Ohrenstöpsel wegen Nachbarn: Wann welcher Lärm zu ertragen ist

- Wenn der Nachbar stundenlang auf sein Schlagzeug haut oder jeden Sonntagmorgen um sieben Uhr den Rasen mäht, kann die Hutkrempe schon mal hochgehen. Tatsächlich ärgert sich laut einer Umfrage des Deutschen Mieterbunds (DMB) jeder Dritte über die Geräuschkulisse nebenan. Nur: Was muss man ertragen und wann kann man sich beschweren?

<P>Nachtruhe</P><P>Wann es still zu sein hat, schreiben die Landesimmissionsschutzgesetze der Länder vor. Demnach muss von 22 bis 6 Uhr Nachtruhe herrschen. Außerhalb der Wohnung dürfen in diesem Zeitraum keine Fernsehgeräusche oder Gespräche mehr zu hören sein. Das gilt auch im Sommer: Wer beim Gartenfest nach 22 Uhr noch weiter feiern, lachen oder tanzen will, müsste die Party streng genommen in Zimmerlautstärke im Haus fortsetzen. In der Praxis dulden viele Nachbarn aber auch längere Feten im Freien. Man sollte sich zuvor absprechen.</P><P>Klavier spielen</P><P>Niemand kann seinem Nachbarn verbieten, Querflöte zu üben oder auf der Gitarre zu schrammeln. Sind im Mietvertrag keine verbindlichen Spielzeiten für Hausmusik vereinbart und können sich die Nachbarn nicht einigen, muss notfalls das Gericht einen Kompromiss finden. In der Regel sieht der so aus: Ruhezeiten von 12 bis 14 und von 20 bis 8 Uhr. Die maximal erlaubte Spielzeit am Tag wird meist auf zwei Stunden festgelegt. An diese Zeiten sollten sich Spieler von Klarinette, Saxofon, Geige, Violine, Bratsche, Cello oder Klavier dann aber auch halten. Fürs Akkordeon erlaubten Richter nur 1,5 Stunden, beim Schlagzeug sogar nur 45 Minuten.<BR><BR>Saugen & waschen</P><P>Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Wasch- oder Spülmaschine dürfen auch sonntags genutzt werden. Die allgemeinen Ruhezeiten sollten jedoch eingehalten werden: morgens zwischen 6 und 7 oder abends von 20 bis 22 Uhr. Die Mittagsruhe zwischen 13 und 15 Uhr ist häufig in der Hausordnung vorgeschrieben, ansonsten aber freiwillig, wie der DMB erklärt. Ausnahmen sind möglich: Eine Waschmaschine darf auch mal nach 22 Uhr laufen; zu dieser Uhrzeit darf auch noch gebadet und geduscht werden. Dass die Klospülung auch nachts gedrückt wird, ist ebenfalls erlaubt.<BR><BR>Rasen mähen</P><P>An Sonn- und Feiertagen ist Kritik an allzu eifrigen Nachbarn erlaubt: Lautstarkes Rasenmähen, Hecken schneiden oder Laub saugen sind an diesen Tagen nämlich tabu. So regelt es die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung, die seit September 2002 in Kraft ist. In Wohngebieten dürfen knatternde Rasenmäher, Motorkettensägen, Heckenscheren und Vertikutierer nur werktags benutzt werden einschließlich samstags. Ihr Einsatz ist zwischen 22 und 7 Uhr tabu. Aufgepasst: Schreiben Stadt- und Gemeindeordnungen noch schärfere Vorschriften vor, gelten diese.<BR><BR>Andere Geräte wie Laubsammler, Laubbläser, Grastrimmer, Graskantenschneider und Freischneider dürfen an Werktagen nur zwischen 9 und 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr eingesetzt werden. Rollbare Müllcontainer und Abfallsammelbehälter dürfen überdies werktags zwischen 20 und 7 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen gar nicht benutzt und auch nicht geleert werden.<BR><BR>Kindergeschrei</P><P>Wen Kinderlärm stört, schaut ins Rohr: Übliches Lachen, Weinen und Schreien von Babys und Kleinkindern ist kaum vermeidbar und muss von Nachbarn und Hausbewohnern hingenommen werden. Für solchen Lärm gelten "erweiterte Toleranzgrenzen", betont der Münchner Mieterverein. Grundsätzlich gilt: Kinder dürfen in der Wohnung spielen und auch drum herum, im Freien. Die Unruhe, die durch normales Spielen und Bewegen entsteht, muss von Mitbewohnern ertragen werden, betont der Deutsche Mieterbund. Auch gegen nächtliches Geschrei von Säuglingen können genervte Nachbarn nichts ausrichten.<BR><BR>Übermäßiger oder rücksichtsloser Lärm wie Fahrrad- oder Rollschuhfahren im Hausflur muss dagegen niemand akzeptieren. Die erweiterte Toleranzgrenze endet, wenn Heranwachsende dazu neigen, laut Musik zu hören und rauschende Partys zu feiern.<BR></P>

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