Österreich verzichtet, Deutschland greift zu

München - Für Deutsche mit Besitz in Österreich kann die Abschaffung der Erbschaftssteuer im südöstlichen Nachbarland richtig teuer werden. Denn nun will das heimische Finanzamt an das Geld.

Ab dem 1. August gibt es in Österreich keine Erbschaftssteuer mehr. Wie in Deutschland haben die obersten Richter des Landes diese in ihrer gegenwärtigen Form für verfassungswidrig erklärt. Weil die Große Koalition in Wien sich auf keine Reform einigen wollte, lief die von den Richtern gesetzte Frist zur Nachbesserung ab. Damit ist die Steuer für Österreich abgeschafft.

Doch das vermeintliche Steuerparadies kann zur Abgabenfalle werden. Denn die Bundesrepublik hat nun das bisher bestehende Doppelbesteuerungsabkommen gekündigt. Mit bizarren Folgen: Wenn Erblasser oder Erben einen Wohnsitz in Deutschland haben, wird hier besteuert - auch wenn der entsprechende Besitz in Österreich liegt. Darauf weist das deutsche Forum für Erbrecht hin.

Teure Ferienwohnung

Anton Steiner, Vorstandsmitglied im Erbrechtsforum, rechnet das am Beispiel einer Ferienwohnung im Zillertal mit einem Verkehrswert von 250 000 Euro vor: Diese wurde bislang im Erbfall in Österreich besteuert. Dies geschah zum niedrigen Einheitswert. Die Steuer betrug etwa 2000 Euro. Künftig greift der deutsche Fiskus zu. Wenn die Freibeträge für eine Erbschaft ausgeschöpft sind, kommen bei einem Steuersatz von elf Prozent 27 500 Euro Steuern zusammen - mehr als das Zehnfache.

Das würde auch mit der Ferienwohnung am Tegernsee passieren. Doch voraussichtlich ist die Abgabenlast für Besitz in Österreich noch höher. Denn auch der dortige Fiskus geht nicht völlig leer aus. Er kassiert im Erbfall nun Grunderwerbssteuer, die in diesem Fall bei rund 1050 Euro liegt.

Eigentlich müsste diese Steuer nach Steiners Auffassung bei der Erbschaftssteuer angerechnet werden. Doch bei einer vergleichbaren Steuer in Italien stellte sich, so Steiner, die deutsche Finanzverwaltung quer und verweigerte dies.

Nur wenn alle Beteiligten ihre deutschen Wohnsitze mindestens fünf Jahre vor dem Erbfall aufgegeben haben, geht in Deutschland der Staat leer aus. Doch selbst dafür gibt es Ausnahmen. Verbleiben zum Beispiel Immobilienvermögen oder wesentliche Unternehmensbeteiligungen im Land, will der Fiskus auch nach dieser Frist noch Geld. Dann gilt die sogenannte beschränkte Steuerpflicht. In diesem Fall greift die Erbschaftssteuer bei nur 2000 Euro Freibetrag in vollem Umfang. Allerdings lassen sich Schulden abziehen, was zahlreiche Wege zur Steuervermeidung eröffnet.

Vererben in Raten

Ein Ausweg aus der Österreich-Falle ist die Vermögensübertragung in Raten. Wer alle zehn Jahre die Freibeträge ausschöpft und dem späteren Erben einen Teil des Erbes vorweg schenkt, kann damit Steuern sparen. Doch von Schnellschüssen rät Steiner auch bei diesem Instrument ab.

Schenkungen melden

Auch mit Schenkungen kann man in eine böse Falle tappen. Denn Österreich hat zwar mit der Erbschafts- auch die Schenkungssteuer abgeschafft. Doch größere Schenkungen (bei Angehörigen über 50 000 Euro im Jahr, sonst 15 000 Euro innerhalb von fünf Jahren) müssen dem Finanzamt innerhalb von drei Monaten gemeldet werden. Allen, die dies versäumen, droht eine Geldstrafe von bis zu zehn Prozent des Wertes. Ohnehin wird auch bei einer Schenkung künftig österreichische Grunderwerbssteuer fällig.

Falle für Gastarbeiter

Übrigens sind nicht nur Deutsche die Verlierer der Neuregelung, sondern auch Gastarbeiter. Arbeitet ein Österreicher in München und hat hier einen Wohnsitz, will der Freistaat Bayern Erbschaftssteuer auf sein ganzes Vermögen. Dies gilt selbst dann, wenn dieses Vermögen komplett in Österreich liegt und keiner der Erben je einen Wohnsitz in Deutschland hatte.

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