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Österreich Lockdown: Das gilt jetzt für Skifahrer

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In Österreich gilt für die kommenden 20 Tage ein landesweiter Lockdown. Was das für Urlauber bedeutet, welche Stornierungsbedingungen gelten. Ein Überblick.

München - Wegen Ansteckungsraten von zuletzt 15.000 Infektionen pro Tag gilt in Österreich seit Montag ein Corona-Lockdown. Dieser soll nach 10 Tagen überprüft werden und spätestens am 13. Dezember für die Geimpften enden. Für die deutschen Behörden gilt die Alpenrepublik als Hochrisikogebiet. Was Urlauber jetzt wissen müssen, gibt es hier.

Was bedeutet die Einstufung für Pauschalurlauber?

In der Zeit vor Corona war eine Reisewarnung ein deutlicher Hinweis auf das Vorliegen außergewöhnlicher Umstände. Daraus ergab sich für die Gäste von Reiseveranstaltern in der Regel das Recht, kostenlos zu stornieren. Die Anzahlung bekam man ohne Abzug zurück. Doch die Lage ist heute anders: „Ob nach über einem Jahr Pandemie noch ein außergewöhnlicher Umstand vorliegt, wenn ein Land nach der Buchung zum Hochrisiko- oder Virusvari-antengebiet wird, ist bisher nicht höchstrichterlich geklärt“, sagt Karolin Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) in Kehl.

Österreich-Reise gebucht? Wie Pauschalurlauber nun reagieren können

Was können Pauschalurlauber tun, die nicht mehr reisen möchten?

Für viele Reisende steht der gebuchte Urlaub womöglich schon bald an. Aufgrund der unklaren Rechtslage rät Wojtal in diesem Fall, mit dem Reiseveranstalter eine gütliche Einigung zu suchen. Oft zeigten sich Anbieter kulant und ermöglichen etwa kostenlose Umbuchungen auf andere Ziele oder Reisezeiträume. „Inwieweit Veranstalter auch kostenlose Stornierungen ermöglichen, steht in deren Ermessen.“ Im Vorteil sind Reisende, die einen teureren Flextarif gebucht haben: Sie können meist noch bis zwei Wochen vor Reisebeginn kostenlos umbuchen oder stornieren – ohne Angaben von Gründen.

Was gilt, wenn meine Reise erst in einigen Wochen ansteht?

Bei Pauschalreisen gilt hier: „Liegt die Reise noch weiter in der Zukunft, kommen die normalen Stornogebühren auf den Reisenden zu, falls er sich jetzt schon zum Rücktritt entschließt“, erklärt Wojtal. Der Grund: Nur wenn eine Reise unmittelbar bevorsteht, also maximal vier Wochen in der Zukunft liegt, ist absehbar, ob bei Antritt der Reise noch außergewöhnliche Umstände vorliegen werden. In diesem Fall lautet der beste Tipp also: Abwarten und beobachten, wie sich die Corona-Lage im entsprechenden Land entwickelt.

Österreich-Lockdown: Hotel selbst gebucht? So ist die Sachlage

Was gilt bei Hochrisikogebieten für Individualreisende?

Urlaub in den Nachbarländern Deutschlands wird oft ohne Veranstalter gebucht. Dann ist die Rechtslage anders. Allein die Einstufung als Hochrisikogebiet hat erst einmal keine Auswirkungen auf Touristen, die ihren Urlaub individuell selbst gebucht haben, wie Wojtal erklärt. Ein Recht auf kostenlose Stornierung der Unterkunft ergibt sich dadurch nicht.

Was gilt reiserechtlich bei einem Lockdown?

Hier stellt sich für Individualurlauber, die ihre Unterkunft selbst gebucht haben, vor allem eine Frage: Geht der Lockdown mit einem Beherbergungsverbot für Touristen einher? In Österreich ist das so. In diesem Fall kann das Hotel den Vertrag nicht erfüllen, wie Wojtal erklärt. Denn die Unterbringung ist von behördlicher Seite aus verboten. Das angezahlte Geld muss hier zurückgezahlt werden, ohne dass eine Stornierungsgebühr einbehalten werden darf. Unkompliziert ist das Ganze, wenn Urlauber ohnehin eine Unterkunft mit kurzfristiger, kostenloser Stornomöglichkeit gebucht haben.

Österreich ruft Lockdown aus - Chancen auf kostenlose Stornierung offenbar gut

Was bedeutet ein Lockdown für Pauschalurlauber?

Hier ist die Lage im Falle Österreichs ziemlich eindeutig: Die Reise wird durch den Lockdown (diese Regeln gelten) erheblich beeinträchtigt. Zum Zeitpunkt der meisten Buchungen war das wohl noch nicht absehbar. Die Situation hat sich erst danach dramatisch verschärft. Der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover sieht darin einen außerordentlichen Umstand – und damit das Recht auf kostenlose Stornierung als gegeben. Konkret heißt das: „Reisende können den Rücktritt mit dieser Corona-Entwicklung erklären und haben Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises ohne Abzug“, erklärt Degott. Das EVZ sieht das im Prinzip genauso. Allein die erheblichen Risiken für die Gesundheit dürften jetzt für Österreich ausreichen, um den Rücktritt zu erklären, so Wojtal. Zusätzlich führen der Lockdown und die damit verbundenen starken Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens zu einer Beeinträchtigung der Reise – und die dürfte den kostenfreien Rücktritt rechtfertigen.

Was gilt bei der Rückkehr nach Deutschland?

Aus der Einstufung zum Hochrisikogebiet ergeben sich zudem bestimmte Vorgaben bei der Rückkehr nach Deutschland. Ungeimpfte müssen daheim für zehn Tage in Quarantäne. Sie können sich frühestens fünf Tage nach der Wiedereinreise mit einem negativen Test davon befreien. Für Geimpfte und Genese gibt es eine solche Quarantänepflicht aber nicht. Außerdem müssen alle Reisenden eine Einreiseanmeldung ausfüllen, wenn sie aus einem Hochrisikogebiet heimkehren. Das geht online, aber im Notfall auch auf Papier. Kinder unter zwölf Jahren sind von dieser Regelung ausgenommen.

Für den Skiurlaub in Österreich sieht es vorerst schlecht aus: Der landesweite Lockdown verbietet jedes touristische Angebot. Die Beschränkung gilt längstens bis zum 13. Dezember
Für den Skiurlaub in Österreich sieht es vorerst schlecht aus: Der landesweite Lockdown verbietet jedes touristische Angebot. Die Beschränkung gilt längstens bis zum 13. Dezember. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Corona-Lockdown in Österreich: Sind Tagesausflüge immer noch möglich?

Was gilt für Tagesausflüge?

Abhängig vom Aufenthaltsort in den vergangenen zehn Tagen sind Tagesausflüge ohne Übernachtung möglich, wie ein Sprecher des österreichischen Tourismusministeriums unserer Zeitung sagte. Speisen und Getränke dürfen zum Mitnehmen gekauft werden, müssen aber 50 Meter abseits der Gastwirtschaft verzehrt werden. Die gute Nachricht für Skifahrer: Sport im Freien ist erlaubt. aber nur mit engen Angehörigen, Personen aus demselben Haushalt und anderen wichtigen Bezugspersonen. Dafür dürfen auch die Skilifte genutzt werden – allerdings nur mit 2G-Nachweis. Unter der „geimpft oder genesen“-Regel sollen ab dem 13. Dezember auch Gastronomie- und beherbungsangebote wieder öffnen dürfen.

Derweil hat Österreich im Kampf gegen die Corona-Pandemie eine allgemeine Impfpflicht verhängt. Verweigerern drohen bald hohe Strafen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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