tonnen Heizöl verkauft fast zehn Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In den ersten neun Monaten verringerte sich der Heizöl-Absatz um knapp drei Prozent auf 17,65 Millionen Tonnen. 100 Liter Heizöl kosten derzeit bei Abnahme von 3000 Litern deutlich mehr als 60 Euro und sind damit annähernd doppelt so teuer wie noch vor zwei Jahren.

Nach Angaben des MWV sind die Tanks der Verbraucher momentan so leer wie noch nie zuvor um diese Jahreszeit. Nur gut 50 Prozent der privaten Tank-Kapazitäten seien gefüllt; normal seien vor Beginn des Winters 65 bis 70 Prozent. "Das Warten auf günstige Preise hat sich bislang als teure Strategie erwiesen", sagte Heino Elfert vom ErdölInformationsdienst EID in Hamburg.

In den USA erwarten Rohstoffexperten der Bank JP Morgan in dieser Woche einen Anstieg der Raffineriekapazitäten in der von Wirbelstürmen betroffenen Region auf täglich 13 Millionen Barrel nach 12,6 Millionen Barrel in der Vorwoche. Die Wirbelstürme "Katrina" und "Rita" hatten die Ölförderanlagen an der Südküste der Vereinigten Staaten teilweise schwer beschädigt. Bis Anfang des kommenden Jahres dürften alle größeren Raffinerien wieder ihre normale Auslastung erreicht haben, schreiben die JP Morgan-Experten. Deutliche Fortschritte gebe es auch bei den Reparaturarbeiten an den Ölförderanlagen im Golf von Mexiko.

Die Weltwirtschaft wird nach einer Prognose der Vereinigung Europäischer Konjunkturinstitute (AIECE) in den kommenden Monaten mit sehr hohen Preisen für Energie und Rohstoffe zurechtkommen müssen. Beim Rohöl sei allerdings der Höchststand im laufenden Quartal erreicht. Im kommenden Jahr rechnet die AIECE-Arbeitsgruppe mit einem Preis von reichlich 60 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der NordseeSorte Brent.

Die nach wie vor hohen Ölpreise stellen nach Einschätzung von USNotenbankpräsident Alan Greenspan jedoch keine ernste Belastung für die weltweite Konjunktur dar. Sie würden die Weltwirtschaft nicht so stark belasten, wie das beispielsweise während der Ölkrise in den siebziger Jahren der Fall war.

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