Österreich Land der Hoffnung für viele deutsche Arbeitslose

- München - Die deutschen Arbeitslosenzahlen verharren auf Rekordhöhe. Eine wesentliche Besserung ist noch nicht in Sicht. Laut Umfragen würden zwei Drittel der Deutschen bei einem attraktiven Jobangebot zumindest für einige Zeit ins Ausland gehen. Unsere sechsteilige Serie informiert über die Chancen, nennt aber auch die finanziellen Nachteile.

Österreich entwickelt sich zum Hoffnungsland für deutsche Arbeitskräfte, die in der Heimat vergeblich eine Stelle suchen. So ist die Zahl deutscher Arbeitnehmer in Österreichs Gastronomie zuletzt rapide gestiegen, wie Thomas Reisenzahn, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung, bestätigt. Jeder Vierte der fast 46 000 deutschen Gastarbeiter ist im Tourismus beschäftigt. Gesucht werden aber auch Ingenieure und Handwerksmeister. Besonders Zimmerer, Schweißer, Installateure und Schlosser haben gute Aussichten.

Deutsche sind auf Austrias Arbeitsmarkt beliebt, denn sie gelten als mobil, einsatzfreudig, gut ausgebildet und offen. Eigenschaften, auf die auch Direktionsassistentin Katja Salzmann vom Hotel St. Johannerhof in Tirol achtet. Dort haben nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Auszubildende eine Chance, dem schlechten Arbeitsmarkt in Deutschland zu entgehen. Die Bezahlung in Ausbildung und Job ist ähnlich wie in Deutschland. Sie erfolgt auf Basis von Kollektivvertragslöhnen, die von den Tarifpartnern der jeweiligen Wirtschaftszweige ausgehandelt werden und auch für Ausländer gelten.

Steuern und Sozialabgaben sind vor allem für Alleinverdiener moderater als in Deutschland: So wird das Einkommen im Schnitt mit 27 Prozent belastet. Für Familien aber ergeben sich kaum Unterschiede zu den deutschen Abzügen.

Ein allzu großes Risiko gehen Arbeitnehmer aus Deutschland nicht ein, denn der Umzug in die Alpenrepublik ist problemlos und ohne bürokratische Hürden möglich. Als EU-Bürger haben Deutsche freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt, eine Arbeitserlaubnis ist nicht erforderlich und eine Anstellung kann man unmittelbar nach der Ankunft antreten. Es besteht jedoch eine Meldepflicht nach drei Tagen Aufenthalt. Und vor Ablauf von drei Monaten Aufenthalt muss man eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Sie ergeht für fünf Jahre, sofern ein Beschäftigungsverhältnis nachgewiesen werden kann.

Bessere Perspektiven nach der Heimkehr

Für Bewerber, die vor Ort auf Arbeitssuche gehen wollen, ist der Aufenthaltszeitraum auf sechs Monate befristet. Für die vielen Saisonkräfte ist das völlig ausreichend.

Thomas Hagemann hatte bereits nach zwei Monaten eine neue Beschäftigung gefunden. Der 27-jährige Bankkaufmann hat in Wien nach einer Stelle gesucht und wurde bei einer großen österreichischen Bank fündig. "Mit dieser Auslandsstation verbessere ich zugleich meine Berufsperspektive in Deutschland", ist Hagemann überzeugt. Sein Rat für die Jobsuche: "Von Blindbewerbungen sollte man absehen. Das ist in Österreich nicht üblich." Im Bewerbungsverfahren muss sich der Bewerber je nach angestrebter Position einem bis vier Interviews mit verschiedenen Abteilungen im Unternehmen unterziehen, die teilweise auch mit Tests kombiniert werden.

Unbegründet ist übrigens die Angst, dass der eigene Berufsabschluss in Österreich nicht ausreicht. Viel wichtiger sind die beruflichen Erfahrungen. Ärzte oder Lehrer, die eine staatliche Anerkennung benötigen, sollten allerdings vor einer Bewerbung die Anerkennung des Abschlusses in Österreich prüfen.

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