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Wie die Strompreisbremse zum Sparen animiert: Österreich macht es vor

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Von: Claudia Möllers

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In Österreich soll den Haushalten der Basisverbrauch beim Strom bezuschusst werden – darüber hinaus wird es teuer. Ein Modell für die Zukunft?

Wien – Wie können die Bürger über den kommenden Winter ausreichend mit bezahlbarer Energie versorgt werden und gleichzeitig zum Energiesparen animiert werden? Diese Gretchenfrage treibt derzeit alle Regierungen in Europa um. Das Nachbarland Österreich bereitet eine interessante Variante vor: Mit einer „Strompreisbremse“ will die schwarz-grüne Regierung vor zu starkem Ansteigen der Energiekosten bewahren.

Der Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Felbermayr, seit knapp einem Jahr Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), soll dazu ein praktikables Modell erarbeiten, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet. Die Rechnung scheint bestechend: Es wird jedem Haushalt zunächst für ein Jahr ein Basisverbrauch an Strom auf dem Niveau vor dem russischen Überfall auf die Ukraine mit einem Fixpreis bezuschusst. Alles, was darüber hinaus geht, soll zum deutlich höheren Marktpreis abgerechnet werden – und damit einen besonderen Sparanreiz setzen.

Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), modelliert eine Stromsparbremse.
Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), modelliert eine Stromsparbremse. © Carsten Rehder/dpa

Strompreisbremse in Österreich: Haushalte sollen zum Sparen animiert werden

Nach den Plänen Felbermayrs soll das Programm von den Energieversorgern abgewickelt werden. „Faktisch rechnen diese den niedrigeren Fix-Preisanteil beim Verbraucher ab und bekommen entgangene Erlöse zum Teil von der Regierung zurück“, beschreibt die FAZ die Pläne.

„Ein Elektrizitätsgrundkontingent zum reduzierten Fixpreis kann hohe Preissteigerungen dämpfen und private Haushalte entlasten“, schreibt das Wifo zu seinem Modell. Eine automatisierte Umsetzung sei einem Antragsmodell vorzuziehen, um den bürokratischen Aufwand zu reduzieren und die Umsetzungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Zu berücksichtigen sei bei dem Modell, dass die unterschiedlichen Haushaltsgrößen erfasst werden müssten – ansonsten droht die Gefahr, dass kleine Haushalte ihren gesamten Stromverbrauch bezuschusst erhalten, Mehrpersonenhaushalte indes nur kleinere Anteile.

Auf die Frage, ob die Höhe des Zuschusskontingents an das Einkommen angepasst werden müsse, räumt das Institut ein, dass reiche Haushalte auch hohe Energiekosten stemmen könnten. Um die Einkommenssituation der jeweiligen Haushalte zu klären, müssten den Energieversorgern Daten zum Haushaltseinkommen zugänglich gemacht werden: „Das ist sowohl rechtlich als auch praktisch schwierig.“ Aber: Zweitwohnsitze sollten nicht bezuschusst werden, selbst erzeugter Ökostrom andererseits nicht angerechnet werden.

Strompreisbremse: Unternehmen sollen nicht berücksichtigt werden

Wie hoch der „Basisstromverbrauch“ angelegt wird, soll sich nach dem österreichischen Modell nicht am jeweiligen Vorjahresverbrauch orientieren, sondern an Durchschnittsgrößen – denn so würden Sparsame nicht bestraft.

Da der Fixpreis unterhalb des Marktpreises liegen soll, stellte sich die Frage, wie die Versorger für die entgangenen Erlöse entschädigt werden sollen. Die Wirtschaftswissenschaftler um Professor Felbermayr raten hier, die aktuellen Beschaffungs- oder Produktionskosten durch einen kalkulatorischen Gewinnaufschlag zu setzen oder historische Durchschnittswerte anzulegen. Unternehmen sollen nach dem Modell aber nicht von der Preisbremse profitieren. Sie hätten in der Regel die Chance, höhere Kosten zu „überwälzen“.

Ausdrücklich warnen die Wifo-Experten den Staat davor, grundlegend in den Preismechanismus des Strommarktes einzugreifen. Sinnvoll sei es allerdings, Barrieren für Anbieter mit niedrigen Erzeugungskosten wie Strom aus Wind-, Photovoltaik- oder Geothermieanlagen zu reduzieren. (cm)

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