Offene Immobilienfonds: Geld auch bei Schließung nicht weg

- München - Müssen Anleger in offene Immobilienfonds jetzt um ihr Geld fürchten? "Nein, die Immobilien sind noch da", sagt Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Selbst wenn möglicherweise das Fondsvermögen weniger wert ist als vor drei Jahren: "So viel Geld und so schnell wie mit Aktien kann man mit Immobilien nicht verlieren", beschwichtigt Keitel.

Aufgeschreckt wurden Anleger erst durch den Wertberichtigungsbedarf eines Immobilienfonds von Deka, dann teilte die Deutsche Bank mit, ihren Grundbesitz-Invest wegen einer Neubewertung vorübergehend zu schließen, und schließlich machte Kan Am zwei ihrer offenen Fonds dicht. Nach einer Verkaufsempfehlung der Rating-Agentur Scope hatten Anleger massenhaft Anteile der Kan-Am-Fonds Grundinvest und US-Grundinvest, die bei Experten gute Noten bekommen, zurückgegeben. Laut "Handelsblatt" hatte auch der SEB-Immoinvest-Fonds massive Mittelabflüsse zu verzeichnen.

"Grundsätzlich sollte niemand in Panik verfallen", sagt Karin Baur von der Stiftung Warentest. Auch das Bundesfinanzministerium gab eine Ehrenerklärung für offene Immobilienfonds ab: "Wir sehen gute Gründe dafür, dass die Anleger dem Produkt auch in Zukunft vertrauen können." Bei den Kan-Am-Fonds zeige die Überreaktion, wie nervös die Anleger seien. "Beide sind mit am besten gelaufen und selbst wenn sie Immobilien verkaufen müssen, erwarten Experten, dass das mit Gewinn möglich ist", so Baur.

Verkauf über die Börse wieder möglich

Hier steckt auch das Dilemma: Kommt es zu massenhaften Anteilsrückgaben, ist die gesetzlich vorgeschriebene Liquiditätsreserve schnell verbraucht. Das Fondsmanagement ist dann gezwungen, Immobilien zu verkaufen, was naturgemäß nicht von heute auf morgen geht. Daher hat es die Möglichkeit, den Fonds vorübergehend bis zu zwei Jahre zu schließen. "Nur wer das Geld kurzfristig braucht, sollte sich überlegen, ob er aussteigt", rät Keitel. Dabei muss er sich aber bewusst sein, dass er womöglich Verluste realisiert. Ansonsten sollte sich der Anleger ansehen, welche Rendite sein Immobilienfonds in den letzten Jahren gebracht hat.

Die Zusammensetzung des Immobilienvermögens entscheide über die Qualität des Fonds. Auch Baur hält Immobilienfonds für ausreichend sicher, so dass niemand deswegen verkaufen müsse. Die im Fonds vorhandenen Immobilien seien zudem als Sondervermögen auch im Falle eines Kollapses der Gesellschaft geschützt. Allerdings empfiehlt Baur, grundsätzlich nicht sein gesamtes Geld in dieses Brancheninvestment zu stecken, sondern Immobilienfonds nur als Beimischung neben Anleihen, Geldmarktfonds und breiter streuende Aktienfonds zu halten.

"Geschäftszweck der Fonds ist nicht mit Immobilien zu zocken, sondern kaufen, halten und verwalten", sagt Baur. Die privaten Anleger hätten das schon richtig verstanden. Allerdings würden Immobilienfonds als "Parkmöglichkeit" von Geldern missbraucht - vor allem von institutionellen Anlegern. Angeblich haben Banken in großem Stil aus den Grundinvest Gelder abgezogen. Aber auch die vorübergehend geschlossenen Immobilienfonds können Anleger über ein Wertpapier-Depot verkaufen. An den Börsen Berlin, Hamburg und Düsseldorf werden ab heute wieder die beiden Kan-Am-Fonds gehandelt, in Berlin auch der Grundbesitz-Invest der Deutschen Bank. Auch sei es möglich, Fondsanteile zu beleihen.

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