Offene Bankfilialen am Samstag: Lieber wandern als finanzieren

- München - Anders als im Friseursalon, Reisebüro oder Supermarkt gilt der Samstag in der Bankenbranche seit jeher als Ruhetag. Doch weil der Kampf um Neukunden tobt, überlegt derzeit manches Geldhaus, seine Türen auch am ersten Tag des Wochenendes aufzusperren. Die Resonanz auf die nicht neue Idee ist bisher jedoch nur verhalten: Viele Verbraucher haben offenbar gar kein Interesse.

Klaus-Peter Müller heißt der Mann, der die Samstags-Öffnung von Bankfilialen mal wieder ins Gespräch gebracht hat. Müller ist Vorstandschef der Commerzbank, die in den letzten beiden Jahren mit einer überraschend guten Geschäftsentwicklung aufwarten konnte. Die Erfolgsgeschichte will der ehrgeizige 62-Jährige weiterschreiben, bis 2009 soll sein Geldhaus 800 000 neue Privatkunden gewinnen. Der Banker plant deswegen den ganz besonderen Service: Die Berater der gelben Bank sollen künftig auch am Samstag hinter den Schaltern stehen.

Doch daraus wird womöglich nichts. Am vergangenen Wochenende ließ die Commerzbank einen Testballon steigen und öffnete 790 Geschäftsstellen einmalig am Samstag zwischen 10 und 18 Uhr. Vertreter des Kreditinstituts sprachen von einem Erfolg, 150 000 Menschen hätten die Filialen besucht und 4000 Abschlüsse getätigt. Doch hinter vorgehaltener Hand sind sich Mitarbeiter anderer Banken und Branchenkenner sicher: "Die Resonanz war enttäuschend."

Die Commerzbank wäre nicht das erste Geldhaus, das mit der Idee, am Samstag Filialen zu öffnen, baden geht. Bereits um die Jahrtausendwende kehrte beispielsweise die HypoVereinsbank (HVB) in einer Filiale in Oberschleißheim nach wenigen Monaten zur Fünf-Tage-Woche zurück, weil die Kunden ausblieben. Auch mehrere bayerische Sparkassen unter anderem in Erlangen, Regensburg und Starnberg machten in den vergangenen Jahren am Samstag enttäuschende Erfahrungen.

"Das wird immer wieder versucht, rechnet sich dann aber doch nie", sagt Klaus Grünewald, Finanzfachmann bei der Gewerkschaft Verdi in München. Eine Erklärung dafür liefert Wolfgang Vogt, Sprecher der Kreissparkasse München Starnberg: "Die Leute gehen am Samstag lieber wandern oder einkaufen, anstatt sich über Finanzierungen beraten zu lassen."

Diese Erkenntnis hat sich auch bei vielen anderen Banken durchgesetzt. Dabei verweisen die Institute darauf, dass sich die Kunden am Wochenende mit Bargeld aus den Automaten versorgen können. Einfache Bankgeschäfte wie Überweisungen ließen sich an vielen modernen Terminals in Selbstbedienungs-Filialen oder im Internet und via Telefon erledigen.

Öffnung macht nur an zentralen Plätzen Sinn

Zudem schicken viele Geldhäuser bei dringendem Beratungsbedarf mittlerweile mobile Berater auch nach Feierabend und am Wochenende zu berufstätigen Kunden.

Experten sind sich einig: Nur an wenigen zentralen Plätzen lohnt es sich für die Banken, auch samstags zu öffnen. So leisten sich etwa die Sparkassen im Freistaat 14 Filialen, die den Kunden auch am sechsten Wochentag offenstehen. Dabei handelt es sich um Standorte, in deren Umgebung auch am Wochenende viele Menschen unterwegs sind, wie am Nürnberger Flughafen oder in einigen Einkaufszentren. Aus demselben Grund hält die Deutsche Bank ihre Niederlassung am Münchner Marienplatz am Samstag offen. Und auch in der HVB-Geschäftsstelle in der Leipziger Innenstadt wird samstags gearbeitet. Kunden, die unter der Woche in Westdeutschland arbeiten, erhalten so die Gelegenheit, am Wochenende ihren Kundenberater zu treffen.

Nur ein Institut muss sich keinerlei Gedanken über die Öffnungszeiten machen: die Postbank. Weil deren Niederlassungen in der Regel mit Filialen der Post unter einem Dach zusammengefasst sind, haben sie automatisch samstags geöffnet. "Das hat sich bewährt", sagt PostbankSprecherin Uta Schaller. "Bei uns können die Kunden am Samstag ein Paket abholen, Briefmarken kaufen und gleichzeitig noch einen Bausparvertrag abschließen."

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