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Kunden mit Mobilfunkverträgen bei der Deutschen Telekom sind Opfer einer Betrugsserie beim Online-Banking geworden. Es handle sich um eine „zweistellige Zahl im mittleren Bereich“, ´hieß es bei der Telekom. 

Für mehr Sicherheit

Online-Banking: Diese Regeln müssen Sie beachten

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  • Sebastian Hölzle
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Mobilfunk-Kunden der Deutschen Telekom sind Opfer einer Betrugsserie geworden. Kriminelle haben Geld von Dutzenden Konten abgebucht. Was Sie beim Online-Banking beachten sollten.

Für Bankkunden ist es ein Albtraum: Plötzlich verschwindet Geld vom Konto, weil sich Betrüger Zugang zum Online-Account verschafft haben. Gestern wurde eine neue Betrugsmasche bekannt. Betrüger hatten die mobilen Transaktionsnummern (Tan) Dutzender Mobilfunkkunden der Telekom abgefischt. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie konnten Betrüger an die Transaktionsnummern gelangen?

Die betroffenen Kunden hatten ihre Bankgeschäfte online erledigt und dabei das mobile Tan-Verfahren (mTan) ihrer Bank genutzt. Bei diesem Verfahren bekommen Bankkunden die Transaktionsnummer per SMS aufs Handy geschickt. Den Betrügern war es gelungen, Spähprogramme auf den Computern der Opfer zu installieren und so an deren Zugangsdaten zu kommen. Gleichzeitig beschafften sich die Betrüger die Handy-Nummern der Kunden. Gegenüber der Telekom gaben sie sich als Mitarbeiter eines Handy-Ladens aus und meldeten einen angeblichen Verlust der SIM-Karte der Kunden und beantragten eine Ersatz-SIM-Karte. Mit diesem Trick gelang es den Betrügern, an die Transaktionsnummern zu gelangen und Geld von den Konten abzubuchen. Bei einem Kunden der Postbank sind vor zwei Wochen mehr als 30 000 Euro verschwunden. Die Telekom hat gestern einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigt und Verbesserungsbedarf eingeräumt. Ähnliche Betrugsfälle hatte es allerdings bereits in den Jahren 2014 und 2013 gegeben.

Ist das mobile Tan-Verfahren noch sicher?

Die Stiftung Warentest ist auch nach Bekanntwerden des jüngsten Betrugs von der hohen Sicherheit des Verfahrens überzeugt. Allerdings müssten Kunden auf die Sicherheit ihrer Rechner achten und sollten regelmäßig ihren Kontostand überprüfen. Sicherer als der Tan-Versand per SMS sei das ChipTan-Verfahren, so die Stiftung Warentest (siehe Kasten).

Wie kann ich mich gegen Betrug schützen?

Nach Angaben des Bankenverbands ist meist der Computer zu Hause das Einfallstor für Kriminelle. Daher sollten Kunden, die das Online-Banking nutzen, gewisse Sorgfaltspflichten einhalten: Dazu zähle das Installieren von Virenscannern und einer Firewall. Auch die Software sollte auf dem neuesten Stand sein. Updates des Betriebssystems sollten nicht hinausgezögert werden. Auch sollten Online-Bankgeschäfte niemals auf fremden Rechnern oder im Internet-Café erledigt werden. Ebenso sollten Kunden niemals E-Mails öffnen, die vermeintlich von einer Bank geschickt wurden. Bei einem Klick auf den Link könne eine Schadsoftware auf dem PC installiert werden.

Macht es einen Unterschied, ob ich die Tan auf einem Handy oder einem Smartphone empfange?

Ja. Bei Smartphones besteht ein erhöhtes Risiko. Beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik liegen seit Jahren Hinweise vor, dass Internet-Kriminelle verstärkt das mTAN-Verfahren angreifen. Gelingt es Hackern, Nutzer zur Eingabe der Handy-Daten am PC zu bewegen, ist die Trennung zwischen Smartphone und PC ausgehebelt. Dass sowohl das mobile Gerät als auch der Computer mit Schadsoftware infiziert sind, sei inzwischen nicht mehr auszuschließen, heißt es beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Daher gilt auch für Smartphone-Besitzer: Links von unbekannten E-Mails oder SMS nicht öffnen, Apps aus unbekannten Quellen nicht installieren.

Wer haftet für finanzielle Schäden?

Nach Information der Verbraucherzentrale NRW gilt der Grundsatz: Haben Bankkunden keinen Auftrag für eine Überweisung erteilt, muss die Bank für die Schäden durch illegale Abbuchungen haften – allerdings nur, wenn die Kunden nicht grob fahrlässig gehandelt haben. Sie dürfen beispielsweise keinem Fremden leichtfertig Zugang zu ihren Kontodaten ermöglichen. Wird dies in einem Rechtsstreit nachgewiesen, müssen die Betroffene möglicherweise selbst für den Schaden aufkommen. In der Regel sind die Banken allerdings kulant und erstatten das Geld.

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