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Für mehr Verkehrssicherheit: Ein Jahr Bus und Bahn umsonst fahren - dafür müssen Rentner Führerschein abgeben

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Von: Felix Durach

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Ein Mann betritt mit einem Rollator einen Bus in Pforzheim.
Bürger ab 65 können Baden-Württemberg künftig ihren Führerschein gegen ein ÖPNV-Jahresticket tauschen. © picture alliance/dpa

Bürger ab 65 können in Baden-Württemberg künftig ihren Führerschein im Tausch gegen ein ÖPNV-Jahresticket abgeben.

Stuttgart - Über ein Drittel der im Straßenverkehr tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmer sind 65 und älter. Diese Statistik stellt die Grundlage für ein neues Projekt des Verkehrsministeriums von Baden-Württemberg dar, das zum 1. Dezember dieses Jahres anläuft. Die grün-schwarze Landesregierung möchte einerseits für mehr Sicherheit auf den Straßen des Landes sorgen und anderseits Rentner nicht in ihrer Mobilität einschränken. Um diesen Spagat zu bewerkstelligen, hat Landesverkehrsminister Winfried Hermann die Initiative „Bus und Bahn statt Führerschein“ ins Leben gerufen.

ÖPNV-Ticket im Tausch gegen Führerschein - Verkehrsministerium stellt neue Initiative vor

Bürger ab 65 haben in Baden-Württemberg ab Dezember deshalb die Möglichkeit, ihren Führerschein einmalig gegen ein kostenloses Jahresticket für einen von 14 teilnehmenden Verkehrsverbunden einzutauschen. Dadurch möchte das Verkehrsministerium den Bürgern den Zugang zum ÖPNV erleichtern und gleichzeitig Anreize für den freiwilligen Verzicht auf die Fahrerlaubnis schaffen.

„Es braucht keinen Führerschein, um mobil zu sein. Für viele Regionen Baden-Württembergs gilt, dass Ziele mit Bus und Bahn gut erreichbar sind“, erklärt Verkehrsminister Hermann in einer Pressemitteilung seines Ministeriums. „Wer kein Auto besitzt, spart auch Geld und fährt mit Jahresabo und gelegentlichen Taxifahrten noch günstiger“, führt der Grünen-Politiker weiter aus. In der Begründung des Angebots, bezieht sich der Verkehrsminister vor allem auf die deutlich erhöhte Unfallgefahr, die von Verkehrsteilnehmern über 65 ausgeht. Nicht nur würden diese Gruppe im Vergleich zu den anderen Altersgruppen einen überproportionalen Anteil an Verkehrsunfällen haben, sondern als Autofahrer auch in 68,7 Prozent der Unfälle die Hauptschuld tragen.

Für mehr Verkehrssicherheit: Rentner erhalten weitere Anreize für Führerscheinverzicht

Auch der Landesseniorenrat von Baden-Württemberg begrüßt das Projekt des Verkehrsministeriums und sieht darin eine Möglichkeit für ältere Menschen und Rentner, eine „längst fällige, aber aufgeschobene Entscheidung zu treffen.“ „Wenn das Führen eines PKW im Stadtverkehr wegen körperlicher Gebrechen oder wegen nachlassender Leistung im Sehen und Hören immer schwerer fällt und man sich unsicher fühlt, kann dieses Angebot ein Anreiz oder ein letzter Anstoß sein, den Führerschein zurückzugeben“, führt Bernd Ebert vom Landesseniorenrat dazu weiter aus.

Die Voraussetzungen für den Eintausch des Führerscheins sind dabei gering. Alle Bürgerinnen und Bürger ab 65, die ihren Hauptwohnsitz in einem entsprechenden Verkehrsverbund haben, sind teilnahmeberechtigt. Im Gegenzug muss jedoch ein dauerhafter Verzicht auf die Fahrerlaubnis erfolgen. Das Land Baden-Württemberg beteiligt sich finanziell mit drei Millionen Euro an dem Vorhaben. Die restlichen Kosten werden durch die teilnehmenden Verkehrsverbunde getragen. (fd)

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