1. Startseite
  2. Wirtschaft

Online-Casinos: Verbraucher können Verluste bei Glücksspiel zurückfordern

Erstellt:

Von: Lisa Mayerhofer

Kommentare

Junger Mann vor einem Glücksspielautomat in einem Casino in Berlin
Auch im Online-Casino ist das Geld schnell verspielt. © Britta Pedersen/dpa

Im Online-Casino ist das Geld schnell verspielt. Ein Anwalt rät jetzt Betroffenen, vor Gericht zu ziehen, wenn sie vor dem 1. Juli 2021 im Online-Casino Geld verloren haben.

Mönchengladbach – Online-Glücksspiele sind ein Milliardenmarkt. Nur: Das Angebot von Online-Glücksspielen in Deutschland ist weitgehend verboten. Damit sind die Verträge zwischen Spieler und Anbieter nichtig. Und das könnte sich nun für Menschen, die über Online-Casinos Geld verzockt haben, im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen.

Online-Casinos in Deutschland weitreichend verboten

Laut dem Glücksspielstaatsvertrag ist (Online-)Glücksspiel in Deutschland nur dann legal, wenn der Anbieter solcher Dienstleistungen im Besitz einer deutschen Lizenz ist. Trotz dieser Regelungen durch den Glücksspielstaatsvertrag bieten weiterhin zahlreiche Online-Casinos, mit einer Lizenz aus dem EU-Ausland, ihre Dienstleistungen auf dem deutschen Markt an, heißt es beim Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e. V.

Das führt dazu, dass man sein verlorenes Geld bei illegalem Glücksspiel zurückfordern kann. Da die Online-Glücksspielanbieter das Geld aber nicht auszahlen, sollten geschädigte Verbraucher vor Gericht ziehen. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Beschluss vom 4. April 2022, Az. 23 U 55/21) verdeutlichte, dass ein Online-Casino keinen Anspruch auf das Geld der Spieler habe.

Der Grund: Das Angebot von Online-Glücksspielen in Deutschland sei weitreichend verboten und die Verträge daher nichtig gewesen. Damit ist das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Gießen (Az.: 4 O 84/20), dass der maltesische Anbieter von Online-Glücksspiel an den Kläger 11.758,50 Euro zurückzahlen muss, de facto bestätigt.

Rechtsanwalt: „Das sollten sich geschädigte Verbraucher nicht entgehen lassen“

„Erst seit dem 1. Juli 2021 können Casinos ihr Angebot legal auch in Deutschland präsentieren, wenn sie dafür über eine nationale Lizenz verfügen. Daraus ergibt sich eine eindeutige Rechtslage. Wer vor diesem Stichtag bei einem Online-Glücksspiel-Anbieter Geld verloren hat, kann dieses zurückfordern“, erklärt der Mönchengladbacher Rechtsanwalt Gerrit W. Hartung, dessen Kanzlei sich ausschließlich mit Anleger- und Verbraucherschutzthemen befasst.

Bislang hätten die Gerichte entsprechende Forderungen geschädigter Verbraucher regelmäßig abgelehnt, mit dem Argument, dass es sich um illegales Online-Glücksspiel handele. Daher existiere kein Rückzahlungsanspruch. „Das OLG Frankfurt hat nun deutlich gemacht, der Rückzahlungsanspruch sei nur dann zu verwehren, wenn Spieler von der Illegalität des Online-Glücksspiels gewusst hätten. Das beklagte Online-Casino müsse diesen Zusammenhang dem Spieler nachweisen. Und das ist natürlich schwierig für die Anbieter illegaler Online-Casinos“, erklärt Hartung.

Der Rechtsanwalt betont daher: „Spieler, die in Online-Casinos vor dem 1. Juli 2021 Geld verloren haben, sollten sich nicht scheuen, den Weg zum Gericht zu gehen. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat die Türen für erfolgreiche Schadenersatzklagen weit geöffnet. Das sollten sich geschädigte Verbraucher nicht entgehen lassen.“ (lma/dpa)

Auch interessant

Kommentare