Der olympische Geist inspiriert Griechenlands Wirtschaft

- München - Dass Griechenland viel mehr ist als Sirtaki und Ouzo, hat nach der weltbekannten Mythologie und der Tatsache, dass es schon viele Jahre ein Touristenmagnet ist, auch der Gewinn der Fußball-Europameisterschaft 2004 eindrucksvoll gezeigt. Als Gastgeber der diesjährigen Olympischen Spiele ist das Land an der Ägäis nun für zwei Wochen der Nabel der Welt. Wirtschaftlich entwickelte sich Hellas in den letzten Jahren vorbildlich.

<P>Mit einem Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent belegte das Land im letzten Jahr im europäischen Vergleich den ersten Platz. Ökonomisch hat Griechenland schon seit einigen Jahren die Rolle des konjunkturellen Sorgenkindes abgelegt. In der Rangliste des Wohlstandes beispielsweise ist das Land in den letzten 40 Jahren von Platz 65 auf Rang 13 geklettert. Neben der erfreulichen Entwicklung des Wirtschaftswachstums konnte Hellas auch die Neuverschuldung erfolgreich bekämpfen. 2003 war die Neuverschuldungsrate lediglich bei 1,2 Prozent, der EU-Durchschnitt liegt bei 2,8 Prozent.</P><P>Olympia hat die wirtschaftliche Bilanz aber auch eingetrübt. Die Preissteigerungsrate des Landes liegt mit aktuell 3,5 Prozent weit über dem Euroland-Durchschnitt. Auch das Haushaltsdefizit ist deutlich gestiegen. Griechenland wird wohl auch 2004 die Vorgaben des Maastrich-Vertrages verletzen. Weniger positiv ist auch die hohe Staatsverschuldung. Mit 101,7 Prozent liegt sie immer noch weit über den aus den Maastricht-Verträgen erlaubten 60 Prozent.</P><P>Auch der Konsumfreude der Griechen ist es zu verdanken, dass das Land wirtschaftlich glänzen kann. Der private Verbrauch stieg im letzten Jahr um vier Prozent und auch für 2004 wird sich dieser Trend wohl nicht abschwächen. Vor allem Olympia und die damit verbundenen Investitionen brachten zuletzt die Wirtschaft in Schwung. Es wurden beispielsweise 120 Kilometer an neuen Straßen errichtet, die U-Bahn-Linien wurden verlängert, aber auch der Bau und Ausbau von Sportstätten brachte konjunkturelle Impulse und schaffte Arbeitsplätze. </P><P>Aus den geplanten Gesamtkosten von zwei bis drei Milliarden Euro wurden letzten Schätzungen zufolge rund acht Milliarden. Neben den Kosten für Sportstätten und Infrastruktur schlagen vor allem die Ausgaben für Sicherheit mit ca. 1,2 Milliarden Euro zu Buche. Kein Wunder also, dass auch viele Anleger Griechenland für sich entdeckt haben. Zwar konnte sich die Börse in Athen nicht gänzlich dem allgemeinen Trend entziehen, seit Januar 2003 konnte sich der MSCI-Griechenland-Index aber deutlich besser entwickeln als der MSCI-World.</P><P>Vom hohen Wirtschaftswachstum konnten viele börsennotierte Unternehmen profitieren. Auch für das laufende Jahr wird ein Gewinnwachstum von 20 Prozent prognostiziert, das durchschnittlich prognostizierte Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 (2004) ist trotzdem immer noch attraktiv. Zuletzt standen vor allem die Olympia-Profiteure auf den Kauflisten der Anleger: Bauunternehmen, Banken, Telekommunikationswerte und Aktien, die direkt oder indirekt vom Tourismus profitieren, zum Beispiel Autoverleiher, Fluggesellschaften und Hotelketten.</P><P>Gerade bei den Hotels entwickelte sich aber zuletzt ein Negativtrend. In Athen und nahe der Sportstätten kosten Übernachtungen teilweise 700 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Zimmerpreisen von 500 Euro und mehr suchen einige Hotels noch nach Gästen.</P><P>Auf den Empfehlungslisten der Analysten standen im Vorfeld der olympischen Spiele der Telekomkonzern OTE, der Sportwettenanbieter Opap, Minoan Lines (Fähren und Seetransport) und die Alphabank. Letztere ist nationaler Hauptsponsor und verkauft zudem in ihren Zweigstellen Tickets für die Wettkämpfe. Auch wenn Griechenland in Zukunft ohne den Olympia-Effekt weiterleben muss, so kann das Land trotzdem optimistisch in die Zukunft sehen.<BR></P>

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