OMV-Tankstellen: Österreicher sind die Nummer drei in Bayern

- München - Ein Energie-Gigant hat sich im Stillen etabliert. Ganz langsam ist der österreichische Versorgungskonzern OMV nach Bayern vorgedrungen. Mit dem Kauf eines Teils dessen, was BP aus kartellrechtlichen Gründen nach der Fusion mit Aral verkaufen musste, gehört er nun zu den Großen. Sichtbar wird das in den kommenden Monaten. Bis Jänner, wie man bei OMV sagt, steht auf den 247 neuen Tankstellen, die OMV gehören, auch OMV drauf.

<P>"Rebranding" nennen Fachleute den Farbwechsel an den Tankstellen. Mit 9 % Marktanteil ist OMV im Freistaat nun die Nummer drei. Bei den Raffinerien hat der Konzern durch den Zukauf von Bayernoil und 43 % Marktanteil den Spitzenplatz erobert, ebenso beim Kundengeschäft mit Öl (30 %). Außerdem forschen die Österreicher in Bayern nach neuen Öl- und Gasvorkommen. Aus 1,23 Milliarden Euro Umsatz 2002 in Bayern (und zu einem kleinen Teil in Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen) sollen heuer 3 Milliarden Euro werden. Weltweit waren es 2002 rund 7 Milliarden.<BR><BR>Als Multi will Konzernvize Gerhard Roiss OMV nicht sehen: "Wir sind kein Global Player", sagt er. Doch erstreckt sich das OMV-Reich schon weit über die Fläche hinaus, über die einst in Wien ein Kaiser herrschte. Entlang der Donau vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer und 700 Kilometer links und rechts davon, umreißt Roiss das Gebiet - zwölf Länder, in denen rund 110 Millionen Menschen leben.<BR><BR>Auch bei der Wertschöpfungskette will OMV nichts liegenlassen: von der Ölquelle bis zur Zapfsäule. Selbst Bitumen für den Straßenbelag und Ausgangsstoffe für die Chemie-Industrie liefert der Konzern.<BR><BR>Bei den Tankstellen aber setzt der zuständige OMV-Stratege Klaus-Jürgen Schneider nicht nur auf "Markenqualität" bei den Kraftstoffen: "Wir wollen Marktführer bei der Kundenzufriedenheit werden." Das ist ja auch bei der Konkurrenz mehr als Kasse und Zapfsäule: Der Shop mit Trendprodukten und Snacks ist der Standard, über den OMV hinaus will: mit Bankautomaten zum Beispiel.<BR>Was die Zukunft in dieser Hinsicht bringen wird, kann man bereits in Österreich besichtigen: Tankstellen, an denen Autofahrer zum Beispiel ihre Computer ins drahtlose Internet einloggen können.<BR><BR>Wer sich österreichische Preise beim Tanken erwartet, wird dagegen enttäuscht. "Wird sind kein Billiganbieter", sagt Schneider. Auch von den Kundenbindungsprogrammen der Konkurrenz hält er nichts. "Das ist oft ein Nullsummenspiel."<BR><BR>Bei den Zielen gibt sich OMV bescheiden: Von neun auf zehn Prozent will man den Marktanteil steigern. Ob zu den derzeit rund 400 noch weitere Tankstellen dazugekauft werden, will Roiss nicht sagen. "Uns fehlen 40 bis 50 Tankstellen", räumt er aber ein. Doch deshalb nimmt OMV längst nicht alles. Das hat bereits BP spüren müssen. Als die Österreicher das erste Angebot unter die Lupe nahmen, fanden sie vor allem heruntergekommene Gebäude oder Standorte, die demnächst vom Verkehr abgehängt werden. "Tail End", sagt Roiss dazu. In den Verhandlungen gab der britische Multi Stück für Stück nach. "Dadurch haben wir ein hoch attraktives Paket geschnürt bekommen", freut sich Schneider.<BR></P>

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