Dr. Oetker schluckt Brau & Brunnen

- Frankfurt/Dortmund- Der vor allem durch sein Backpulver bekannte Lebensmittelkonzern Oetker verdrängt den belgischen Konzern Interbrew vom ersten Platz der großen Brauer in Deutschland. Mit dem Kauf der Anteile der Dortmunder Brau und Brunnen von der HypoVereinsbank schenkt Dr. Oetker nun jeden siebten Liter Bier in Deutschland aus.

<P>Der Bierabsatz der Bielefelder Oetker-Gruppe werde sich mit der Übernahme von Brau und Brunnen (Jever, Berliner, Schlösser, Sion, Brinkhoffs, Tucher) auf knapp 15 Millionen Hektoliter im Jahr erhöhen, sagte der Generalbevollmächtigte Ulrich Kallmeyer. Damit werde etwa jeder siebte in Deutschland verkaufte Liter Bier aus einer Braustätte der Oetker-Unternehmen kommen.<BR><BR>Oetker gehört bereits die Radeberger Gruppe (Radeberger Pilsner, Clausthaler, Schöfferhofer, DAB, Berliner Kindl, Henninger Radler). Branchenkenner gehen davon aus, dass an den Braustandorten Dortmund und Berlin langfristig über eine Zusammenlegung der Geschäfte und damit auch über mögliche Brauereischließungen nachgedacht wird. <BR><BR>Brau und Brunnen und Radeberger sollen nebeneinander im Haus Oetker Platz haben. Die Firmenzentralen Frankfurt und Dortmund blieben bestehen. Die Bandbreite des Lebensmittel-Konzerns Oetker reicht über Backmittel, Fertigprodukte bis zu Getränken. <BR><BR>Oetker zahlt für die Übernahme von 61,7 Prozent der Aktien der Brau und Brunnen AG (Dortmund) 220 Millionen Euro an die HypoVereinsbank. Den übrigen Aktionären wird ein Übernahmeangebot zum selben Preis von 80 Euro je Aktie vorgelegt, Oetker will mindestens 75 Prozent der Aktien erwerben. Übernommen werden auch die Pensionsverbindlichkeiten von 225 Millionen Euro. "Es handelt sich zweifellos um einen strategischen Kaufpreis", sagte Kallmeyer.<BR><BR>Nach der Übernahme von Brau und Brunnen durch Oetker, für die noch die Zustimmung der Kartellbehörden erforderlich ist, gibt es gleich zwei Branchenführer auf dem deutschen Biermarkt. Der belgische Interbrew-Konzern (Diebels, Becks, Gilde/Hasseröder) sieht sich einschließlich der Münchner Tochter Spaten/Franziskaner/Löwenbräu bei der Bierproduktion vorn. Oetker hat nach Kallmeyers Angaben jedoch auch nach dem Rückzug aus dem Handelsmarkengeschäft die Nase beim Inlandsabsatz vorn. Ein großer Teil der Becks-Produktion fließt ins Ausland. Bei Oetker habe aber auch künftig Marge und nicht Menge Priorität.<BR><BR>Die Übernahmewelle auf dem deutschen Biermarkt ist nach Ansicht von Kallmeyer und Hollmann noch nicht beendet. In den meisten Nachbarländern besäßen die drei größten Brauer jeweils Marktanteile von 20 bis 40 Prozent. In Deutschland bedeutet der Spitzenplatz zur Zeit nur 15 Prozent. Auch aus der erweiterten Oetker-Getränkegruppe seien weitere Zukäufe geplant. Zu ihr gehören künftig mit Selters (Radeberger), Sinziger, Glashäger, Spreequell, Margon, Thüringer Waldquell (Brau und Brunnen) auch einige Mineralwässer. Der Jahresausstoß alkoholfreier Getränke einschließlich Vita Cola steigt auf 5,7 Millionen Hektoliter.</P>

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